Zahlen

SpaceX IPO: Experten warnen vor massiver Überbewertung

© SpaceX

Kurz vor dem größten Börsengang der Geschichte mehren sich die Stimmen, die SpaceX für massiv überbewertet halten. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Das Unternehmen will zu einem Umsatzmultiple an die Börse, das selbst die heißesten KI-Startups übertrifft – und ein Vielfaches dessen beträgt, was die teuersten börsennotierten Tech-Konzerne kosten.

SpaceX will am 12. Juni unter dem Kürzel SPCX an der Nasdaq debütieren, die Investoren-Roadshow startet Anfang Juni. Angepeilt wird eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar – der mit Abstand größte Börsengang aller Zeiten. Verkauft werden sollen beim Börsengang 555,6 Millionen Aktien zum Stückpreis von 135 Dollar.

Bei einem konsolidierten Jahresumsatz von 18,7 Mrd. Dollar für 2025 entspricht das einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (Price-to-Sales) von etwa 94. Zugleich schrieb das Unternehmen 2025 einen GAAP-Nettoverlust von 4,9 Mrd. Dollar, bei einem bereinigten EBITDA von 6,6 Mrd. Dollar. In dieses Umfeld hinein melden sich drei prominente Stimmen mit deutlicher Skepsis.

Morningstar: fairer Wert bei weniger als die Hälfte

Die Ratingagentur Morningstar nahm Anfang Juni die Coverage von SpaceX auf und kommt auf einen fairen Wert von rund 780 Mrd. Dollar – weniger als die Hälfte des IPO-Ziels. Analyst Nicolas Owens bezeichnet das Unternehmen als „erheblich überbewertet“ und rät Anlegern, eher nach dem Börsengang zu attraktiveren Kursen einzusteigen.

Owens‘ Discounted-Cashflow-Modell bewertet das Kerngeschäft aus Raketenstarts und Starlink mit rund 611 Mrd. Dollar Unternehmenswert; für die KI-Sparte addiert er wahrscheinlichkeitsgewichtet weitere rund 170 Mrd. Dollar. Genau an diesem KI-Teil entzündet sich die Kritik: Morningstar sieht Grok, den Chatbot des übernommenen Labors xAI, nicht unter den führenden KI-Anbietern und verweist auf den Wettbewerb durch OpenAI und Anthropic sowie auf noch unerprobte Technologien wie orbitale Rechenzentren. Auch Starlink stehe vor technischen Hürden. SpaceX erhielt ein „Narrow Moat“-Rating – ein anerkannter, aber enger Wettbewerbsvorteil. Kurzfristig, so Morningstar, könne die Aktie wegen des geringen Streubesitzes und der starken Bankensyndikate dennoch steigen.

Dänischer Pensionsfonds: „reine Fantasie“

Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension, der rund 25 Mrd. Dollar verwaltet, hat SpaceX auf eine Ausschlussliste gesetzt und nimmt weder am IPO noch an Sekundärmarkt-Transaktionen teil. Anlagechef Anders Schelde nennt das Unternehmen „grob überbewertet“ und beziffert die Überbewertung auf mindestens 80 Prozent; ein fairer Wert könne 1 Billion Dollar nicht überschreiten. Die angepeilte Bewertung sei „reine Fantasie“ und stärker von Musks Narrativ getrieben als von wirtschaftlicher Realität.

Der Hauptgrund für den Ausschluss ist allerdings nicht der Preis, sondern die Governance, die Schelde als „katastrophale Governance-Struktur“ beschreibt. Musk solle mehr als 80 Prozent der Stimmrechte halten und zugleich als CEO, CTO und Verwaltungsratschef fungieren. Der Fonds würde SpaceX selbst bei einer niedrigeren Bewertung meiden. Er steht damit nicht allein: Die Chefs von CalPERS, des New York City Retirement Systems und des New York State Common Retirement Fund – zusammen über 1 Billion Dollar an Vermögen – hatten Musk in einem Brief eine „extreme“ Governance-Struktur vorgeworfen.

