Rüstung

Quantum Systems launcht Bodenfahrzeug, nachdem CEO bei ARX Robotics ausstieg

Mandrill of Quantum Systems. © Quantum Systems
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Der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems hat auf der Enforce Tac 2026 sein erstes unbemanntes Bodenfahrzeug vorgestellt und damit offiziell eine neue Geschäftssparte gestartet. Die Expansion in die Bodenrobotik erfolgt nur einen Monat nachdem der Gründer des Unternehmens Florian Seibel seine Beteiligung am Bodenroboter-Hersteller ARX Robotics verkauft hatte. Kurz zuvor gab das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 150 Millionen Euro bekannt, außerdem kursieren Pläne für einen möglichen Börsengang.

Interessant in dem Zusammenhang ist auch, dass Quantum Systems und ARX Robotics 2024 eine Partnerschaft starteten, um gemeinsam die deutsche Bundeswehr mit unbemannten Systemen zu versorgen. Quantum Systems positionierte sich damals als Drohnen-Spezialist, während ARX als Spezialist für unbemannte Bodenfahrzeuge dargestellt wurde. Mit MANDRILL geht Qunatum Systems nun in Wettbewerb zu ARX.

MANDRILL: Einstieg in die Ground Robotics Domäne

Mit dem MANDRILL präsentiert Quantum Systems ein modulares Bodenfahrzeug, das vollständig in die hauseigene Software Suite MOSAIC UXS integriert ist. Das System soll den Auftakt einer geplanten „Family of Ground Systems“ bilden und ist für verschiedene militärische und behördliche Einsätze konzipiert.

Das Fahrzeug basiert auf einer modularen Architektur und kann für unterschiedliche Missionsprofile angepasst werden:

  • Aufklärung (ISR) mit EO/IR-Gimbals und weiteren Sensornutzlasten
  • Logistik- und Engineering-Unterstützung
  • Verwundetentransport (Medevac)
  • Schlepp- und Bergeoperationen
  • Elektronische Kampfführung
  • Integration robotisierter Drohnenstart- und Landevorrichtungen

„Mit dem MANDRILL schaffen wir die Grundlage für eine leistungsfähige und skalierbare Family of Systems im bodengebundenen Bereich. Unser Anspruch ist es nicht, ein einzelnes Fahrzeug zu entwickeln, sondern ein modulares, vernetztes Ökosystem zu schaffen“, erklärt Hendrik Kramer, Leiter der Ground Robotics Domäne bei Quantum Systems.

Frühere Beteiligung an ARX Robotics

Der Einstieg in die Bodenrobotik erfolgt vor einem bemerkenswerten Hintergrund: Der Gründer von Quantum Systems hatte zuvor eine Beteiligung am unbemannten Bodenroboter-Hersteller ARX Robotics gehalten und diese erst einen Monat vor der Vorstellung des MANDRILL verkauft. Details zum Verkauf und zur Höhe der Beteiligung wurden nicht bekannt gegeben.

150 Millionen Euro Finanzierung von europäischen Banken

Quantum Systems gab am 12. Februar 2026 ein Finanzierungspaket über 150 Millionen Euro bekannt, das von der Europäischen Investitionsbank (EIB), Commerzbank, KfW und Deutsche Bank getragen wird. Das 70 Millionen Euro umfassende Darlehen der EIB markiert die zweite Investition der Bank in das Unternehmen nach einer ersten Finanzierung über 10 Millionen Euro im Juni 2021.

„Diese Finanzierung ist ein starkes Vertrauensvotum in unser Unternehmen, unsere Technologie und unsere Vision. Sie ermöglicht es uns, verantwortungsvoll zu skalieren und gleichzeitig fest in Europa verankert zu bleiben“, sagte Jonas Jarosch, CEO von Quantum Systems.

Die Finanzierung spiegelt gezielte Anpassungen in ESG-Rahmenwerken wider, die es europäischen Banken ermöglichen, sicherheitsrelevante Technologien effektiver zu unterstützen. Nadia Calviño, Präsidentin der Europäischen Investitionsbank, betonte die strategische Bedeutung: „Drohnen und Luftaufklärung sind bereits unverzichtbar für Europas Sicherheit, von der Verteidigung der Ukraine bis zum Schutz kritischer Infrastruktur und Grenzen.“

Aggressive Konsolidierungsstrategie

Die Finanzierung erfolgt vor dem Hintergrund mehrerer strategischer Übernahmen. Quantum Systems, das zuletzt mit 3 Milliarden Dollar bewertet wurde, hat in jüngster Zeit folgende Akquisitionen getätigt:

Fernride

Die jüngste und bedeutendste Übernahme betrifft das Münchner Unternehmen Fernride, das auf Fernsteuerung und Autonomie von Lastfahrzeugen spezialisiert ist. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Fernride erreichte 2025 als erste Firma in Europa eine TÜV-Zulassung für autonome LKWs und hat die Technologie bereits in Tests mit der Bundeswehr erprobt (mehr dazu hier).

Spleenlab und AirRobot

Vor der Fernride-Akquisition hatte Quantum Systems bereits Spleenlab und AirRobot übernommen, um seine technologischen Fähigkeiten und Marktposition zu stärken (mehr dazu hier).

Multi-Domain-Strategie und MOSAIC UXS

Im Zentrum der Unternehmensstrategie steht die offene Software Suite MOSAIC UXS, die eine domänenübergreifende Vernetzung unterschiedlicher unbemannter Systeme ermöglichen soll. Martin Karkour, Chief Revenue Officer von Quantum Systems, erklärt: „Die Zukunft unbemannter Systeme liegt nicht in isolierten Plattformen, sondern in intelligent vernetzten Verbünden. Mit MOSAIC UXS schaffen wir eine offene, skalierbare Architektur, die Luft- und Landsysteme in einem gemeinsamen digitalen Gefechtsraum verbindet.“

Quantum Systems plant, die Fernride-Technologie in MOSAIC UXS zu integrieren und damit Multi-Domain-Operationen zu ermöglichen. Das Unternehmen verspricht sich davon verbessertes Situationsbewusstsein und optimierte Entscheidungsfindung.

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