Rechtstreit

Teradyne: Robotik-Riese verklagt chinesischen Rivalen Elite Robots wegen „Kopie“

© Teradyne Robotics
© Teradyne Robotics

Der Kampf um den Markt für Industrieroboter zwischen westlichen Firmen und chinesischen Unternehmen wird nicht nur am Markt selbst, sondern nun auch vor Gericht ausgetragen: Denn Teradyne Robotics A/S hat rechtliche Schritte gegen die deutsche Tochtergesellschaft des chinesischen Robotikunternehmens Elite Robots eingeleitet.

Das dänische Unternehmen, eine Tochtergesellschaft von Teradyne, Inc. (NASDAQ: TER), wirft dem Konkurrenten vor, die Software von Universal Robots unrechtmäßig kopiert zu haben. Konkret bezieht sich die Klage, die bei einem deutschen Gericht eingebracht wird, auf eine Urheberrechtsverletzung in Bezug auf die Software PolyScope 5 von Universal Robots.

Teradyne ist ein heimlicher Gewinner der aktuellen KI-Welle, da es Testsysteme auch für Chips liefert. Die Aktie hat innerhalb der letzten 12 Monate um 170% zugelegt, das Unternehmen wird aktuell mit satten 45 Milliarden Dollar bewertet.

Elite Robots ist auch keine kleine Nummer: Dabei handelt es sich um einen 2016 gegründeter chinesischer Hersteller kollaborativer Roboter (Cobots). Das Unternehmen zählt mittlerweile zu den Top-3-Cobot-Marken in China. Elite Robots wollte oder konnte zur Klage bis dato keine Stellungnahme abgeben.

Vorwurf der Softwarepiraterie

Teradyne Robotics gibt an, über Beweise für eine Urheberrechtsverletzung durch Elite Robots zu verfügen. Das Unternehmen hatte zunächst eine Unterlassungsaufforderung an die deutsche Niederlassung von Elite Robots verschickt, bevor es den Fall an ein deutsches Gericht übergab. Neben dem Rechtsstreit hat Teradyne Robotics nach eigenen Angaben auch europäische Sicherheitsbehörden über Sicherheitsbedenken bezüglich der Roboter von Elite Robots informiert.

Jean-Pierre Hathout, Präsident der Teradyne Robotics Group, betont die Bedeutung des Schutzes geistigen Eigentums für die europäische Industrie:

„Dieser entschlossene Schritt unterstreicht unser Engagement für den Schutz geistigen Eigentums und dafür, dass Automatisierungskunden Zugang zu sicheren und hochwertigen Lösungen erhalten, die sie verdienen.“

Und weiter: „Sowohl Automatisierung als auch Innovation sind entscheidend für Europas Zukunft. Wir werden nicht zulassen, dass Produkte von Unternehmen, die geschützte Technologien unrechtmäßig kopieren, das Kundenerlebnis, das geistige Eigentum unseres Technologiesektors oder Europas industrielle Zukunft gefährden.“

Forderung nach branchenweitem Vorgehen

Das Unternehmen fordert politische Entscheidungsträger und Branchenführer auf, konsequent gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Hathout erklärte dazu:

„Teradyne Robotics entscheidet sich bewusst dafür, gegen Wettbewerber Stellung zu beziehen, die proprietäre Hardware- oder Softwaredesigns kopieren, um über niedrigere Preise zu konkurrieren. Wir laden andere Führungskräfte ein, sich uns anzuschließen, um die Integrität unserer Branche und die Stärke unserer Wirtschaft zu verteidigen.“

Bedeutung für den europäischen Robotikmarkt

Teradyne Robotics, zu dem die Marken Universal Robots und Mobile Industrial Robots (MiR) gehören, hat nach eigenen Angaben Standards für Robotersicherheit maßgeblich mitgeprägt. Das Unternehmen spezialisiert sich auf kollaborative Robotik, die nach Sicherheitsprüfung direkt mit Menschen in Fertigung und Logistik eingesetzt werden kann.

„Wir glauben, dass wir über starke Beweise verfügen, die über rein visuelle Ähnlichkeiten hinausgehen. Wir kennen unsere Software, und auch auf technischer Ebene weist ihre Software auffällige Ähnlichkeiten auf“, so David Brandt, VP R&D & CTO von Universal Robots.

Laut einer Untersuchung von Universal Robots glauben 48 Prozent der europäischen Hersteller, dass Robotik bis 2030 die transformativste Technologie sein wird. 68 Prozent nennen Produktivität als wichtigsten Treiber der Automatisierung, während 84 Prozent von einer positiven Reaktion der Mitarbeitenden auf Robotikautomatisierung berichten.

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