Grok 4.6: KI-Sparte von SpaceX mit neuen KI-Modell zurück im Spitzenfeld
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Mit Grok 4.6 meldet sich die KI-Sparte von SpaceX zurück im engsten Kreis der Frontier-Modelle. Das am 12. August veröffentlichte Modell erreicht im Artificial Analysis Intelligence Index 61 Punkte – gleichauf mit GPT-5.6 Sol Max von OpenAI, aber hinter Anthropics Claude Opus 5 (63) und Claude Fable 5 (62). Gegenüber dem Vorgänger Grok 4.5 (56 Punkte) ist das ein Sprung um fünf Zähler, gegenüber der Konkurrenz aus San Francisco bleibt es Platz drei bzw. vier.
Technisch ist Grok 4.6 laut Ankündigung kein neues Basismodell, sondern ein Post-Training-Upgrade auf derselben Grundlage wie Grok 4.5: längerer Supplemental-Trainingslauf, neu generierte SFT-Trajektorien und Reinforcement Learning in agentischen Umgebungen. Der erklärte Fokus liegt auf Agenten, die über viele Schritte hinweg an einer Aufgabe bleiben – Recherche, Arbeit an Codebasen, visuelle und interaktive Projekte. Das Kontextfenster liegt bei 500.000 Token, die API-Preise bleiben mit 2 US-Dollar je Million Input- und 6 Dollar je Million Output-Token unverändert; eine schnellere Variante kostet das Doppelte. Verfügbar ist das Modell in Cursor, Grok Build, über die xAI-API sowie via OpenRouter, Vercel und Cloudflare.
Die Stärken und Schwächen
Auf der von SpaceXAI selbst publizierten Benchmark-Tabelle führt Grok 4.6 bei GDPval-AA v2 (1753 Elo gegenüber 1526 für Grok 4.5), bei AA-Briefcase und bei Harvey LAB – also überwiegend bei Wissensarbeit. Bei den Coding-Benchmarks, die für Entwicklerteams am ehesten kaufentscheidend sind, liegt das Modell dagegen zurück: DeepSWE v1.1 kommt auf 65,9 Prozent gegenüber 73 Prozent für GPT-5.6 Sol Max, bei Terminal-Bench v3.0 stehen 26 Prozent gegen 34,6 bzw. 34,1 Prozent der Konkurrenz.
Deutlich durchwachsener fällt das Bild dort aus, wo nicht Benchmarks, sondern Nutzervergleiche zählen. Im Leaderboard von Arena.ai rangiert grok-4.6-high in der WebDev-Wertung auf Platz fünf (1630 Punkte) – hinter Claude Opus 5 Max, Kimi K3 Max, Qwen3.8 Max und Claude Opus 5 High, aber vor Claude Fable 5 und GPT-5.6 Sol. In den übrigen Kategorien taucht das Modell in den Top 10 nicht auf: weder in der Agent-Wertung noch bei Vision oder Document. In der Text-Arena, wo Nutzer:innen Antworten blind gegeneinander abstimmen, liegt Grok 4.6 auf Rang 43 von 683 gelisteten Modellen. Wie belastbar die Zahlen einzelner Ranglisten sind, ist branchenweit umstritten – die Diskrepanz zwischen Benchmark-Suite und Präferenzvergleich ist bei Grok 4.6 aber ungewöhnlich groß.
Erste Quartalszahlen: KI ist der Wachstumstreiber
Der Modellrelease fällt in eine Phase, in der die Musk-Gruppe ihre KI-Sparte neu sortiert. SpaceX hatte xAI samt Plattform X im Februar 2026 übernommen, seit Mai ist die Integration abgeschlossen, Grok und X firmieren unter der Division SpaceXAI. Auch das zugekaufte Cursor wird dort integriert, mittelfristig soll Cursor als Marke verschwinden.
Anfang August legte der Konzern dann die ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang vor – und die zeigen, wie schnell sich das Gewicht innerhalb des Konzerns verschiebt. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar (Vorjahr: 4,1 Milliarden), das bereinigte EBITDA um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust schrumpfte von 1,0 Milliarden auf 541 Millionen Dollar.
Der stärkste Treiber ist das KI-Segment: Der Umsatz stieg um 247 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, angetrieben von neuen Cloud-Services-Verträgen im Volumen von 14,1 Milliarden Dollar, von denen 1,6 Milliarden bereits im Quartal verbucht wurden. Der operative Verlust der Sparte sank gegenüber dem Vorquartal um 49 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, das bereinigte EBITDA war mit 1,1 Milliarden Dollar erstmals positiv. Starlink bleibt mit 4,3 Milliarden Dollar Umsatz (plus 66 Prozent) und 12 Millionen Abos zwar der Ertragsbringer, das Raketengeschäft steuerte nur 962 Millionen Dollar bei. Bezahlt wird das Wachstum mit Kapitaleinsatz: Allein im Quartal flossen 15,8 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur, im ersten Halbjahr 23,6 Milliarden. Die Aktie verlor nachbörslich zeitweise bis zu acht Prozent.
Colossus als Infrastrukturgeschäft
Jene 14,1 Milliarden Dollar an vertraglich fixierten Cloud-Umsätzen stammen zu einem erheblichen Teil von direkten Wettbewerbern. Im Mai schloss ausgerechnet Anthropic – von Musk zuvor öffentlich scharf kritisiert – eine Vereinbarung über die gesamte Rechenkapazität von Colossus 1 in Memphis ab: mehr als 300 Megawatt und über 220.000 Nvidia-GPUs, die Anthropic zur Anhebung der Limits bei Claude Code und der API nutzte. Google zahlt 920 Millionen Dollar pro Monat über 32 Monate ab Oktober 2026, das Open-Source-Startup Reflection AI rund 150 Millionen Dollar monatlich für GB300-Kapazität in Colossus 2 – in Summe bis zu 6,3 Milliarden Dollar bis 2029.
Im IPO-Prospekt beziffert SpaceX die kombinierte GPU-Leistungsaufnahme von Colossus und Colossus II per 31. März 2026 mit rund einem Gigawatt und erklärt die Absicht, überschüssige KI-Kapazität an eine begrenzte Zahl von Dritten zu verkaufen – also als Anbieter neben Firmen wie CoreWeave und Nebius aufzutreten. Musk selbst hat öffentlich zugesichert, Anthropic nicht aus Wettbewerbsgründen abzudrehen.
Dazu kommt der eigene Vertriebskanal: Vier Tage nach dem Börsengang kündigte SpaceX an, das KI-Coding-Startup Cursor (Anysphere) um 60 Milliarden Dollar in einem reinen Aktien-Deal zu kaufen, Closing erwartet im dritten Quartal. Grok 4.6 ist dort seit dem Launch in allen Tarifen verfügbar, in der ersten Woche mit doppeltem Inklusiv-Kontingent.

