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SAP übernimmt KI-Startup Prior Labs, will über eine Milliarde Euro investieren

The tema of Prior Labs. © Prior Labs
The tema of Prior Labs. © Prior Labs

Der deutsche Softwarekonzern SAP hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Freiburger KI-Startups Prior Labs getroffen. Das Unternehmen, das sich auf sogenannte Tabular Foundation Models spezialisiert hat, soll nach dem Abschluss der Transaktion als eigenständige Einheit weitergeführt werden. SAP plant, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in Prior Labs zu investieren, um das Startup zu einem weltweit führenden KI-Forschungslabor auszubauen.

Vom Frühphasen-Investment zur Milliarden-Übernahme

Prior Labs wurde 2024 von Frank Hutter, Noah Hollmann und Sauraj Gambhir gegründet und hat bislang lediglich eine einzige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Im Februar 2024 sammelte das Startup neun Millionen Euro ein. Zu den Investoren zählten unter anderem die Venture-Capital-Firmen Balderton Capital, Atlantic Labs und XTX Ventures sowie mehrere Angel-Investoren, darunter Robin Rombach, Mitgründer von Black Forest Labs, und Thomas Wolf, Mitgründer von Hugging Face.

Die Übernahme durch SAP kommt damit weniger als 15 Monate nach der ersten und einzigen Finanzierungsrunde. Balderton-Partner James Wise kommentierte den Vorgang als bemerkenswert schnelles Ergebnis für ein europäisches Tech-Unternehmen. Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite oder dritte Quartal 2026 erwartet und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

„Die größte ungenutzte Chance im Enterprise-KI-Bereich waren nicht Large Language Models, sondern KI, die für die strukturierten Daten gebaut wurde, auf denen die Unternehmen der Welt laufen“, so SAP-CTO Philipp Herzig).

Die Spezialität von Prior Labs: KI für Tabellendaten

Prior Labs entwickelt Tabular Foundation Models (TFMs), also KI-Modelle, die speziell für die Analyse strukturierter Daten in Tabellen und Tabellenkalkulationen konzipiert sind. Damit adressiert das Startup eine Lücke, die klassische Large Language Models (LLMs) nicht schließen können: LLMs haben nur ein rudimentäres Verständnis von Tabellen, Zahlen und statistischen Zusammenhängen und sind daher für präzise Vorhersagen auf Basis strukturierter Geschäftsdaten nur bedingt geeignet.

Das Kernprodukt des Startups, TabPFN, ist ein weitverbreitetes Open-Source-Werkzeug mit über drei Millionen Downloads. Die aktuelle Version TabPFN-2.6 belegt den ersten Platz auf TabArena, dem führenden Benchmark für TFMs. Das Modell kann die Genauigkeit einer vierstündigen automatisierten Machine-Learning-Pipeline sofort und ohne Modelltraining erreichen. Anwendungsfälle umfassen unter anderem die Vorhersage von Zahlungsverzögerungen, Lieferantenrisiken, Upselling-Möglichkeiten und Kundenabwanderungsrisiken.

Zu den wissenschaftlichen Beratern des Unternehmens zählen Yann LeCun, ehemaliger KI-Chefwissenschaftler bei Meta und Träger des ACM A.M. Turing Award, sowie Bernhard Schölkopf, Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und Präsident von ELLIS.

SAPs Pläne mit Prior Labs

SAP will Prior Labs als unabhängige Einheit weiterführen, um die Forschungsgeschwindigkeit zu erhalten. Gleichzeitig soll das Startup eng in das SAP-Ökosystem eingebunden werden. Die entwickelten Modelle sollen über SAP AI Core und SAP Business Data Cloud sowie über die agentische Schicht mit dem KI-Assistenten Joule in das gesamte SAP-Portfolio integriert werden.

  • Forschungsunabhängigkeit: Prior Labs operiert als eigenständiges Labor, um Innovationsgeschwindigkeit zu gewährleisten.
  • Open-Source-Strategie: SAP bekennt sich ausdrücklich zur Weiterführung der Open-Source-Strategie rund um TabPFN.
  • Produktintegration: Die TFM-Technologie soll direkt in SAP-Produkte einfließen und Unternehmenskunden zugutekommen.
  • Kausalität statt Korrelation: Langfristig sollen die Modelle nicht nur Vorhersagen treffen, sondern auch Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in Geschäftsdaten erklären können.
  • Globale Skalierung: Mit dem geplanten Investment von über einer Milliarde Euro soll Prior Labs zu einem weltweit führenden Frontier-KI-Labor für strukturierte Daten ausgebaut werden.

Mit dem Schritt unterstreicht SAP seine Überzeugung, dass strukturierte Unternehmensdaten das größte ungenutzte Potenzial im Enterprise-KI-Bereich darstellen. Das Unternehmen hatte bereits mit dem eigenen Modell SAP-RPT-1 erste Schritte in Richtung TFMs unternommen und sieht in der Übernahme von Prior Labs die konsequente Fortsetzung dieser Strategie.

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