niceshops: „An der Wiener Börse ist man sehr gut aufgehoben“
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
“IPO Spotlight” – gemeinsam mit der Wiener Börse sprechen wir mit einigen der besten Expert:innen Europas über den Weg von Unternehmen und Scale-ups an die Börse.
Das steirische E-Commerce-Unternehmen niceshops beschäftigt sich seit Jahren mit einem Börsengang, und zwar am liebsten in Wien. Aus dem Keller der Schwiegereltern ist seit der Gründung 2006 ein Player mit rund 45 Shop-Marken, etwa 400 Mitarbeiter:innen und zuletzt 169 Millionen Euro Umsatz bei 8 Millionen Euro EBITDA gewachsen.
Im Podcast „IPO Spotlight„, den Trending Topics gemeinsam mit der Wiener Börse produziert, sprechen Christoph Schreiner und Carina Hödl aus der niceshops-Geschäftsführung über IPO-Pläne, offene Hausaufgaben und ihre Erwartungen an den heimischen Handelsplatz.
>>> Tipp: Aktuell können sich Interessierte zum IPO-Readiness-Bootcamp der Wiener Börse mit EY am 1. Oktober 2026 unter www.wienerborse.at/listing/boersegang-ipo/workshop/ anmelden.
Mit 30 Shop-Marken Richtung 200 Millionen Euro Umsatz
niceshops betreibt rund 30 Shop-Brands in 18 Sprachen, von 3DJake im 3D-Druck bis zu Ecco Verde in der Naturkosmetik, dazu Eigenmarken sowie Fulfillment- und Technologie-Services für Partnerunternehmen. Die Software für Shop-System, Lagerverwaltung und Internationalisierung entsteht im eigenen Haus, die Exportquote liegt bei rund 88 Prozent in etwa 80 Länder. Der DACH-Raum wächst mit rund 20 Prozent, Märkte wie Ungarn, Polen und Tschechien mit 24 bis 25 Prozent. Künstliche Intelligenz sieht Hödl in diesem Umfeld als Werkzeug, das im Hintergrund Effizienz bringt, etwa bei Übersetzungen.
Vorausgegangen ist eine schwierige Phase: Ab Ende 2022 kippten Lieferketten und Einkaufspreise, 2024 folgte ein Krisenjahr mit Personalabbau und ein Restrukturierungsprozess mit Banken und Beratern. „Wir haben unsere Restrukturierung aus einer Vertragssicht heuer abgeschlossen, und es hat kein Partner, keine Bank, kein Lieferant auch nur einen Cent bei uns verloren“, sagt Schreiner. Die Verbindlichkeiten sanken um 30 Millionen Euro.
Für die kommenden Jahre peilt die Geschäftsführung jährlich rund 20 Prozent Umsatzwachstum bei einer EBITDA-Marge um die 4 Prozent an, für heuer stehen 200 Millionen Euro Umsatz im Plan, die nach dem Halbjahresergebnis erreichbar scheinen. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das steirische E-Commerce-Unternehmen einen Umsatz von 97,3 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 23,6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.
„Das Thema IPO treibt uns schon seit Jahren um“
Formal ist niceshops eine GmbH, betreibt aber bereits eine eigene Investor-Relations-Seite. Gespräche mit der Wiener Börse gab es schon in der Vergangenheit. „Das ist dann eben durch unsere Krise in den Hintergrund geraten, weil uns natürlich bewusst ist, dass das eine längere Vorbereitungszeit braucht und auch die ganzen Kriterien erfüllt sein müssen. Es muss für das Unternehmen der richtige Zeitpunkt sein“, sagt Hödl.
Aufgegeben hat das Unternehmen den Gedanken deshalb nicht. „Das Thema IPO ist im gesamten Gesellschafterkreis kein neues, das jetzt mit dem Podcast aufkommt. Das ist etwas, was uns schon seit Jahren umtreibt“, so Schreiner. Den Rahmen dafür beschreibt Hödl mit einem Satz, der im Unternehmen offenbar öfter fällt: „Wir bauen das Unternehmen zwar so, als würden wir es ewig behalten, aber auch so, dass wir es jederzeit verkaufen könnten.“
Was ein Börsengang bringen soll
Für die Geschäftsführung sprechen vier Argumente für ein Listing. Das erste ist der Kapitalzugang. Das operative Geschäft finanziert niceshops aus dem laufenden Cashflow, und auch die Expansion in neue Länder gilt intern längst als Tagesgeschäft, das kaum Investitionen bindet. Bei strategischen Initiativen sieht das anders aus. „Es gibt Themen, die uns in der Vergangenheit begleitet haben, wo wir gesagt haben: Da ist ein Börsengang aus unserer Perspektive eigentlich der einzige Ausweg. Es wird einfach leichter, Kapital für größere Wachstumsschritte zu beschaffen, die man aus eigener Kraft vielleicht nicht stemmen kann“, erklärt Schreiner.
