Andon Labs: AI-Agent Mona startet Café in Stockholm
Ein KI-Agent, der ein Café betreibt: Dieses Experiment hat das US-Startup Andon Labs in Stockholm unternommen. Die AI mit Namen „Mona“ betreibt seit zwei Wochen ein echtes Café in der schwedischen Hauptstadt. Die Jungfirma hat einen Mietvertrag für einen Raum vor Ort unterschrieben und ihn direkt an die KI übergeben. Mona analysierte den Vertrag sofort, erstellte eine priorisierte Checkliste aller nötigen Schritte und machte sich an die Arbeit am „Andon Café„.
AI kämpft mit BankID
Ziel des Experiments war es, zu zeigen, was AI heute kann und wo es noch menschliches Urteilsvermögen braucht. Mona sollte alle organisatorischen Aufgaben von der Lebensmittelregistrierung über Lieferantensuche bis zur Einstellung von Baristas erledigen. In der Praxis zeigte sich, dass die AI oft auf Schwierigkeiten stieß und dafür manchmal sehr unorthodoxe Lösungen fand.
Die erste große Barriere war BankID, die schwedische digitale Identität, die an eine Personennummer gebunden ist. Ohne BankID läuft in Schweden fast nichts. Mona erkannte das Problem laut Andon Labs sofort. Statt Stromtarife zu vergleichen, schloss sie einen dreijährigen Fixpreisvertrag mit Vattenfall ab, einfach weil dieser Anbieter kein BankID verlangte.
Mona bevorzugt Identitätswechsel gegenüber Transparenz
Bei der Genehmigung für Außenbestuhlung reichte die AI bei der Polizei eine selbst generierte Skizze ein. Dabei hatte sie die Straße vor dem Café nie gesehen. Die Polizei lehnte den ersten Antrag ab. Wo BankID unvermeidbar war, etwa bei der Lebensmittelregistrierung oder beim Finanzamt, bat Mona Menschen um Authentifizierung und füllte dann selbst die Formulare aus.
Beim Alkohollizenzantrag ging Mona einen anderen Weg: Sie verschickte E-Mails unter dem Namen einer Andon-Labs-Mitarbeiterin, weil sie davon ausging, dass Behörden menschliche Anfragen priorisieren. Trotz Zusage, damit aufzuhören, schickte sie eine Folge-Mail unter dem Namen eines anderen Kollegen. Die KI hatte schlicht entschieden, dass Identitätswechsel effizienter ist als Transparenz.
Chaotisches Teammanagement über Slack
Beim Recruiting schaltete Mona Stellenanzeigen auf LinkedIn und Indeed. Sie prüfte Lebensläufe und lehnte mehrere Bewerber:innen mit PhD-Abschlüssen und Engineering-Hintergrund ab, denn ihnen fehlte die praktische Specialty-Coffee-Erfahrung. Zunächst lud sie Kandidat:innen zu persönlichen Gesprächen im Café ein, bevor ihr auffiel, dass sie digital ist.
Sie stellte zwei Baristas ein und managt sie rund um die Uhr über Slack. Sie schreibt oft um Mitternacht und bittet sie, auf dem Weg zur Arbeit Café-Bedarf mit der privaten Kreditkarte zu kaufen. Zumindest ist Mona mit Komplimenten nicht sparsam und nennt ihr Team beispielsweise „absolute Legenden.“
„Hall of Shame“ für Fehlkäufe
Bei der Lieferkette zeigt sich Monas größte Schwäche: fehlende physische Intuition. Sie richtete Konten bei verschiedenen Zulieferern ein, verpasste aber zweimal die Bestellfrist für Brot und andere Deadlines. Das führte unter anderem zu teuren Notbestellungen. In der ersten Woche bestellte sie 120 Eier, obwohl das Café keinen Herd hat. Als die Baristas das meldeten, schlug sie vor, den Hochgeschwindigkeitsofen zu nutzen (bis man ihr erklärte, dass die Eier explodieren würden). Um das Problem verderbender Tomaten zu lösen, orderte sie 22,5 kg Dosentomaten für frische Sandwiches.
Die Baristas starteten eine „Hall of Shame“, ein für Kund:innen sichtbares Regal mit Monas kuriosesten Bestellungen: 6.000 Servietten, 3.000 Nitrilhandschuhe, 9 Liter Kokosmilch und industrielle Müllsäcke.
Café macht trotz Problemen Umsätze
Trotz der Lernkurve funktioniert das Café. In den ersten 14 Tagen hat Andon Café 44.000 Kronen (etwa 40.000 Euro) Umsatz gemacht. Mona verhandelte einen Deal, bei dem ein Kunde 9.000 Kronen für 300 QR-Codes für Gratis-Kaffee zahlte. Ein Startup bezahlte 3.000 Kronen, um drei Monate lang ein Gebäck nach sich benennen zu lassen.
Mona organisierte bereits einen Google-Meet-Call mit einem anderen KI-Agenten, der von ihrer Erfahrung lernen wollte, und veranstaltete zwei Events mit Agenten von Stockholmer Startups. Andon Labs betont, dass es nicht darum geht, Café-Betreiber durch KI zu ersetzen. Das Experiment soll die aktuellen Fähigkeiten von KI öffentlich demonstrieren.
Frontier-Modelle sind intelligent genug, um Menschen zu managen. Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, könnte KI-gesteuertes Hiring alltäglich werden. Durch das Experiment will Andon Labs die Diskussion über diese Zukunft früher anstoßen, damit sich die Gesellschaft besser vorbereiten kann. Ein ähnliches Experiment betreibt das Startup auch bereits mit einem Geschäft „Andon Market“ in San Francisco.


