omni:us: InsurTech rund um Sofie Quidenus-Wahlforss macht Exit an adesso
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Exit für das Team rund um Sofie Quidenus-Wahlforss: Denn der deutsche IT-Dienstleister adesso übernimmt das Berliner InsurTech omni:us. Mit dem Zukauf will adesso die automatisierte Bearbeitung von Versicherungsschäden stärker in seine bestehenden Softwarelösungen integrieren. Finanzielle Details der Transaktion, insbesondere der Kaufpreis, wurden nicht veröffentlicht.
Nach Abschluss der Transaktion soll omni:us unter seinem bisherigen Namen und mit der bestehenden Geschäftsführung innerhalb der adesso Group weiterarbeiten. Auch für Bestandskunden sollen die bisherigen Produkt- und Technologieumgebungen erhalten bleiben. Die adesso Group ist mit rund 11.500 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz 2025 von fast 1,5 Milliarden Euro eines der größten deutschen IT-Dienstleistungsunternehmen.
KI soll Schadenfälle automatisch bearbeiten
omni:us entwickelt Software, die Versicherer bei der Bearbeitung von Schadenfällen unterstützt. Die Technologie analysiert unter anderem Schadenmeldungen und Versicherungsdokumente, strukturiert die enthaltenen Informationen und wendet darauf versicherungsspezifische Regeln an. Standardisierte Fälle sollen dadurch weitgehend oder vollständig automatisch bearbeitet werden können.
Bei komplexeren Vorgängen fungiert die Software als eine Art KI-Copilot. Sie bereitet Informationen auf, schlägt weitere Schritte vor und unterstützt Sachbearbeiter bei Entscheidungen. Nach Angaben von adesso kann die Lösung den gesamten Ablauf von der ersten Schadenmeldung bis zur Auszahlung abdecken. Zu den bisherigen Kunden von omni:us zählen unter anderem Allianz, UNIQA und MS Amlin.
Adesso will die Technologie in die sogenannte in|sure Ecosphere seiner Tochtergesellschaft adesso insurance solutions integrieren. Dabei handelt es sich um eine cloudfähige Softwarelandschaft für zentrale Versicherungsprozesse, darunter Bestandsführung und Schadenmanagement. Die omni:us-Lösung soll damit nicht als separate Zusatzanwendung betrieben werden, sondern unmittelbar mit den Kernsystemen der Versicherer zusammenarbeiten.
Für adesso ist die Übernahme somit vor allem ein strategischer Technologiezukauf. Das Unternehmen erhält eine bereits im Versicherungsbetrieb eingesetzte KI-Plattform und kann diese seinen bestehenden Kunden anbieten. omni:us wiederum bekommt Zugang zu adessos Kundenbasis sowie zu den Implementierungs- und Vertriebskapazitäten eines deutlich größeren IT-Dienstleisters.
Was mit „agentischer KI“ gemeint ist
Im Zusammenhang mit der Übernahme sprechen die Unternehmen von einem „Agentic Layer“. Gemeint ist eine Softwareebene, auf der KI-Systeme nicht nur Informationen analysieren, sondern innerhalb vorgegebener Grenzen auch selbstständig Arbeitsschritte ausführen.
Bei einem einfachen Schadenfall könnte ein solcher KI-Agent beispielsweise Dokumente auslesen, Angaben auf Vollständigkeit prüfen, den Fall kategorisieren, die Versicherungsdeckung abgleichen und die Auszahlung vorbereiten oder auslösen. Menschen müssen dann nur noch eingreifen, wenn Informationen fehlen, Widersprüche auftreten oder eine Entscheidung nicht eindeutig automatisiert werden kann.
Diese Form der Automatisierung soll Bearbeitungszeiten und Kosten reduzieren. Adesso nennt auf Basis bisheriger Kundenerfahrungen Effizienzsteigerungen von bis zu 35 Prozent und eine Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote um bis zu vier Prozentpunkte. Da diese Werte aus der Unternehmenskommunikation stammen, sind sie als Anbieterangaben und nicht als unabhängig bestätigte Ergebnisse einzuordnen.
Gerade in der Versicherungswirtschaft sind solche Systeme mit besonderen Anforderungen verbunden. Automatisierte Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein, regulatorische Vorgaben erfüllen und eine menschliche Kontrolle ermöglichen. Adesso und omni:us betonen deshalb, dass Erklärbarkeit, Aufsicht und operative Zuverlässigkeit Teil der gemeinsamen Produktstrategie bleiben sollen.
Gegründet von österreichischen Unternehmern
Obwohl omni:us seinen Hauptsitz in Berlin hat, reichen die Wurzeln des Unternehmens nach Österreich. Das InsurTech wurde 2015 von Sofie Quidenus-Wahlforss, Martin Micko, Harald Gölles, Stephan Dorfmeister und Eric Pfarl gegründet. Die Gruppe bestand aus österreichischen Unternehmern und früheren Mitstreitern aus dem Umfeld von Quidenus Technologies.
Quidenus Technologies hatte zuvor Systeme für die teilautomatisierte Digitalisierung von Büchern entwickelt. Aus der Beschäftigung mit schwer maschinenlesbaren Dokumenten entstand die Idee für eine KI, die unterschiedliche Dokumenttypen erkennen und verarbeiten kann. Später konzentrierte omni:us diese Technologie auf die Versicherungswirtschaft, in der weiterhin große Mengen uneinheitlicher Dokumente, Formulare und Schadenmeldungen verarbeitet werden müssen.
Nach Angaben des Unternehmens wurden die eingesetzten Modelle im Laufe der Jahre mit mehreren Millionen annotierten Schadenfällen und mehr als 80 Millionen Versicherungsdokumenten trainiert. Inzwischen soll die Plattform die automatisierte Bearbeitung von mehr als einer Million Schadenfällen pro Jahr unterstützen.
Rund 56 Millionen Dollar Kapital aufgenommen
Seit der Gründung erhielt omni:us Kapital von mehreren Venture-Capital-Gesellschaften, Versicherern und strategischen Investoren. Dazu zählen unter anderem Target Global, MMC Ventures, Talis Capital, Anthemis, Unbound, CommerzVentures, Viola FinTech und UNIQA Ventures. Laut Crunchbase wurden insgesamt 56 Mio. Dollar aufgenommen.
Zu den wichtigsten bekannten Finanzierungen gehörte eine Series-A-Runde, durch die das bis dahin aufgenommene Kapital 2018 auf 22,5 Millionen Dollar stieg. Im Februar 2020 kamen weitere 13 Millionen Dollar hinzu. omni:us bezifferte seine damalige Gesamtfinanzierung anschließend auf 33 Millionen Dollar.
Die letzte größere öffentlich kommunizierte Runde fand 2022 statt. Damals schloss omni:us eine Series-A+-Erweiterung über 12 Millionen Euro ab, die zum damaligen Wechselkurs etwas mehr als zwölf Millionen Dollar entsprach. Als neuer strategischer Investor beteiligte sich die Württembergische Versicherung, eine Tochter der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe. Auch bestehende Investoren nahmen an der Finanzierungsrunde teil.

