Rivr: Schweizer Robotik-Startup, zuletzt mit 100 Mio. Dollar bewertet, verkauft an Amazon
Der US-amerikanische E-Commerce-Riese Amazon hat das Züricher Robotik-Startup Rivr übernommen. Das Unternehmen entwickelt einen autonomen Lieferroboter, der eigenständig Treppen steigen kann und für die sogenannte „Last-Mile-Delivery“ konzipiert wurde. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Rivr wurde von Marko Bjelonic gemeinsam mit Giorgio Valsecchi, Lorenz Wellhausen und Alexander Reske gegründet und hat seinen Sitz in Zürich. Das Herzstück des Unternehmens ist ein vierrädriger Roboter mit beinähnlichen Achsen, der sich selbstständig durch urbane Umgebungen bewegt, Hindernisse überwindet und Pakete bis vor die Haustür liefert. Bjelonic beschreibt den Lieferroboter gerne als „Hund auf Rollschuhen“.
Das Besondere an dem Roboter ist seine Fähigkeit, Treppen zu bewältigen, was ihn von vielen anderen Lieferrobotern unterscheidet. Damit adressiert Rivr ein zentrales Problem der automatisierten Paketzustellung in dicht besiedelten Wohngebieten, wo Stufen und enge Zugänge häufige Hindernisse darstellen.
Hintergründe der Übernahme
Die Verbindung zwischen Rivr und Amazon bestand bereits vor der Übernahme. Sowohl der Amazon Industrial Innovation Fund als auch Bezos Expeditions beteiligten sich an einer Finanzierungsrunde in Höhe von 22,2 Millionen US-Dollar, die 2024 abgeschlossen wurde. Insgesamt hatte Rivr bis zur Übernahme rund 25 Millionen US-Dollar eingesammelt und wurde zuletzt mit 100 Millionen US-Dollar bewertet.
Amazon verfolgt seit Jahren das Ziel, die letzte Meile der Paketzustellung zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Mit der Übernahme von Rivr sichert sich der Konzern nicht nur eine vielversprechende Technologie, sondern auch ein erfahrenes Gründerteam mit tiefem Know-how in der Robotik und der sogenannten „Physical AI“, also der Anwendung künstlicher Intelligenz in der physischen Welt.
Praxistest in Austin und Ambitionen für die Zukunft
Vor der Übernahme hatte Rivr bereits erste Schritte in Richtung kommerzielle Nutzung unternommen. Im Rahmen eines Pilotprogramms in Austin, Texas, arbeitete das Startup mit dem Paketdienstleister Veho zusammen. Bjelonic hatte damals angekündigt, bis 2026 auf eine Flotte von 100 Robotern skalieren zu wollen. Ob dieses Ziel erreicht wurde, ist derzeit nicht bekannt.
„Dieser Schritt wird unsere Vision beschleunigen, General Physical AI für die Haustürzustellung aufzubauen und Robotik sowie KI näher an den realen Einsatz in großem Maßstab zu bringen“, so Marko Bjelonic, CEO und Mitgründer von Rivr, in einem Statement.
Was bedeutet die Übernahme für die Branche?
Die Akquisition sendet ein klares Signal an den Markt: Amazon investiert gezielt in autonome Zustelltechnologien und setzt dabei auf externe Innovationskraft statt ausschließlich auf interne Entwicklung. Rivr reiht sich damit in eine wachsende Liste von Robotik-Startups ein, die von großen Technologiekonzernen übernommen wurden, um deren Lieferketten zu modernisieren.
Für Rivr bedeutet der Zusammenschluss Zugang zu Amazons globaler Infrastruktur, enormen Ressourcen und einem riesigen Netzwerk an Lieferadressen. Ob und wann die Roboter im Rahmen des Amazon-Ökosystems in größerem Maßstab eingesetzt werden, bleibt abzuwarten.