Michael Burry: „Nichts deutet auf eine Billion hin“

Auch Michael Burry, durch „The Big Short“ und seine Wette gegen die Immobilienblase 2008 bekannt, äußerte auf seinem Substack „Cassandra Unchained“ Zweifel. Aus den IPO-Unterlagen lasse sich weder eine Bewertung von 1 noch von 2 Billionen Dollar ableiten; jeder Anstieg beruhe auf „Hype und technischen Faktoren“.

Burry, der zuletzt Wetten gegen Nvidia und Palantir offengelegt und Tesla als „lächerlich überbewertet“ bezeichnet hatte, zweifelt auch daran, dass der Claude-Entwickler Anthropic jemals 1 Billion Dollar wert sein werde – er rechnet mit nachlassender Nachfrage und nennt die aktuelle KI-Nachfrage ein „falsches Signal“. Die anstehenden IPOs von SpaceX, OpenAI und Anthropic vergleicht er mit dem TMT-Börsenboom des Jahres 2000.

Viel teurer als die heißesten KI-Startups

Die Warnungen lassen sich etwa an folgender Kennzahl festmachen: dem Umsatzmultiple. SpaceX strebt rund das 94-Fache seines Jahresumsatzes an. Selbst Morningstars fairer Wert entspräche noch etwa dem 42-Fachen, die 1-Billion-Grenze des dänischen Fonds rund dem 53-Fachen.

Zur Einordnung: Schon die privaten KI-Startups gelten mit ihren Bewertungen als außergewöhnlich teuer – und SpaceX liegt darüber. Anders als bei den meisten dieser Firmen ist die 18,7 Mrd. Dollar zudem ein tatsächlicher Jahresumsatz, kein hochgerechneter ARR-Run-Rate. Ein zentraler Unterschied bleibt das Wachstum: SpaceX wuchs 2025 rund 33 Prozent, während etwa Cognition oder Lovable ihren Umsatz im selben Zeitraum vervielfachten.

Unternehmen Bewertung ARR / Umsatz Price-to-Sales
SpaceX (IPO-Ziel) ~1,75 Bio. $ ~18,7 Mrd. $ ~94x
Legora 5,6 Mrd. $ ~100 Mio. $ ~56x
Cognition (Devin) 26 Mrd. $ ~492 Mio. $ ~53x
SpaceX (fairer Wert laut Morningstar) 780 Mrd. $ ~18,7 Mrd. $ ~42x
Perplexity ~20 Mrd. $ ~450 Mio. $ ~44x
OpenAI 852 Mrd. $ ~25 Mrd. $ ~34x
Mistral AI ~12,7 Mrd. $ ~400 Mio. $ ~32x
Cursor (Anysphere) ~60 Mrd. $ ~2 Mrd. $ ~30x
Anthropic 965 Mrd. $ ~47 Mrd. $ ~20,5x
Lovable 6,6 Mrd. $ ~400 Mio. $ ~16,5x

Zum Vergleich: die Magnificent 7

Noch deutlicher wird der Abstand im Vergleich mit den sieben wertvollsten börsennotierten Tech-Konzernen. Selbst das teuerste Mitglied dieser Gruppe gemessen am Umsatzmultiple – Nvidia, getrieben vom KI-Boom – kommt auf rund das 21-Fache und liegt damit etwa auf dem Niveau von Anthropic. SpaceX will zum rund Viereinhalbfachen davon an die Börse.

Unternehmen Marktkapitalisierung Price-to-Sales (ca.)
Nvidia ~5,0 Bio. $ ~21x
Tesla ~1,4 Bio. $ ~15x
Microsoft ~3,5 Bio. $ ~11x
Apple ~3,9 Bio. $ ~9x
Alphabet ~3,9 Bio. $ ~9x
Meta ~1,7 Bio. $ ~8x
Amazon ~2,8 Bio. $ ~4x
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