Übernahme

OpenAI kauft Tech-Talkshow TBPN für mehrere hundert Millionen Dollar

Sam Altman in the TBPN Show. © Screenshot
Sam Altman in the TBPN Show. © Screenshot

Der ChatGPT-Hersteller OpenAI hat die populäre Technologie-Talkshow TBPN (Technology Business Programming Network) übernommen. Der Kaufpreis liegt laut einer mit den Konditionen vertrauten Person im „niedrigen dreistelligen Millionenbereich“ in US-Dollar. Der Deal markiert einen ungewöhnlichen Schritt für das KI-Unternehmen, das sich zuletzt öffentlich dazu verpflichtet hatte, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und etwa den Videogenerator Sora fallen ließ.

Was ist TBPN?

TBPN wurde im Oktober 2024 gegründet und sendet seit März 2025 täglich drei Stunden live an Werktagen. Die Show hat sich schnell zu einem festen Bestandteil der Silicon-Valley-Kultur entwickelt und gilt in Gründer- und Investorenkreisen als bevorzugtes Format für Technologiediskussionen. Zu den bisherigen Gästen zählen unter anderem Meta-Chef Mark Zuckerberg, Microsoft-CEO Satya Nadella und OpenAI-Gründer Sam Altman.

Das elfköpfige Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr rund fünf Millionen US-Dollar Umsatz aus Werbeeinnahmen und ist für 2026 auf Kurs, mehr als 30 Millionen US-Dollar einzunehmen. Durchschnittlich verfolgen rund 70.000 Zuschauer pro Episode die Sendung auf verschiedenen Online-Plattformen.

Mitgründer John Coogan und die Altman-Connection

Für Coogan ist die Übernahme ein persönlicher Meilenstein. Er und OpenAI-Gründer Sam Altman verbindet eine mehr als zehnjährige Geschichte: Altman finanzierte 2013 Coogans erstes Unternehmen, half später bei einem kritischen Finanzierungsengpass und war als YC-Präsident aktiv, als Coogan sein zweites Startup durch das Accelerator-Programm führte.

„Das ist ein Vollkreis-Moment für mich. Das letzte Jahr war der spaßigste und lohnendste Teil meiner Karriere, und wir freuen uns, künftig mehr Ressourcen als je zuvor zu haben.“

Zur inhaltlichen Ausrichtung betonte Coogan, dass die Show unverändert bleibe und weiterhin täglich um 11 Uhr pazifischer Zeit live gehe. Gemeinsam mit Co-Host Jordi Hays erklärte er außerdem:

„Der Schritt von der Berichterstattung hin zu echtem Einfluss darauf, wie diese Technologie weltweit verbreitet und verstanden wird, ist für uns von enormer Bedeutung.“

Was sagt OpenAI-Managerin Fidji Simo?

Fidji Simo, die als CEO of Applications das Produktgeschäft von OpenAI leitet, informierte die Belegschaft in einem internen Memo über die Transaktion. Sie begründete den Kauf mit dem Ziel, konstruktive gesellschaftliche Debatten rund um KI zu fördern.

„TBPN ist einer der Orte, an denen das Gespräch über KI und Entwickler tatsächlich täglich stattfindet. Coogan und Hays haben einen Raum für echte, konstruktive Diskussionen über die Veränderungen geschaffen, die KI mit sich bringt.“

Simo hob zudem den praktischen Nutzen für OpenAI hervor: Das TBPN-Team werde dem Unternehmen bei Marketing und Kommunikation helfen. „Sie haben vielen Marken geholfen, online zu vermarkten, und weil sie ein starkes Gespür dafür haben, wohin sich die Branche entwickelt, haben ihre Kommunikations- und Marketingideen mich wirklich beeindruckt“, schrieb sie.

Redaktionelle Unabhängigkeit und mögliche Interessenkonflikte

OpenAI betont, TBPN werde redaktionell unabhängig bleiben und weiterhin die volle Kontrolle über Programmgestaltung, Gastauswahl und Produktionsplanung behalten. Die Show soll in Los Angeles ansässig bleiben und an Chris Lehane, OpenAIs Chief Global Affairs Officer, berichten.

Ob dieses Versprechen in der Praxis haltbar ist, bleibt eine offene Frage. Kritiker verweisen auf frühere Fälle, in denen ähnliche Zusagen unter dem Druck wirtschaftlicher Interessen ins Wanken gerieten, etwa beim Krypto-Nachrichtenportal CoinDesk. Hinzu kommt, dass mehrere bisherige TBPN-Werbepartner direkte Konkurrenten von OpenAI sind. Das Werbegeschäft der Show soll unter der neuen Eigentümerschaft eingestellt werden.

Hintergründe: Strategie oder Ablenkung?

Der Kauf fällt in eine Phase, in der OpenAI intern auf Fokus drängt. Simo hatte in einem Memo vom vergangenen Monat die Belegschaft aufgefordert, sich auf Kernprodukte wie ChatGPT und Business-Coding-Tools zu konzentrieren: „Wir dürfen diesen Moment nicht verpassen, weil wir uns von Nebenschauplätzen ablenken lassen.“

Unternehmensnahe Kreise weisen den Vorwurf zurück, TBPN sei ein solcher Nebenschauplatz. Da weder Forscher noch Ingenieure für die Show eingespannt würden und es sich um kein neues Produkt handele, sei die Übernahme kein Ablenkungsmanöver, hieß es.

Beobachter sehen in dem Deal vor allem eine strategische Kommunikationsmaßnahme: OpenAI steht unter zunehmendem öffentlichem Druck, unter anderem wegen seiner Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium und eines Werbestreits mit dem Konkurrenten Anthropic. Mit TBPN sichert sich das Unternehmen Zugang zu einem Format, das in der Tech-Branche als glaubwürdig und einflussreich gilt, und kann so die eigene Botschaft gezielter in relevante Zielgruppen tragen.

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