Sono Earplugs & ohrheld: 118 Jahre nach Ohropax erfinden Startups die Ohrstöpsel neu
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Als 1908 die „OHROPAX Geräuschschützer“ im damaligen deutschen Kaiserreich auf den Markt kamen, war schon damals die Idee eine uralte. Immerhin bediente sich Erfinder und Akotheker Maximilian Negwer damals einer uralten Idee, um den in der Industrialisierung aufkommenden Umgebungslärm einzudämmen: dem Bienenwachs, mit dem sich der griechische Held Odysseus der legende nach die Ohren zustöpselte, um sich vor den betörenden Gesängen der Sirenen zu schützen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Baumwollwatte als Trägerstoff mit einer Mischung aus neutralen Wachsen und Vaseline getränkt.
Formbares Silikon
2026 kommt das Thema wieder auf, diesmal nicht als Lärmschutz vor Maschinen, sondern vor Schnarch-Attacken, Straßenlärn um Co. Auch in Österreich nehmen sich aktuell zwei Startups dem Thema an. Das eine ist SONO Earplugs, gegründet von Benjamin Wachner aus Kärnten gemeinsam mit seinem Partner Elias Baar. Das Produkt: wiederverwendbare Ohrstöpsel aus weichem, formbarem Silikon, die nicht tief in den Gehörgang geschoben, sondern außen am Ohr angepasst werden („On-Ear-Fit“). „Elias und ich hatten beide über Jahre Probleme mit störenden Geräuschen beim Schlafen und waren mit klassischen Ohrstöpseln nie wirklich zufrieden“, sagt Wachner gegenüber Trending Topics. Nach rund einem Jahr mit Tests und Materialien sei daraus SONO entstanden.
Verkauft wird direkt über einen eigenen Shopify-Shop, die Preise liegen bei 17,99 Euro (Classic) bzw. 19,99 Euro (Deep Sleep), dazu kommen Bundles und eine Schlafmaske als Kooperationsprodukt. Produziert wird in China. Reichweite hat das Startup bisher vor allem über Social Media und regionale Medienberichte aufgebaut.

Der Unterschied zu ohrheld
Parallel dazu arbeitet in Wien das Startup ohrheld an einem ähnlichen Bedürfnis, aber mit anderem Zugang: Es fertigt Ohrstöpsel individuell an – auf Basis eines Ohr-Scans per Smartphone, produziert per 3D-Druck in Österreich. Der geplante Verkaufspreis liegt bei 49,99 Euro, deutlich unter den rund 150 Euro, die eine Maßanfertigung beim Hörakustiker kostet. Im Mai wurde bekannt, dass ohrheld dafür von der FFG mit einem Entwicklungsprojekt im Volumen von rund 150.000 Euro unterstützt wird. Mittlerweile ist das Produkt unter dem Namen „Schlafheld“ über den eigenen Shop bestellbar.
Von SONO-Seite kennt man den Wiener Mitbewerber nach eigenen Angaben bisher nicht. „Ganz offen gesagt kannten wir die Marke bis heute noch nicht“, so Wachner. Nach einem kurzen Blick darauf seien Produkt und Ansatz aber ziemlich unterschiedlich: SONO setze auf ein Standardprodukt aus formbarem Silikon, das sich jeder selbst anpassen könne, ohrheld dagegen auf individuell gescannte und gefertigte Modelle.
Zusammengefasst unterscheiden sich die beiden vor allem in vier Punkten: Standardprodukt versus Maßanfertigung, Selbstanpassung versus digitaler Scan, Fertigung in China versus 3D-Druck in Österreich – und ein Preisniveau von unter 20 Euro versus knapp 50 Euro.

Kopfhörer? Vorerst nicht
Elektronik ist bei SONO derzeit kein Thema: „In der aktuellen Form nein – bei SONO Earplugs handelt es sich um formbare Silikon-Earplugs ohne Elektronik“, sagt Wachner auf die Frage, ob auch Kopfhörer zum Musikhören denkbar wären. ohrheld wiederum will den Prozess langfristig auf weitere Anwendungen ausweiten, etwa auf Stöpsel mit Filtern für Musik- und Event-Situationen oder Produkte fürs konzentrierte Arbeiten und für Reisen.
Dass gleich zwei österreichische Startups zeitgleich am selben Thema arbeiten, passt zu einem größeren Trend: Schlaf, Regeneration und Selfcare sind als Konsumthemen stark im Kommen – und mit ihnen Produkte, die bisher als reine Drogeriewaren galten und nunmehr digital vertrieben werden.

