Datenschutz

sproof warnt vor „Identitätsfalle Social-Media-Verbot“

Symbolbild: sproof warnt vor "Identitätsfalle Social-Media-Verbot“ © TheDigitalArtist on Pixabay
Symbolbild: sproof warnt vor "Identitätsfalle Social-Media-Verbot“ © TheDigitalArtist on Pixabay

Derzeit wird in Europa immer intensiver über ein mögliches Social-Media-Verbot für Jugendliche diskutiert. Doch auch wenn diese Maßnahme dazu gedacht ist, junge Menschen zu schützen, könnte sie auch versteckte Gefahren für sie enthalten. Laut dem RegTech-Startup sproof könnten Social-Media-Verbote für Minderjährige den Datenschutz einer ganzen Generation zunichte machen.

„Sicherheits-Check“ sammelt hochsensible Daten

sproof zufolge könnten globale Plattformen die notwendige Altersverifikation dazu nutzen, noch mehr Daten von Nutzer:innen anzuhäufen. Die Experten der Jungfirma fordern eine strategische Neuausrichtung. Ihnen zufolge sollte die digitale Identität als souveräne Infrastruktur gelten. Plattformen wie Meta, Discord oder Roblox verlangen jetzt schon Identitätsprüfungen über Drittanbieter. Diese „Sicherheits-Check“ seien in Wirklichkeit eine Methode, um sensibelste Identitätsmerkmale in intransparente US-Infrastrukturen zu übertragen.

„Wir beobachten eine gefährliche Vermischung: Ein Social-Media-Verbot ist eine regulatorische Maßnahme, doch die technische Umsetzung wird zum Freifahrtschein für Data-Mining“, warnt IT-Security-Experte Fabian Knirsch. Nicht-europäische Unternehmen könnten so ein extrem detailliertes Profil von Menschen erhalten, das sich aus biometrischen Merkmalen und Klarnamen sowie dem digitalen Verhalten zusammensetzt. Diese Daten unterliegen oft regulatorischen Zugriffen in Drittstaaten, die nicht mit europäischem Recht vereinbar sind.

„Infinite Scrolling“: EU will süchtig machendes Design in Social Media verbieten

sproof empfiehlt Fokus auf europäische Standards

Clemens Brunner, Experte für digitale Identitäten, betont, dass Vertrauen als übergeordnete Infrastruktur fungieren muss, die das souveräne Fundament für alle digitalen Prozesse bildet. Ein zukunftsfähiger Ansatz setzt dabei konsequent auf europäische Standards wie die EUDI-Wallet, die das Prinzip der Datenminimierung durch „Selective Disclosure“ technisch realisiert.

Hierbei wird lediglich ein notwendiger Parameter validiert, etwa die Bestätigung der Volljährigkeit. Nicht erforderlich sind Daten wie das genaue Geburtsdatum, biometrische Quelldaten oder der Klarname. Wahre digitale Souveränität und Rechtssicherheit entstehen laut den sproof-Experten erst durch diese strikte Trennung von Identitätsnachweis und Verhaltensanalyse.

„Wir dürfen den notwendigen Jugendschutz nicht als Begründung nutzen, um die digitale Souveränität einer ganzen Generation an außereuropäische Datenbanken zu opfern“, erklärt Brunner. „Wahre Sicherheit im Netz entsteht nicht durch das Anhäufen biometrischer Profile, sondern durch technologische Integrität. Wir müssen Identität endlich als kritische Infrastruktur begreifen, die wir in Europa selbst gestalten und absichern müssen.“

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