Mostly AI stellt nach mehr als 30 Millionen Euro Investments den Betrieb ein
Sie galten lange Zeit als Vorreiter des AI-Boom, doch nun schließen sie die Türen: Das KI-Startup Mostly AI aus Wien, das sich auf synthetisierte Daten spezialiserte, stellt laut CEO Tobias Hann den Betrieb ein. Nach mehr als 8 Jahren und Investments von insgesamt mehr als 30 Millionen Euro bedeutet dies das Ende eines der Hoffnungsträger Österreichs im KI-Bereich. Gerüchte, dass die Jungfirma in Konkurs gegangen sei, dementiert Hann.
„Nach fast neun Jahren Aufbauarbeit haben wir die Entscheidung getroffen, den Betrieb einzustellen. Dies war ein schwieriger Schritt, der mit gemischten Gefühlen verbunden ist. Wir möchten uns aufrichtig bei unserem Team, unseren Kunden sowie unseren Investoren für ihr Vertrauen, ihre Einsatzbereitschaft und ihre Unterstützung während dieser Reise bedanken. Ihr Engagement hat es erst möglich gemacht, das aufzubauen, was wir aufgebaut haben“, so Hann.
„Thema Datenschutz hat an Relevanz verloren“
Zu den genauen Gründen für das Ende der Firma sagt Hann nichts, meint aber, dass Startups „ihrem Wesen nach mit hohen Risiken verbunden sind.“ Ein Erfolg sei niemals garantiert. „In den vergangenen Jahren hat sich das makroökonomische Umfeld deutlich verändert. Das Thema Datenschutz hat in den globalen Märkten an Relevanz verloren, gleichzeitig hat der wachsende Druck zur Deregulierung die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unser Geschäftsmodell verschlechtert“, so der CEO.
Der KI-Bereich ist laut Hann eines der dynamischsten und sich am schnellsten entwickelnden Technologiefelder unserer Zeit. „Solche Umfelder bringen zwangsläufig einige wenige klare Gewinner hervor, während andere trotz starker Teams und solider Grundlagen ihre Position nicht dauerhaft behaupten können. Auch wenn dies nicht das Ergebnis ist, das wir uns erhofft hatten, sind wir stolz auf die geleistete Arbeit und auf die Menschen, die sie möglich gemacht haben.“
Mostly AI war Pionier bei synthetischen Daten
Mostly AI wurde 2017 in Wien von den drei Datenwissenschaftlern Michael Platzer, Klaudius Kalcher und Roland Boubela gegründet zu einer Zeit, als synthetische Daten noch nicht weit verbreitet waren. Inspiriert von Fortschritten bei der KI-generierten Bildsynthese und den offensichtlichen Schwächen klassischer Datenanonymisierung wollten sie strukturierte, datenschutzkonforme Datensätze mithilfe von KI zu erzeugen. Mit der Einführung der DSGVO 2018 brachten sie die erste Version ihrer Synthetic Data Platform auf den Markt.
Seitdem hat sich das Unternehmen von einem reinen Synthetic-Data-Anbieter zu einer breiteren Data-Intelligence-Plattform weiterentwickelt. Neben synthetischen Daten umfasst die Plattform auch Mock-Data-Generierung, simulierte Daten und KI-gestützte Insights.
Investitionen beliefen sich auf 31 Mio. Dollar
Mostly AI gehört zu jenen österreichischen KI-Startups, die bisher das meiste Funding erhalten haben. Laut Crunchbase belaufen sich die Investitionen über die vergangenen Jahre auf insgesamt etwa 31 Mio. Dollar. Am bedeutendsten war die Series B, die 2022 durchgeführt wurde, als das Unternehmen 25 Mio. Dollar Investment aufnahm. Damals ließen die Geldgeber Citi Ventures, 42CAP mit Sitz in München und Earlybird mit Sitz in Berlin viel Geld springen, und zwar schon bevor der Hype um generative KI mit dem Launch von ChatGPT im November 2022 so richtig losging.
2025 noch hat das Unternehmen einen mit 100.000 Dollar dotierten Preis ausgelobt, bei dem Teilnehmende die Chance hatten, insgesamt 100.000 Dollar zu gewinnen. Der Fokus lag auf der Generierung hochwertiger synthetischer Daten, die sowohl statistisch präzise als auch datenschutzkonform sein mussten.
Wie Trending Topics auch in Erfahrung brachte, gab es in zweiten Halbjahr 2025 noch Versuche, das Unternehmen zu verkaufen – diese scheinen nicht gefruchtet zu haben.
Kein Konkurs, aber dennoch das Ende
Das ursprüngliche Gerücht, dass Mostly AI Konkurs anmelden werde, kam von Johannes Mansbart, dem CEO & Co-Founder von Chatarmin. In einem YouTube-Video behauptete Mansbart, dass Mostly AI nicht nur zahlungsunfähig sei, sondern auch „nicht einmal 10 zahlende Kunden“ habe. Man habe trotz AI-Boom „nicht einen einzigen Cent“ an Investoren retourniert. Mansbart bezeichnete das als „Red Flag“ für Mitarbeitende.
Tobias Hann dementiert diese Darstellung von Mansbart. In der Zwischenzeit hat Mansbart selbst gegenüber Trending Topics sein Wording geändert und meint nicht mehr, dass das Unternehmen in Konkurs gegangen sei, sondern eben den Betrieb einstellt.
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