Anti-Waldbrand

Skyward Wildfire: Kanadisches Startup will Blitzeinschläge in Wäldern verhindern

Wildfire. © Matt Palmer auf Unsplash
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Das in Vancouver ansässige Unternehmen Skyward Wildfire hat eine Technologie entwickelt, die Waldbrände durch die Verhinderung von Blitzeinschlägen stoppen soll. Das 2024 gegründete Startup konnte kürzlich 7,9 Millionen kanadische Dollar (etwa 5,7 Millionen US-Dollar) einsammeln, um seine Produktentwicklung zu beschleunigen und den Betrieb auszuweiten. Die Finanzierungsrunde wurde von Climate Innovation Capital angeführt, mit Beteiligung von Active Impact Investments und Diagram Ventures.

Hintergrund: Blitze als Hauptursache für Waldbrände

In Kanada werden 93 Prozent der verbrannten Waldflächen durch Blitzeinschläge verursacht. Die verheerenden Waldbrände von 2023, bei denen fünf Prozent der kanadischen Wälder (18 Millionen Hektar) zerstört wurden, haben die Dringlichkeit des Problems verdeutlicht. Diese Brände verursachten Emissionen von 2,4 Gigatonnen CO2-Äquivalenten, was etwa den Emissionen Indiens entspricht, dem drittgrößten Emittenten weltweit.

Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Studien zeigen, dass die Temperaturen in den borealen Wäldern doppelt so schnell steigen wie der globale Durchschnitt. Wärmere Luft enthält mehr Feuchtigkeit und erhöht die konvektive Energie in der Atmosphäre, was zu mehr Gewittern und Blitzeinschlägen führt. Besonders in den nördlichsten Breitengraden ist bereits ein deutlicher Anstieg von durch Blitze verursachten Bränden zu beobachten.

Die Technologie: Cloud Seeding mit Metallpartikeln

Skyward Wildfire gibt auf seiner Website nur wenige technische Details preis. Das Unternehmen spricht von „inerten, ungiftigen Materialien“, die den regulatorischen Standards entsprechen. Online-Dokumente und Informationen von Förderorganisationen legen jedoch nahe, dass das Unternehmen auf einen Ansatz setzt, den US-Behörden bereits in den frühen 1960er Jahren evaluiert haben: das Impfen von Wolken mit metallischem Chaff – also sehr dünnen Glasfasersträngen, die mit Aluminium beschichtet sind.

Dieses Material wird vom Militär eingesetzt, um Radarsignale zu stören. Feldversuche von US-Behörden vor Jahrzehnten deuteten darauf hin, dass es unter bestimmten Bedingungen Blitzeinschläge reduzieren könnte. Die Partikel werden von Flugzeugen in Wolken ausgebracht und sollen die elektrischen Ladungen neutralisieren, die zu Blitzentladungen führen.

Skyward nutzt zusätzlich künstliche Intelligenz für verschiedene Zwecke, darunter die Vorhersage von Blitzeinschlägen, die Priorisierung von Behandlungen, die gezielte Auswahl von Sturmzellen und die Optimierung von Flugrouten.

Feldversuche und Partnerschaften

Nach eigenen Angaben arbeitete Skyward 2024 und 2025 mit kanadischen Behörden zusammen, um die Technologie zu demonstrieren. Ein als vertraulich gekennzeichnetes Dokument, das von der Weltbank veröffentlicht wurde, gibt an, dass das Unternehmen im August 2024 mit Alberta Wildfire zusammenarbeitete. Dabei sei eine „60 bis 100-prozentige Reduktion“ von Blitzen im Vergleich zu unbehandelten Sturmzellen erreicht worden.

Der BC Wildfire Service in British Columbia bestätigte, dass im vergangenen Jahr vorläufige Versuche durchgeführt wurden, um die Technologie und ihre Anwendbarkeit besser zu verstehen. Weitere Details zu den verwendeten Materialien, den Testorten oder öffentlichen Bekanntmachungen wurden von den Behörden nicht bereitgestellt.

„Unser Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit von Entzündungen an den wenigen Tagen mit extrem hohem Risiko zu reduzieren, an denen Brände Leben, kritische Infrastruktur und Ökosysteme bedrohen“, erklärte Nicholas Harterre von Skyward.

Das Unternehmen betont, dass die Technologie nur bei Sturmereignissen mit erhöhtem Waldbrandrisiko eingesetzt werden soll.

Wissenschaftliche Einordnung und Kritik

Bis vor kurzem behauptete Skyward auf seiner Website, eine Technologie demonstriert zu haben, die „bis zu 100 Prozent der Blitzeinschläge“ verhindern könne. Nach Anfragen des MIT Technology Review wurde diese Aussage jedoch entfernt. Das Unternehmen erklärt nun, dass es die „Mehrheit der Wolke-zu-Boden-Blitzeinschläge in gezielten Sturmzellen“ verhindern könne.

Forscher äußern sich zurückhaltend. Es bestehen noch zahlreiche Unsicherheiten, darunter die Wirksamkeit unter verschiedenen Wetter- und Klimabedingungen, die benötigten Materialmengen, die Häufigkeit der Anwendung und mögliche sekundäre Umweltauswirkungen einer kommerziellen Nutzung.

Keith Brooks, Programmdirektor bei Environmental Defence, einer kanadischen Umweltorganisation, hält es für „vernünftig“, das Potenzial neuer Technologien zur Minderung von Brandgefahren zu evaluieren. Er fordert jedoch: „Wir sollten dies vorsichtig und wirklich transparent tun, mit einer robusten wissenschaftlichen Methodik, die einer Prüfung standhält.“

Kritiker bemängeln zudem, dass das Unternehmen offenbar Feldversuche zur Wettermodifikation in Teilen Kanadas durchgeführt hat, ohne die Öffentlichkeit umfassend zu informieren oder offen über die in die Wolken eingebrachten Materialien zu sprechen.

Ausblick und wirtschaftliche Dimension

Waldbrände verursachen enorme wirtschaftliche Schäden. In den USA werden die jährlichen Kosten auf 893 Milliarden Dollar geschätzt. In den letzten vier Jahrzehnten gab es 46 Waldbrände, die jeweils Schäden von über einer Milliarde Dollar verursachten.

Mit der neuen Finanzierung plant Skyward, die Produktentwicklung voranzutreiben und Einsätze in weiteren waldbrandgefährdeten Regionen zu skalieren. Das Unternehmen richtet sich an Regierungsbehörden, Versorgungsunternehmen, Versicherer und Landverwalter, die einem wachsenden Waldbrandrisiko ausgesetzt sind.

Ob sich die Technologie als zuverlässiges Instrument zur Waldbrandprävention etablieren kann, wird von weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen, transparenter Kommunikation und der Klärung ökologischer Fragen abhängen.

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