Databricks steigert Bewertung auf 190 Milliarden Dollar, will weiter keinen IPO machen
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Das US-Daten- und KI-Unternehmen Databricks hat eine strategische Finanzierungsrunde über fünf Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 190 Milliarden Dollar abgeschlossen. Gleichzeitig gibt das Unternehmen bekannt, im zweiten Quartal eine Revenue-Run-Rate von sieben Milliarden Dollar überschritten zu haben – bei einem Wachstum von mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer Aussendung des Unternehmens hervor.
Angeführt wurde die Runde von Coatue, mit dabei sind Blackstone, MGX, von T. Rowe Price beratene Fonds sowie als neuer Investor Sixth Street Growth. Ebenfalls neu an Bord: BOND, Clearlake Capital, Point72, Premji Invest und TPG. Aus dem Bestand beteiligten sich unter anderem Andreessen Horowitz, Dragoneer, Fidelity, Franklin Templeton, GIC, Goldman Sachs Alternatives, Insight Partners, J.P. Morgan Private Capital, Morgan Stanley Investment Management, NEA, Ontario Teachers‘ Pension Plan, Temasek, Thrive Capital und WCM Investment Management.
Es ist bereits die zweite Runde des Unternehmens innerhalb eines halben Jahres. Im Februar 2026 hatte Databricks rund fünf Milliarden Dollar Eigenkapital bei einer Bewertung von 134 Milliarden Dollar eingesammelt, damals bei einer Run-Rate von 5,4 Milliarden Dollar und 65 Prozent Wachstum. Die neue Bewertung liegt damit um rund 42 Prozent höher als vor sechs Monaten, wie Bloomberg vorrechnet. Auf die aktuelle Run-Rate bezogen ergibt das ein Multiple von etwa 27.
Woher das Wachstum kommt
Der größte Einzeltreiber ist nicht das KI-Geschäft, sondern das klassische Data Warehousing. Das Produkt „Lakehouse“ kommt laut Unternehmensangaben auf eine Umsatz-Run-Rate von über 1,5 Milliarden Dollar und wächst mit mehr als 100 Prozent im Jahresvergleich – also deutlich schneller als das Gesamtgeschäft. Databricks greift damit direkt jenes Segment an, in dem der börsennotierte Konkurrent Snowflake seinen Kern hat. Snowflake kam in den vergangenen zwölf Monaten (Stand Quartalsende April 2026) auf rund fünf Milliarden Dollar Umsatz bei etwa 31 Prozent Wachstum.
Zweiter Faktor ist die Expansion in der bestehenden Kundenbasis. Mehr als 1.000 Kunden setzen inzwischen über eine Million Dollar pro Jahr um, mehr als 100 davon über zehn Millionen Dollar – also etwa ein Zehntel der Millionen-Kunden. Databricks nennt weltweit über 20.000 Organisationen als Kunden, darunter 70 Prozent der Fortune 500. Für neue Produkte bedeutet das einen eingebauten Cross-Selling-Kanal.
Der dritte Block ist das Agenten-Geschäft, in das die frischen Mittel fließen sollen. Dazu zählen Lakebase, eine serverlose Postgres-Datenbank für KI-Agenten, die die 100-Millionen-Dollar-Marke bei der Run-Rate überschritten hat; Genie, ein KI-„Coworker“, der Unternehmensdaten in Antworten übersetzt; und Unity AI Gateway für Governance und Kostenkontrolle über mehrere KI-Modelle hinweg.
Bemerkenswert ist das Argument, mit dem CEO Ali Ghodsi die Nachfrage erklärt: nicht KI-Euphorie, sondern KI-Kostendruck. Steigende Token-Preise würden die Nachfrage nach Kostenkontroll-Werkzeugen und Open-Source-Alternativen antreiben; Kunden, die chinesische Modelle bisher ausgeschlossen hätten, würden offener dafür, sagte er gegenüber CNBC. „Unternehmen wollen nicht nur KI, die Konversation betreibt“, wird Ghodsi in der Aussendung zitiert – gefragt seien Agenten, die Kontext behalten, präzise Antworten liefern und Aufgaben erledigen, ohne die Budgets zu sprengen.
Kein IPO in Sicht
Trotz der Größe bleibt Databricks vorerst privat. Ghodsi bezeichnet einen Börsengang weiterhin als Ziel, sieht am öffentlichen Markt aktuell aber „too much distraction“. Damit reiht sich das 2013 gegründete Unternehmen in jene Gruppe stark bewerteter Tech-Firmen ein, die den IPO immer weiter nach hinten schieben und stattdessen private Runden nutzen – auch, um Mitarbeiter:innen Liquidität zu verschaffen.
Einordnend gilt: Die genannten sieben Milliarden Dollar sind eine Run-Rate, also ein auf zwölf Monate hochgerechneter Momentaufnahme-Wert, kein testierter Jahresumsatz. Auch die Aussage zum Cashflow bezieht sich auf einen bereinigten Free Cashflow der vergangenen zwölf Monate, nicht auf einen Nettogewinn. Geprüfte Zahlen legt Databricks als privates Unternehmen nicht vor. Im Wettbewerb steht das Unternehmen neben Snowflake auch mit Googles BigQuery und Microsofts Fabric, wie Reuters anmerkt.

