Krypto-Börse OKX bringt Pre-IPO-Wetten auf OpenAI und Anthropic nach Europa
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Die Kryptobörse OKX hat soeben zwei neue Produktkategorien für europäische Kund:innen freigeschaltet: Pre-IPO-Märkte auf noch nicht börsennotierte Unternehmen sowie tokenisierte Aktien. Den Auftakt bei den Pre-IPO-Märkten machen die beiden meistdiskutierten KI-Unternehmen der Branche, OpenAI und Anthropic.
Dabei handelt es sich um sogenannte X-Perps, also Perpetual Futures ohne Verfallsdatum, mit denen Trader:innen mit bis zu zehnfachem Hebel auf steigende oder fallende implizite Bewertungen der beiden Unternehmen setzen können. Positionen lassen sich laut Anbieter jederzeit öffnen und schließen, weitere Pre-IPO-Märkte sollen folgen. Angeboten werden die Instrumente über die OKX Europe Markets Ltd., die von der maltesischen Finanzmarktaufsicht MFSA nach dem dortigen Investment Services Act lizenziert ist.
100 tokenisierte Aktien, rund um die Uhr
Parallel dazu startet OKX tokenisierte Aktien mit rund 100 Märkten, darunter SpaceX, Google, Nvidia und Palantir sowie die ETFs SPY und QQQ. Sie sind rund um die Uhr handelbar, können als Sicherheit für X-Perps und für DCA- und Grid-Bots hinterlegt und on-chain auch auf Self-Custody-Wallets abgezogen werden. Auch hier gilt: Die Token bilden den Kurs des zugrundeliegenden Papiers ab, ohne direktes Eigentum oder Stimmrechte zu vermitteln.
„Pre-IPO-Märkte waren für die meisten europäischen Trader auf traditionellen Brokerage-Plattformen und anderen regulierten Anbietern nicht verfügbar“, sagt Erald Ghoos, CEO von OKX Europe. Das X-Perps-Volumen in Europa habe sich seit dem Auslaufen der MiCA-Übergangsfrist im Juli vervierfacht, die neuen Märkte richteten sich an dieselbe Zielgruppe.
Kein Novum am Markt
Neu ist das Angebot in seiner regulatorischen Verpackung, nicht im Prinzip. Kryptobörsen handeln synthetische Kontrakte auf OpenAI und Anthropic bereits seit Monaten: Binance und Hyperliquid führen Anthropic-Perpetuals, die Solana-Plattform PreStocks bietet eigene Token an, Kraken und Coinbase haben Pre-IPO-Perps für Kund:innen außerhalb der USA gestartet, bei Kraken bislang allerdings unter Ausschluss der EU.
Auch tokenisierte Aktien privater Unternehmen gab es in Europa schon früher: Robinhood brachte Token auf OpenAI und SpaceX im Sommer des Vorjahres zuerst in der EU auf den Markt, noch vor den USA. Das Angebot löste prompt Widerspruch aus. OpenAI stellte damals öffentlich klar: „Diese ‚OpenAI-Token‘ sind keine OpenAI-Aktien“, es bestehe keine Partnerschaft mit dem Neobroker, und jede Übertragung von Anteilen bedürfe der ausdrücklichen Zustimmung des Unternehmens. Robinhood-CEO Vlad Tenev räumte in der Folge ein, dass es sich „technisch gesehen nicht um Eigenkapital“ handle. Die litauische Zentralbank als zuständige Aufsicht nahm das Produkt anschließend unter die Lupe.
Was Käufer:innen tatsächlich bekommen
Der zentrale Punkt steht in den Risikohinweisen von OKX selbst: Pre-IPO-X-Perps vermitteln weder Eigentum noch einen wirtschaftlichen Anspruch am referenzierten Unternehmen. Ihr Preis kann erheblich von privaten Bewertungen oder einem späteren IPO-Preis abweichen, und ein Börsengang kann sich verzögern, abgesagt werden oder nie stattfinden. Firmennamen implizieren keine Verbindung oder Zustimmung des jeweiligen Unternehmens. Es handelt sich also um Derivate auf eine Referenzgröße, nicht um einen Zugang zum Cap Table.
Wenn die Referenzgröße abhebt
Wie weit sich diese Referenzgröße vom realen Preisgeschehen lösen kann, zeigt der Fall Anthropic. Die Perpetuals auf Binance und Hyperliquid implizierten zuletzt eine Bewertung von rund 1,93 Billionen Dollar, PreStocks kam auf etwa 1,41 Billionen Dollar. Die jüngste Series-H-Runde bewertete das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar. Ohne einen börsennotierten Basiswert orientiert sich der Preis solcher Kontrakte primär an der Erwartungshaltung der Handelsteilnehmer:innen.
Für den europäischen Markt bleibt damit vor allem eine Frage offen: ob die Aufsichtsbehörden ein MiCA- und MiFID-konformes Konstrukt anders bewerten als die tokenisierten Papiere, die vor gut einem Jahr für Diskussionen gesorgt haben. Der Hebel von bis zu 10x auf eine Bewertung, die kein regulierter Markt validiert, dürfte die Debatte jedenfalls nicht beenden.