Das zweite Argument ist die Bewertung, die an der Börse standardisiert und laufend sichtbar wird. „Man hat, wenn man möchte, minutenaktuell einen Unternehmenswert. Das ist gerade aus einer Gesellschafterperspektive schon super spannend“, sagt Schreiner. Drittens seien mit einem Listing „gewisse Governance-Themen einfach geklärt, was es für Mitarbeiter, für Lieferanten, für Banken, was Bonität betrifft, einfach leichter macht“.
Das vierte und für Schreiner ausschlaggebende Argument betrifft die Eigentümerstruktur: „Die Frage ist, wie eine Gesellschaftsstruktur ausschaut, um ein langfristiges Überleben des Unternehmens sicherzustellen. Wir denken, dass die Unternehmensform einer Aktiengesellschaft mehr oder weniger unumgänglich ist, und dass gerade auch ein Listing an einer Börse der richtige Weg ist, weil du die Gesellschaftsstruktur zwischen institutionellen und Retail-Investoren gut aufstellen kannst.“
Die Hausaufgaben bis zur Börsenreife
Vor dem Prozess steht für niceshops eine Grundsatzentscheidung. „Ein Gedanke, der uns beschäftigt, ist, wann das Unternehmen groß genug ist, also groß im Sinne von Unternehmenswert. Wann macht das Sinn? Da brauchen wir für uns eine Klarheit, und dann starten wir den Prozess“, sagt Hödl.
Danach beginnt die Liste der Aufgaben, angefangen bei der Umwandlung der Rechtsform von der GmbH in eine Aktiengesellschaft. „Ich denke hier daran, dass wir unsere Abschlüsse noch schneller hinkriegen, dass wir gewisse Berichtspflichten erfüllen können“, zählt Hödl auf. Bei Compliance und Governance sieht sie das Unternehmen bereits weit: „Einerseits auch aus der Restrukturierungsphase, wo wir, würde ich sagen, ein bisschen ‚Strebertendenzen‘ gehabt haben und auch haben müssen. Aber trotzdem ist da ganz viel zu tun, ganz viel vorzubereiten.“ Dass im Zuge eines solchen Prozesses noch weitere offene Punkte sichtbar werden, nimmt die Geschäftsführung als gegeben an. Kapitalmarktexpert:innen seien sie schließlich noch keine, räumt Schreiner ein.
Warum es die Wiener Börse werden soll
Als Börsenplatz liegt Wien für das steirische Unternehmen nahe. „Wir sind sehr regional verwurzelt und auch sehr stolz, dass wir aus der Steiermark beziehungsweise aus Österreich kommen und das leisten können. Deswegen wäre die Wiener Börse für uns natürlich die präferierte Börse“, sagt Hödl. Als Scale-up erwarte man sich dort außerdem eine bessere Betreuung als anderswo, dazu komme die Perspektive auf eine Aufnahme in einen Leitindex.
Auch die Anlegerseite spricht aus ihrer Sicht für Wien: „Ich glaube, dass es gerade an der Wiener Börse sehr interessant ist, weil sich da alles tummelt, was für uns interessant ist. Das heißt, wir haben sowohl österreichische als auch internationale Investor:innen.“ Im DACH-Raum ist niceshops ohnehin bereits bekannt, der Hebel eines Listings liegt damit vor allem in der internationalen Sichtbarkeit.
Bleibt die Frage, was sich das Unternehmen von der Wiener Börse erwartet. „Das Gefühl, das uns da vermittelt wird, ist, dass einfach irrsinnig viel Unterstützung da ist“, sagt Hödl. Gemeint sind etwa eine gute Roadshow-Unterstützung, die Vernetzung mit unterschiedlichen Partnern und Begleitung über den gesamten Prozess hinweg. „Ich glaube, da ist man sehr gut aufgehoben an der Wiener Börse.“
