Personalie

Magic-Investor und OpenAI-Mitgründer Andrej Karpathy geht zu Anthropic

AI-Entwickler Andrej Karpathy. © A. Karpathy
AI-Entwickler Andrej Karpathy. © A. Karpathy

Es ist einer der größten Personalcoups im aktuellen KI-Talentrennen: Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI und ehemaliger KI-Chef bei Tesla, hat seinen Wechsel zum US-Konkurrenten Anthropic bekannt gegeben. Der Forscher verkündete den Schritt am Dienstag auf X: „Personal update: I’ve joined Anthropic. I think the next few years at the frontier of LLMs will be especially formative.“ Karpathy nimmt seine Arbeit noch in dieser Woche auf.

Für Anthropic, das mit seinem Modell Claude direkt mit OpenAI und Google im Wettbewerb steht, ist die Verpflichtung mehr als ein symbolischer Sieg. Sie zeigt, dass das von den Geschwistern Amodei geführte Unternehmen sich zunehmend als Anziehungspunkt für die kleine Gruppe von Forscher:innen etabliert, die in der Lage sind, die Grenze großer Sprachmodelle aktiv zu verschieben.

Karpathy hat sich auch als Investor betätigt, und zwar unter anderem bei Magic, dem von den beiden Österreichern Eric Steinberger und Sebastian De Ro gegründeten Startup, das mehr als eine halbe Milliarde Dollar geraised hat (mehr dazu hier).

Magic: Gründungsmitglied von OpenAI steigt bei Wiener LLM-Startup ein

Neue Rolle: Claude soll Claude besser machen

Karpathy steigt im Pre-Training-Team unter Teamlead Nick Joseph ein – einem weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeiter. Pre-Training ist jene rechenintensive Phase, in der ein Modell durch massive Trainingsläufe sein grundlegendes Wissen und seine Fähigkeiten erwirbt, bevor Fine-Tuning und Alignment greifen.

Seine konkrete Aufgabe geht aber darüber hinaus: Karpathy soll ein neues Team aufbauen, das Claude selbst nutzt, um die Pre-Training-Forschung zu beschleunigen. Das Signal dahinter ist deutlich: Anthropic setzt nicht primär auf schiere Compute-Kapazität, um sich gegen OpenAI und Google zu behaupten, sondern auf KI-gestützte Forschung – also auf den Versuch, Teile der KI-Entwicklung selbst zu automatisieren. „I can’t think of anyone better suited to do it“, schrieb Joseph in einem Welcome-Post auf X.

Vom OpenAI-Gründungsmitglied zum Tesla-KI-Chef

Karpathy ist eine der wenigen Persönlichkeiten in der KI-Welt, die Glaubwürdigkeit gleichzeitig in Forschung, Industrie und Bildung genießen. Er promovierte 2016 an der Stanford University im Bereich neuronaler Netze und Computer Vision, war Forschungspraktikant bei Google DeepMind und gehörte anschließend zum Gründungsteam von OpenAI.

2017 wechselte er auf Drängen von Elon Musk zu Tesla, wo er fünf Jahre lang als Director of AI das Computer-Vision-Team hinter Autopilot und Full Self-Driving leitete. 2022 verließ er Tesla, kehrte kurz zu OpenAI zurück und gründete 2024 das KI-Bildungs-Startup Eureka Labs. Letzteres dürfte nun pausieren – Karpathy betonte aber, dass ihm das Thema Bildung weiterhin wichtig sei und er „in time“ wieder daran arbeiten wolle.

Bekanntheit in der Entwickler-Community: „Vibe Coding“ und „Zero to Hero“

In der Developer- und KI-Community wurde Karpathy nicht zuletzt durch seine pädagogischen Arbeiten zur Galionsfigur. Seine YouTube-Serie „Neural Networks: Zero to Hero“ gilt als Standardlektüre für alle, die neuronale Netze von Grund auf in Code nachbauen wollen. Auf X und YouTube erreicht er ein Millionenpublikum mit technischen Erklärvideos und Live-Coding-Sessions.

Geprägt hat er außerdem zwei Begriffe, die mittlerweile zum festen Vokabular der KI-Szene gehören:

  • „Vibe Coding“: Im Februar 2025 beschrieb Karpathy damit eine neue Art zu programmieren, bei der man „sich voll den Vibes hingibt, Exponentiale umarmt und vergisst, dass der Code überhaupt existiert“ – möglich gemacht durch immer leistungsfähigere LLMs wie Cursor Composer mit Claude Sonnet.
  • „Tokenmaxxing“: Karpathy bezeichnete sich zuletzt selbst als seit Dezember in einem „state of AI psychosis“, in dem er Frontier-Modelle aggressiv stresstestet und auf maximalen Token-Output trimmt.

Was der Wechsel für das Talentrennen bedeutet

Karpathys Wechsel reiht sich in eine Serie hochkarätiger Anthropic-Hires ein. Erst Anfang Mai wechselte Ross Nordeen, Gründungsmitglied von Elon Musks xAI, zum Claude-Macher. Zeitgleich mit Karpathy stieg auch Cybersecurity-Veteran Chris Rohlf (zuvor Meta und Yahoo) ins Frontier-Red-Team von Anthropic ein, das fortgeschrittene Modelle gegen ernsthafte Bedrohungen stresstestet.

Bei OpenAI gab es zuletzt umgekehrt prominente Abgänge: Ex-Chefwissenschaftler Ilya Sutskever (heute Safe Superintelligence Inc) und Ex-CTO Mira Murati (Thinking Machines Lab) verließen das Unternehmen in den vergangenen Jahren. Anthropic ist laut Berichten dabei, OpenAI in der privaten Marktbewertung zu überholen – und positioniert sich mit Hires wie Karpathy als ernsthafter Herausforderer um die Definitionsmacht über die nächste LLM-Generation.

Karpathy selbst bringt es in seinem Posting auf den Punkt: Er wolle „zurück in die F&E“. Bei Anthropic dürfte das bedeuten, Claude beizubringen, sich selbst zu verbessern.

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