Q2 2026

Nebius: Niederländische Neocloud liefert starkes Quartal, Aktie wächst um 16%

Arkady Volozh, founder and CEO of Nebius. © Nebius
Arkady Volozh, founder and CEO of Nebius. © Nebius

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Die niederländische Nebius Group hat am Dienstag Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt, die deutlich über den Erwartungen der Analyst:innen lagen. Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar, das Kerngeschäft mit KI-Cloud-Diensten legte um 514 Prozent auf 574,9 Millionen Dollar zu. Erwartet worden waren laut Bloomberg rund 557 Millionen Dollar Gesamtumsatz. Die an der Nasdaq notierte Aktie (NBIS) reagierte vorbörslich mit einem Plus von etwa 16,6 Prozent; seit Jahresbeginn hat sie sich damit um 131 Prozent verteuert.

Was Nebius ist

Nebius mit Hauptsitz in Amsterdam ist ein sogenannter „Neocloud“-Anbieter – ein Rechenzentrumsbetreiber, der sich ausschließlich auf KI-Workloads spezialisiert hat und GPU-Kapazität samt Software-Stack an KI-Labore und Unternehmen vermietet. Damit steht das Unternehmen in einem Feld mit US-Anbietern wie CoreWeave, Crusoe oder Lambda und tritt zugleich in Konkurrenz zu den Hyperscalern AWS, Microsoft Azure und Google Cloud.

Die Firma ging aus der früheren Yandex N.V. hervor: Nach dem Verkauf der russischen Geschäftsteile firmierte die verbliebene internationale Holding 2024 in Nebius Group um. Gründer und CEO ist Arkady Volozh. Neben dem Cloud-Geschäft, das rund 98 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht, hält Nebius das Robotik- und Autonomes-Fahren-Unternehmen Avride, den Edtech-Anbieter TripleTen sowie Minderheitsbeteiligungen am Datenanbieter Toloka und an der Datenbankfirma ClickHouse, die im Jänner 2026 mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Profitabilität im Cloud-Geschäft

Bemerkenswert ist neben dem Wachstum die Margenentwicklung: Das bereinigte EBITDA der KI-Cloud-Sparte lag bei 285,7 Millionen Dollar, was einer Marge von 49,7 Prozent entspricht – nach 45 Prozent im Vorquartal und 24 Prozent im vierten Quartal 2025. Auf Konzernebene erreichte das bereinigte EBITDA 236,2 Millionen Dollar, ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Minus von 21 Millionen Dollar gestanden. Die annualisierte Umsatzrate (ARR) beziffert Nebius mit 3,0 Milliarden Dollar, nach 1,9 Milliarden Ende März.

Dem stehen erhebliche Investitionen gegenüber: Allein im zweiten Quartal flossen rund 5,7 Milliarden Dollar in GPUs, zugehörige Hardware und den Rechenzentrumsausbau. Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über eine Liquidität von rund 8 Milliarden Dollar. Finanziert wird der Ausbau über mehrere Kanäle: über ein At-the-Market-Programm wurden bis Ende Juni 12,7 Millionen Class-A-Aktien zu durchschnittlich 223,60 Dollar platziert, was brutto rund 2,8 Milliarden Dollar einbrachte. Im Juli folgte die erste besicherte Fremdfinanzierung über 775 Millionen Dollar zu SOFR plus 2,50 Prozent, unterlegt mit bereits installierter GPU-Infrastruktur und Zahlungsströmen aus einem Vertrag mit einem Investment-Grade-Kunden. Für das Gesamtjahr erwartet Nebius mehr als 9 Milliarden Dollar an Vorauszahlungen von Kund:innen; die vertraglichen Zusagen beziffert das Unternehmen mit über 40 Milliarden Dollar.

Vier Großabschlüsse, kürzere Amortisation

Im zweiten Quartal schloss Nebius nach eigenen Angaben vier Verträge mit einem durchschnittlichen Gesamtvertragswert von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar ab. Der jährliche Vertragswert pro Megawatt lag bei 20 bis 25 Millionen Dollar; für ältere GPU-Generationen setzte das Unternehmen nach eigener Darstellung um mehr als 30 Prozent höhere Preise durch als im Vorquartal. Rund 70 Prozent der Abschlüsse enthielten Vorauszahlungen, die 50 bis 60 Prozent der jeweiligen Investitionskosten abdecken. Die erwartete Amortisationsdauer sank dadurch auf ein Jahr und zehn Monate, nach bisher zwei bis drei Jahren.

Namentlich genannt werden das KI-Startup Reflection, das seine Open-Source-Modelle auf Nebius trainieren und betreiben will, sowie der kanadische Anbieter Cohere. Hinzu kommen ein nicht genanntes US-KI-Labor und eine große US-Handelsfirma aus dem quantitativen Bereich. Zu den weiteren Kunden zählen das von Yann LeCun mitgegründete AMI, Basecamp Research und Higgsfield. Die Kapazitätszusagen gegenüber Microsoft wurden laut Unternehmen vollständig erfüllt, der Ausbau für ein zweites Abkommen mit Meta soll Anfang 2027 ans Netz gehen.

Das Ziel für die bis Jahresende vertraglich gesicherte Anschlussleistung hob Nebius erneut an – von zuletzt mehr als 4 auf nun 5 Gigawatt. Ab 2027 will das Unternehmen mehr als ein Gigawatt pro Jahr in Betrieb nehmen. Neue Standorte kamen zuletzt in Großbritannien, Estland und Finnland dazu.

Asset-light: Infrastruktur gehört den Partnern

Neben eigenen Rechenzentren und Colocation-Flächen führt Nebius ein drittes Modell ein, das den Kapitalbedarf des Wachstums dämpfen soll. Beim sogenannten Asset-light-Partnerschaftsmodell errichten und finanzieren Partner die Rechenzentren selbst und betreiben darin den vollständigen Software-Stack von Nebius.

Die Arbeitsteilung sieht vor, dass die Partner Grundstück, Gebäude, Stromanschluss und die Hardware stellen – und diese Assets auch besitzen. Nebius steuert die Cloud-Plattform, die Systemarchitektur samt Referenzdesigns sowie die weltweite Vertriebsorganisation bei, die die Nachfrage liefert. Für Nebius bedeutet das margenstarke Umsätze aus Kapazität, die das Unternehmen nicht selbst vorfinanzieren muss; die Partner wiederum erhalten einen nach Nebius-Standards gebauten Betrieb und einen schnellen Zugang zum KI-Cloud-Markt. Kapital und verfügbare Kapazität nennt Nebius als die beiden zentralen Engpässe der Branche, die das Modell adressieren soll. Welche Partner konkret beteiligt sind, führt das Unternehmen im Aktionärsbrief nicht aus.

Software-Seite: Inferenz wächst

Auf Produktebene meldet Nebius eine Verdreifachung der produktiven Inferenz-Workloads auf seiner Managed-Plattform Token Factory, zunehmend auf Basis offener Modelle wie Kimi K3, GLM-5.2, MiniMax 3 oder NVIDIA Nemotron 3 Ultra. Mit Eigen AI und Clarifai wurden im Quartal zwei Teams zur Inferenz-Optimierung übernommen; die dabei angefallenen einmaligen Kosten von 115,9 Millionen Dollar für aktienbasierte Vergütung belasteten die Entwicklungsaufwendungen. Mit dem Release „Aether 3.6“ führte das Unternehmen zudem Nebius Echo ein, einen KI-Agenten zur Steuerung der Infrastruktur per natürlicher Sprache.

Die Jahresprognose 2026 bestätigte Nebius über alle Kennzahlen hinweg.

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