Uber und Autobrains testen fahrerlose Robotaxis in München
Der Fahrdienstvermittler Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains haben heise zufolge auf der Technologiekonferenz GTC in Taipeh ein gemeinsames Robotaxi-Programm für München angekündigt. Dort soll eine Flotte autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 entstehen. Bei diesem Level ist keine Fahreraufmerksamkeit mehr nötig. Die Passagiere können während der Fahrt schlafen, arbeiten oder Filme ansehen.
Verzicht auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge
Ein Stufe 4-Robotaxi darf allerdings nur in einem vorher festgelegten Bereich fahren, etwa innerhalb des mittleren Rings oder auf bestimmten Autobahnabschnitten. Technologisch basiert das Projekt auf der Drive-Hyperion-Plattform des Chipgiganten Nvidia. Damit werden auch Fahrzeuge ohne klassisches Cockpit möglich, da kein Mensch mehr eingreifen muss. Das Taxi kommt komplett ohne Fahrer:in aus.
Im Zentrum der strategischen Partnerschaft steht ein grundlegender Paradigmenwechsel für die kommerzielle autonome Mobilität: der Verzicht auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge. Bisherige Robotaxi-Dienste wie die Alphabet-Tochter Waymo setzen auf hochgradig individualisierte Fahrzeugflotten mit komplexen Sensorenaufbauten auf dem Dach.
AI-Agenten erledigen verschiedene Aufgaben
Das neue Programm in München etabliert stattdessen ein sogenanntes OEM-agnostisches Modell. Das System lässt sich unkompliziert in bestehende Serienfahrzeuge verschiedenster Automobilhersteller wie Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen integrieren, solange sie auf Nvidias Hyperion-Plattform setzen. Für die Autobranche eröffnet sich damit die Möglichkeit, eigene Fahrzeugplattformen ohne immensen Entwicklungsaufwand in ein autonomes Fahrdienste-Netzwerk einzubringen.
Technologisches Herzstück des Projekts ist die Agentic AI von Autobrains. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ende-zu-Ende-KI-Modellen, die die gesamte Fahraufgabe als ein einziges großes System verarbeiten, zerlegt der Ansatz von Autobrains den Fahrvorgang in spezialisierte, eigenständige Software-Agenten. Ein KI-Agent bewertet Vorfahrtsregeln, ein anderer achtet auf Fußgänger:innen, weitere Agenten sind für Aufgaben wie den Spurwechsel zuständig. Ein übergeordnetes System bewertet diese Dimensionen des Verkehrsgeschehens parallel und trifft in Echtzeit verbindliche Entscheidungen.
Uber will Robotaxi-Präsenz in Europa ausbauen
München dient für das Konsortium als weltweite Launch-City. Ausschlaggebend für die Standortwahl waren neben der dichten urbanen Infrastruktur und der Nähe zu führenden Automobilkonzernen vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt den fahrerlosen Betrieb unter bestimmten Voraussetzungen in festgelegten Geschäftsbereichen.
Für Uber bedeutet das Projekt in München eine strategische Doppelspitze: Der Mobilitätsriese testet in der Region bereits autonomes Fahren mit dem chinesischen Technologiepartner Momenta und baut mit dem zweiten Projekt seine Präsenz auf dem europäischen Markt für fahrerlose Mobilität aus.
Der Start des kommerziellen Dienstes steht unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen. Bei der Ankündigung in Taipeh blieben allerdings wichtige Details offen. So ist unklar, welche Fahrzeugmarke zuerst eingesetzt wird und wer die Flotte betreibt. Außerdem ist weiterhin nicht klar, ob es zu Beginn des Tests noch Sicherheitsfahrer:innen im Fahrzeug geben wird und in welchem Gebiet genau und ab wann die Testfahrten absolviert werden.

