TikTok investiert weitere Milliarde Euro in finnisches Rechenzentrum
TikTok hat laut heise den Bau eines zweiten Rechenzentrums in Finnland angekündigt – wieder mit einer Milliarde Euro Investitionsvolumen. Der chinesische Konzern lässt bereits ein Datacenter in Kouvola errichten, das bis Ende 2026 in Betrieb gehen soll. Das neue Rechenzentrum in Lahti startet 2027. Die Strategie dahinter: Europäische Datensouveränität demonstrieren und den politischen Druck wegen Datenschutzbedenken mindern. Unabhängige Sicherheitsexperten sollen garantieren, dass keine Nutzerdaten nach China abfließen.
Mehr Datenschutz für europäische Nutzer:innen
Schon 2023 hatte TikTok mehr Rechenzentren in Europa angekündigt. Das Vorhaben läuft unter dem Namen „Project Clover für Datensouveränität in Europa“. Der ByteDance-Konzern reagiert damit auf den Digital Services Act (DSA) der EU und will den Druck reduzieren, der wegen der Sicherheit von Nutzerdaten regelmäßig auf das Unternehmen ausgeübt wird. Die zweite Milliarden-Investition in Finnland unterstreicht diese Strategie.
Das Rechenzentrum in Lahti startet mit 50 Megawatt Leistung. Berichten zufolge soll sich die Leistung auf bis zu 128 Megawatt erhöhen lassen. TikTok-Manager Christian Hannibal erklärt die Standortwahl: „Finnland bietet eine einzigartige Kombination aus einer starken digitalen Infrastruktur, Zugang zu sauberer und zuverlässiger Energie sowie hochqualifizierten Arbeitskräften. Das macht das Land zu einer naheliegenden Wahl, während wir unsere europäische Infrastruktur weiter ausbauen und den lokalen Schutz und die lokale Speicherung von Daten verstärken.“ Die Investition ist Teil des 12 Milliarden Euro schweren Project Clover, um Daten der über 200 Millionen europäischen Nutzer:innen zu schützen.
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TikTok will Verkauf wie in USA vermeiden
Datenspeicherung in Europa allein garantiert keinen Datenschutz. Deshalb hat TikTok die britische NCC Group beauftragt, „die Datenkontrollen und Schutzmaßnahmen unabhängig zu überwachen, zu prüfen und zu verifizieren, Datenflüsse zu kontrollieren und Unregelmäßigkeiten zu melden.“ Das soll sicherstellen, dass kein Datenabfluss Richtung China erfolgt – eine zentrale Sorge europäischer Regulierungsbehörden.
In den USA war TikTok ähnlich vorgegangen: Oracle prüfte die App und speicherte US-Nutzerdaten. 2022 bestätigte TikTok allerdings, dass Mitarbeiter:innen in China auf US-Nutzerdaten zugreifen können. TikTok betont zwar stets, man habe nie Datenanfragen von der chinesischen Regierung bekommen und würde diesen auch nicht nachkommen. Die Zweifel führten letztlich aber dazu, dass TikTok in den USA verkauft wurde und neue Eigentümer erhalten hat. Der europäische Ansatz mit externer Überwachung soll dieses Szenario vermeiden.


