Finanzierung

Lovable erreicht Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar – Scaleup Europe Fund investiert

Das Lovable-Team. © Lovable
Das Lovable-Team. © Lovable

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Das schwedische Vibe-Coding-Startup Lovable hat eine Series-C-Runde über 400 Millionen Dollar abgeschlossen und wird dabei mit 13,3 Milliarden Dollar bewertet. Gegenüber Dezember, als Lovable bei 6,6 Milliarden Dollar lag, hat sich die Bewertung damit mehr als verdoppelt. Das Unternehmen zählt nun zu den wertvollsten Startups Europas.

Angeführt wird die Runde von Menlo Ventures und dem neu geschaffenen Scaleup Europe Fund der EU-Kommission, der von EQT verwaltet wird. Weitere neue Investoren sind Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Auch bisherige Geldgeber wie Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures beteiligen sich erneut. Für Menlo Ventures ist Lovable laut Partner Matt Murphy künftig das größte Einzelinvestment nach Anthropic.

Lovable will Menschen, die einem geschäftlichen oder organisatorischen Problem am nächsten sind, in die Lage versetzen, die passende Software selbst zu bauen. Die Plattform soll damit nicht nur das Erstellen einzelner Web-Anwendungen vereinfachen, sondern zum Ort werden, an dem neue Unternehmen entstehen und bestehende Unternehmen ihre Abläufe umbauen.

Wachstum, Reichweite und Einsatz in Unternehmen

Lovable wurde im November 2024 gestartet. Seither wurden auf der Plattform nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte erstellt; Lovable-Anwendungen verzeichnen monatlich über 900 Millionen Besuche. Innerhalb des ersten Jahres erreichte das Produkt Mitarbeiter in der Hälfte der Fortune-500-Unternehmen, inzwischen nach eigener Darstellung in fast zwei Dritteln davon.

Die Plattform kommt einerseits für interne Werkzeuge in Bereichen wie Personal, Vertrieb, Finanzen und Operations zum Einsatz. Andererseits bauen Nutzer damit eigenständige Produkte und Unternehmen. Laut einer Nutzerumfrage arbeiten fast acht von zehn Buildern an einem Geschäft oder Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen; mehr als ein Drittel erzielt damit bereits Umsätze.

Zu den Unternehmenskunden und -nutzern zählen Adidas, Nvidia, Deutsche Telekom, Hearst, Zendesk, Handshake und Checkr. Zendesk nutzt Lovable etwa für interne Trainingswerkzeuge und eine Roadmap-Anwendung, die besser zum eigenen Workflow passt und die Abhängigkeit von teurer Standardsoftware verringert. Bei Checkr sollen Teams mit selbst gebauten Lösungen unter anderem zehnmal mehr QA-Reports bearbeiten können.

Auch konkrete Gründungsbeispiele hebt Lovable hervor: Der britische Fashion-Discovery-Anbieter WNTD will mit einer Lovable-basierten Anwendung monatlich 25.000 bis 30.000 Pfund eingespart, Hunderttausende Kund gewonnen und eine Finanzierungsrunde über 3 Millionen Pfund abgeschlossen haben. Das brasilianische KI-Bildungsunternehmen Viver de IA betreibt CRM, Finanztools, Website und Vertriebsautomatisierung mit Lovable; es beschäftigt 54 Personen, betreut mehr als 1.200 Kund und rechnet für dieses Jahr mit 100 Millionen brasilianischen Real Umsatz. Beim US-Unternehmen Nursa entwickelte ein Produktmanager innerhalb eines Wochenendes ein neues Produkt für Pflegeschulen. Anschließend wurde Lovable auf mehr als 200 Mitarbeiter ausgerollt; die Firma baut ihre Kernplattform nach eigenen Angaben zwölfmal schneller um und will zehn SaaS-Systeme ablösen.

Wofür das Kapital verwendet werden soll

Bis Ende dieses Monats soll die annualisierte Umsatzrate bei knapp 600 Millionen Dollar liegen – nahezu das Dreifache des im Dezember genannten Werts. Nach Angaben von CEO und Mitgründer Anton Osika war Lovable zwischenzeitlich profitabel, konzentriert sich nun aber auf Investitionen in Produkt und Wachstum.

