Börse

Wie Millionen ETF-Anleger mit der SpaceX-Aktie zwangsbeglückt werden

© SpaceX
© SpaceX

Der für Donnerstag, den 12. Juni geplante Börsengang von SpaceX an der Nasdaq wird mit einem erwarteten Volumen von rund 75 Milliarden Dollar der größte der Geschichte – er würde den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um ein Vielfaches übertreffen. Experten taxieren die Marktkapitalisierung des Raumfahrtkonzerns auf 1,75 bis zwei Billionen Dollar. Doch jenseits der Schlagzeilen über Elon Musks möglichen Aufstieg zum ersten Billionär stellt sich für Privatanleger:innen eine andere Frage: Wie schnell – und vor allem über welchen Mechanismus – landet diese Aktie in den breiten Indexfonds, in die Millionen Menschen monatlich einzahlen?

Die „Fast Entry“-Regel als Türöffner

Üblicherweise mussten neu gelistete Unternehmen eine sogenannte Seasoning-Phase von drei bis zwölf Monaten durchlaufen, bevor sie in einen großen Index aufgenommen wurden – ein Fenster, das der Preisfindung und Stabilisierung dienen sollte. Zum Vergleich: Facebook brauchte rund sieben Monate bis zur Index-Aufnahme, Airbnb etwa ein Jahr, Tesla rund drei Jahre.

Genau das ändert sich nun. Mit Wirkung zum 1. Mai 2026 erlaubt eine überarbeitete Nasdaq-Methodik jedem neu gelisteten Unternehmen unter den 40 größten nach Marktkapitalisierung den Eintritt in den Nasdaq-100 schon nach 15 Handelstagen. Die Mindestanforderung an den Streubesitz (Free Float) wurde dabei vollständig gestrichen. Bei der erwarteten Bewertung würde SpaceX die Schwelle mühelos erfüllen – die Aufnahme dürfte damit voraussichtlich Anfang Juli erfolgen.

Kritiker:innen verweisen darauf, dass die Regeländerung zeitlich eng mit den IPO-Plänen zusammenfällt. Berichten des WSJ zufolge hatten SpaceX-Berater bei Indexanbietern angefragt, wie das Unternehmen und andere hoch bewertete Start-ups früher als üblich in Schlüsselindizes aufgenommen werden könnten. Auch S&P Dow Jones und FTSE Russell prüfen vergleichbare Lockerungen.

Der erzwungene Kauf

Für passive Fonds ist eine Index-Aufnahme keine Entscheidung, sondern eine Verpflichtung: Tritt eine Aktie in eine Benchmark ein, müssen die nachbildenden Fonds sie faktisch kaufen – diese mechanische Nachfrage betrifft die Indexfonds und ETFs, die Millionen von Altersvorsorge- und Brokerage-Konten unterlegen. Mehrere Institutionen schätzen, dass allein die Nasdaq-100-Aufnahme erzwungene Käufe von rund 22 bis 27 Milliarden Dollar durch ETFs und Indexfonds auslösen würde – finanziert teils durch das Abstoßen bestehender Positionen wie Apple, Microsoft oder Nvidia.

Auch über die Nasdaq hinaus rückt die Aktie näher: SpaceX ist groß genug, um in den MSCI World Index aufgenommen zu werden, der weltweit als Standard-Benchmark für globale Aktien-ETFs dient. MSCIs Methodik erlaubt eine beschleunigte Aufnahme für hinreichend große IPOs außerhalb des üblichen vierteljährlichen Rebalancing-Termins; der tatsächliche Index-Einfluss dürfte allerdings durch den geringen Streubesitz zunächst gedämpft bleiben.

Dänischer Pensionsfonds verbannt die Aktie vorab

Während die Index-Maschinerie auf Aufnahme zusteuert, hat ein institutioneller Investor bereits die Reißleine gezogen. Der dänische Pensionsfonds Akademikerpension setzte SpaceX noch vor dem Börsengang auf seine Ausschlussliste und nannte als Gründe sowohl die Bewertung als auch die Governance-Struktur.

Zur Bewertung erklärte der Fonds, Marktindikationen deuteten auf mindestens 1,8 Billionen Dollar hin, während eine Bewertung oberhalb von einer Billion Dollar schwer zu rechtfertigen sei. Anleger:innen werde zugemutet, für ein hochgradig ungewisses Unternehmen eine beispiellos niedrige Risikoprämie zu akzeptieren.

Noch deutlicher fiel die Kritik an der Unternehmensführung aus, die der Fonds als äußerst mangelhaft bezeichnete. Hintergrund: Musk werde voraussichtlich über mehr als 80 Prozent der Stimmrechte verfügen und zugleich als CEO, Technikchef und Verwaltungsratsvorsitzender fungieren. Diese extreme Machtkonzentration verhindere nach Einschätzung des Fonds eine wirksame Aufsicht durch das Board und mache es praktisch unmöglich, Musk gegen seinen Willen abzuberufen.

Passiv vs. aktiv

Für aktiv investierende Fonds wie Akademikerpension ist ein Ausschluss möglich – für passiv anlegende ETF-Sparer:innen, die einen Nasdaq-100- oder MSCI-World-Fonds besparen, ist er es im Regelfall nicht. Sie werden über die Index-Aufnahme automatisch und ohne eigenes Zutun zu SpaceX-Aktionär:innen, unabhängig davon, wie sie Bewertung und Governance einschätzen. Die Debatte um die „Fast Entry“-Regeln berührt damit eine grundsätzliche Frage des passiven Investierens: Wer entscheidet eigentlich, was in den breiten Markt gehört – und zu welchem Preis er gekauft wird?

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!
#glaubandich CHALLENGE Hochformat.

#glaubandich CHALLENGE 2026

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen