OpenAI & Microsoft: Keine Cloud-Exklusivität und kein Revenue Share mehr
Die größte Scheidung der Tech-Branche geht weiter: Die Zusammenarbeit zwischen OpenAI und Microsoft wird grundlegend neu geordnet. Beide Unternehmen haben eine überarbeitete Vereinbarung bekanntgegeben, die OpenAI deutlich mehr Freiheiten einräumt und gleichzeitig die langfristige Rolle Microsofts neu definiert. Es ist bereits die zweite größere Anpassung des Deals innerhalb von weniger als einem Jahr.
Kein exklusiver Cloud-Partner mehr
Einer der zentralen Punkte der neuen Vereinbarung betrifft die Cloud-Infrastruktur. Microsoft bleibt zwar der primäre Cloud-Partner von OpenAI, und neue Produkte sollen weiterhin zuerst über Microsofts Azure-Plattform ausgeliefert werden. Allerdings gilt das nur noch unter einer Bedingung: wenn Microsoft die notwendigen technischen Kapazitäten bereitstellen kann und will.
Ist das nicht der Fall, darf OpenAI künftig mit beliebigen anderen Cloud-Anbietern zusammenarbeiten, darunter auch Amazon Web Services. Zudem kann OpenAI seine Produkte nun grundsätzlich über jeden Cloud-Anbieter an Kunden ausliefern. Die bisherige Exklusivität, die Microsoft laut Berichten sogar zu rechtlichen Schritten gegen einen geplanten AWS-Deal veranlasst hatte, ist damit Geschichte.
Revenue Share wird abgeschafft
Auch finanziell ändert sich die Struktur der Partnerschaft erheblich. Microsoft wird künftig keine Umsatzbeteiligung mehr an OpenAI zahlen. In die andere Richtung laufen die Zahlungen noch bis 2030 weiter: OpenAI überweist Microsoft weiterhin einen Anteil seiner Einnahmen, allerdings nun unabhängig vom technologischen Fortschritt des Unternehmens und mit einer Gesamtobergrenze versehen.
Bislang war in der Vereinbarung vorgesehen, dass die Zahlungen enden könnten, sobald ein Expertengremium feststellt, dass OpenAI sogenannte künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) erreicht hat. Diese Klausel entfällt mit der neuen Regelung. Die Zahlungen laufen nun nach einem festen, gedeckelten Schema bis 2030.
Microsoft bleibt größter Anteilseigner
Microsoft behält seine Lizenz auf die Technologie und Produkte von OpenAI bis zum Jahr 2032. Allerdings ist auch diese Lizenz nicht mehr exklusiv. OpenAI kann seine Modelle und Produkte damit auch anderen Partnern oder Kunden direkt zugänglich machen, ohne an die bisherigen Einschränkungen gebunden zu sein.
Trotz der gelockerten Bedingungen bleibt Microsoft eng mit OpenAI verbunden. Das Unternehmen hält weiterhin rund 27 Prozent an OpenAI und ist damit der größte Einzelaktionär. Analysten bewerten die neue Vereinbarung überwiegend positiv für beide Seiten.
Hintergrund: Eine Partnerschaft im Wandel
Die nun verkündeten Änderungen sind bereits die zweite größere Überarbeitung der Partnerschaft in kurzer Zeit. Im Oktober 2025 hatten beide Unternehmen ihre Vereinbarung im Zuge von OpenAIs Umstrukturierung zu einem gewinnorientierten Unternehmen neu gestaltet. Die aktuelle Anpassung folgt rund sechs Monate später und spiegelt den wachsenden Handlungsspielraum wider, den OpenAI als eigenständiges Unternehmen einfordert.
Parallel dazu steht OpenAI vor weiteren bedeutenden Entwicklungen. Am selben Tag begann die Jury-Auswahl im Prozess zwischen Elon Musk, OpenAI und Unternehmenschef Sam Altman, in dem Musk die Rückabwicklung der Umstrukturierung von OpenAI anstrebt (mehr dazu hier).