Das Geld soll vor allem in drei Felder fließen:

  • Produkt für den Geschäftsbetrieb: Lovable will proaktiver werden, also Ziele und offene Aufgaben erkennen und Teile der Arbeit selbstständig anstoßen. Tiefere Integrationen sollen personalisierte Dashboards und Workflows über Vertrieb, Marketing, Operations und weitere Bereiche hinweg ermöglichen.
  • Sicherheit und Verlässlichkeit: Seit der Series B im Dezember hat Lovable Bezahlfunktionen, SEO- und KI-Suchwerkzeuge sowie Integrationen mit Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ausgebaut. Hinzugekommen sind automatische und zeitgesteuerte Sicherheitsprüfungen, Freigabe- und Governance-Funktionen, Bereinigung verwaister Apps und Einblicke für Workspace-Administratoren. Lovable verweist zudem auf die AIUC-1-Zertifizierung, einen Sicherheitsstandard für KI-Agenten, sowie auf eigene öffentliche Trust Center für geschäftlich genutzte Lovable-Anwendungen.
  • Team und globale Präsenz: Die Belegschaft soll im laufenden Jahr um 50 Prozent auf rund 450 Mitarbeiter wachsen. Besonders gesucht werden Fachkräfte für Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Schwerpunkt bleibt in Stockholm; ausgebaut werden sollen außerdem London, Boston, San Francisco und New York. Als Wachstumsregion nennt das Unternehmen unter anderem Lateinamerika.

Kein Modell-Picker: Strategie gegen Anbieter-Abhängigkeit

Ein strategischer Schwerpunkt betrifft das Verhältnis zu den Anbietern der zugrundeliegenden KI-Modelle. Lovable bezeichnet seinen Ansatz als „model-independent“, grenzt ihn aber ausdrücklich von bloßer Austauschbarkeit ab: Modelle werden nicht hinter eine einheitliche Schnittstelle gelegt und beliebig getauscht, sondern einzeln auf ihre Stärken hin angepasst. Ein eigenes Team stimmt für jedes Modell Instruktionen, Tools und Projektkontext ab und testet die Kombination an vollständigen Builds.

Zentrales Element ist eine sogenannte Control Plane, die den Bauprozess laufend beobachtet und einzelne Teilaufgaben unterschiedlichen Modellen zuweisen kann, statt einen Anbieter die gesamte Arbeit erledigen zu lassen. Fällt ein Anbieter aus oder ist überlastet, lässt sich derselbe Modellaufruf über einen anderen Provider abwickeln. Lovable warnt allerdings selbst davor, Modelle mitten in einem laufenden Projekt zu wechseln: Dabei geht Kontext verloren, der erst wieder aufgebaut werden muss.

Das Unternehmen trainiert zudem eigene Modelle nach. Begonnen hat es mit klar abgegrenzten Aufgaben wie dem Routing von Anfragen, dem Zusammenfassen von Antworten und dem Schreiben von Commit-Messages. Inzwischen übernehmen die eigenen Modelle laut Lovable einen relevanten Anteil der Arbeit in der Produktion. Auch vielversprechende Open-Source-Modelle sollen weiter nachtrainiert werden, damit sich die Plattform stärker an Ziele, Kontext und Arbeitsweise einzelner Nutzer anpasst.

Als Maßstab soll nicht primär die Position auf öffentlichen Benchmarks dienen, sondern das Ergebnis: ob eine Anwendung korrekt gebaut wird und anschließend tatsächlich Umsatz erzeugt, einen Workflow verbessert oder ein Unternehmen voranbringt. Die aggregierten Muster erfolgreicher Produkte sollen wiederum helfen, das System für alle Nutzer zu verbessern.

Cerebras soll Wartezeiten drücken

Auf der Infrastrukturseite hat Lovable eine Partnerschaft mit dem US-Chipunternehmen Cerebras angekündigt, mit dem Ziel, die Antwortzeiten der Plattform bis 2027 deutlich zu senken. Cerebras setzt auf die Wafer-Scale Engine, bei der ein Modell auf einem einzigen großen Silizium-Wafer läuft, statt über Dutzende Chips verteilt zu werden. Damit entfällt der Kommunikationsaufwand zwischen den Chips – laut den beiden Unternehmen ein Vorteil gerade bei den iterativen Frage-Antwort-Schleifen, die beim Software-Bauen anfallen.

Lovable will schrittweise auf dedizierte Cerebras-Kapazität umsteigen und dabei mit den latenzkritischsten Workloads beginnen. Osika argumentiert, Nutzer sollten Ideen einfach ausprobieren können, statt abzuwägen, ob sich der Versuch angesichts der Wartezeit lohnt.

Wettbewerb und europäischer Anspruch

Im Wettbewerb steht Lovable unter anderem mit dem kalifornischen Anbieter Replit, der im März bei einer Bewertung von 9 Milliarden Dollar Kapital aufnahm – ebenfalls eine Verdreifachung binnen eines halben Jahres. Dass Unternehmen interne Anwendungen zunehmend selbst per KI bauen, nährt an den Finanzmärkten zudem die Sorge vor einer „SaaSpocalypse“, also der Entwertung klassischer Business-Software.

Für den Scaleup Europe Fund ist das Investment ein früher Testfall. EQT-Partner Victor Englesson sieht Lovable als Beispiel dafür, warum der Fonds geschaffen wurde: Europas ambitionierte Technologieunternehmen sollen zu globalen Marktführern wachsen können, ohne dass der Druck zur Verlagerung von Firmensitz, Kapitalmarktaktivitäten und technologischer Wertschöpfung in die USA zu groß wird.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen