Börsenprospekt

SpaceX: IPO-Bewertung 94x mal höher als der Umsatz von 2025

© SpaceX
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Elon Musks SpaceX ist nicht der Finanz-Gigant, den viele erwartet haben. Der gestern eingereichte IPO-Prospekt offenbart eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen operativer Realität und den Zukunftsversprechen, mit denen das Unternehmen an die Nasdaq gehen will – unter dem Ticker „SPCX“ soll der Handel bereits am 12. Juni starten.

Die nüchterne Bilanz: 200 S&P-500-Konzerne setzen mehr um

Die Zahlen für 2025 sprechen eine deutliche Sprache: Bei einem konsolidierten Umsatz von 18,674 Milliarden Dollar verbuchte SpaceX einen operativen Verlust von 2,589 Milliarden Dollar und einen Nettoverlust von rund 4,9 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: 200 Unternehmen im S&P 500 erzielten im vergangenen Jahr höhere Umsätze als SpaceX – darunter Musks eigener Autobauer Tesla mit dem Fünffachen.

Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Trend fort: 4,694 Milliarden Dollar Umsatz, aber 1,943 Milliarden Dollar operativer Verlust. Besonders ernüchternd ist die Performance des frisch integrierten AI-Segments (X und xAI, übernommen am 2. Februar 2026): Mit 818 Millionen Dollar Quartalsumsatz liegt die Plattform rund ein Drittel unter dem, was Twitter allein vor Musks Übernahme erwirtschaftete – bei einem operativen Verlust von 2,469 Milliarden Dollar im selben Quartal.

Das Revenue-Multiple: Bewertung jenseits aller Vergleichsmaßstäbe

Bei der angepeilten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar ergibt sich ein Price-to-Sales-Verhältnis von rund 94x auf den 2025er-Umsatz. Zur Einordnung: Nvidia wird derzeit mit einem Revenue-Multiple im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich gehandelt, Tesla zu rund 8-10x. Selbst die aggressivsten Tech-Bewertungen der vergangenen Jahre bewegten sich typischerweise zwischen 20x und 40x.

Mit diesem Multiple würde SpaceX in die Top 10 der wertvollsten Unternehmen der Welt aufrücken – und Musk zum ersten Billionär (Trillionär im US-Sprachgebrauch) der Geschichte machen. Die Bewertung lässt sich mit den aktuellen Geschäftszahlen schlicht nicht rechtfertigen. Sie ist eine Wette auf das, was kommen soll.

Starlink: Der einzige Lichtblick

Profitabel ist im SpaceX-Konzern derzeit nur ein Segment: Das Connectivity-Geschäft rund um Starlink erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 11,387 Milliarden Dollar mit einem operativen Gewinn von 4,423 Milliarden Dollar – ein Plus von 49,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit rund 10,3 Millionen Abonnenten in 164 Ländern ist Starlink die Cash-Cow, die alles andere finanziert.

Das eigentliche Raketengeschäft (Falcon, Dragon, Starship) kam 2025 nur auf 4,086 Milliarden Dollar Umsatz und schrieb einen operativen Verlust von 657 Millionen Dollar – allein 3 Milliarden Dollar flossen in die Starship-Entwicklung. Das AI-Segment verbrannte 2025 ganze 6,355 Milliarden Dollar operativ.

Was Investoren wirklich kaufen müssen: KI-Compute im Orbit

Wer 1,75 Billionen Dollar für SpaceX zahlt, kauft keine Bilanz – sondern eine Vision. Und diese Vision ist im Prospekt erstaunlich konkret formuliert. Der adressierbare Markt wird auf 28,5 Billionen Dollar taxiert: 370 Milliarden für Space, 1,6 Billionen für Connectivity und sage und schreibe 26,5 Billionen Dollar für AI – davon 22,7 Billionen im Enterprise-Bereich.

Das Kernversprechen, an das Investoren glauben müssen, heißt Orbital AI Compute: Ab 2028 sollen Millionen von KI-Compute-Satelliten in sonnensynchroner Umlaufbahn entstehen – solar betrieben, passiv gekühlt durch Wärmeabstrahlung ins All. Das Ziel ist atemberaubend: 100 Gigawatt jährliche Compute-Leistung in den Orbit zu bringen, was etwa einer Million Tonnen Nutzlast pro Jahr entspricht. Hinzu kommen Pläne wie der „Lunar Mass Driver“ – ein elektromagnetisches Beschleunigungssystem auf dem Mond – und das gemeinsam mit Tesla und Intel gestartete Terafab-Projekt mit dem Langfristziel von einem Terawatt Chip-Produktion pro Jahr.

Erste Anzeichen, dass dieser Plan kommerziell tragen könnte, gibt es bereits: Anthropic zahlt ab Mai 2026 monatlich 1,25 Milliarden Dollar an SpaceX für Compute-Kapazität in den Rechenzentren COLOSSUS und COLOSSUS II – über drei Jahre rund 45 Milliarden Dollar. Ironisch dabei: Der direkte Grok-Konkurrent mietet sich bei Musks Infrastruktur ein. Eine ähnliche Option besteht mit Anysphere (Cursor) bei einem impliziten Equity Value von 60 Milliarden Dollar.

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