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Apple WWDC: Liefert Cupertino endlich die AI Siri, die den Namen auch verdient?

Apple's Siri on iPhone. © omid armin auf Unsplash
Apple's Siri on iPhone. © omid armin auf Unsplash

Heute um 19:00 Uhr eröffnet Apple die Entwicklerkonferenz WWDC 2026, und es ist der wohl wichtigste Keynote-Auftritt seit Jahren. Nach dem chaotischen Start von „Apple Intelligence“ 2024 muss der Konzern beweisen, dass er im KI-Rennen mit OpenAI, Google und Anthropic mithalten kann. Im Zentrum steht ein komplett neu gebautes Siri. Denn was bisher geliefert wurde, ist nicht das, was User erwarten; Apple zahlte sogar 250 Millionen Dollar in einem Vergleich wegen nicht erfüllter Siri-Versprechen.

Zwei Jahre nach den großen Versprechen rund um ein „kontextbewusstes“ Siri, das nie ausgeliefert wurde, gilt die diesjährige Entwicklerkonferenz deswegen als Apples KI-Befreiungsschlag. Laut übereinstimmenden Berichten wird die Keynote weniger ein Hardware-Event als ein Software-Neustart – mit Siri als Hauptdarsteller. Die wichtigsten erwarteten Ankündigungen im Detail.

1. Das neue Siri läuft mit Google Gemini

Der wohl folgenreichste Deal: Apple lizenziert für den Siri-Umbau ein maßgeschneidertes Gemini-Modell von Google. Bloomberg-Reporter Mark Gurman berichtet, dass Apple dafür rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr zahlt – für ein angepasstes Modell mit etwa 1,2 Billionen Parametern, das die Cloud-Funktionen von Siri antreibt. Die Partnerschaft war bereits im Januar 2026 angekündigt worden. Wichtig dabei: Die Gemini-Anfragen sollen über Apples eigene Private Cloud Compute-Infrastruktur laufen, sodass Google keinen Zugriff auf Nutzerdaten erhält.

2. Siri wird zur eigenständigen App

Erstmals soll Siri eine echte App-„Hülle“ bekommen – ähnlich wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Gurman veröffentlichte vorab Renderings, die eine eigenständige Siri-App auf iPhone, iPad und Mac zeigen: dunkles Interface, Texteingabefeld, Mikrofon-Umschalter für den Sprachmodus und ein Büroklammer-Symbol zum Anhängen von Bildern und Dateien. Gespräche werden als Verlauf gespeichert (auf Wunsch mit Ablaufdatum) und über iCloud synchronisiert. Dazu kommt eine neue systemweite „Search or Ask“-Geste, die per Wischen von oben eine KI-Suchleiste aus der Dynamic Island heraus öffnet.

3. „Extensions“: Nutzer können das KI-Modell selbst wählen

Apple öffnet Siri für Drittanbieter-Modelle. Über eine Funktion namens Extensions sollen sich neben dem bisherigen ChatGPT künftig auch Google Gemini und Anthropics Claude einbinden lassen – Nutzer können dann auswählen, welches Modell ihre Anfragen beantwortet. Bemerkenswert: Claude und ChatGPT waren bei der Modellauswahl für die tiefere Siri-Integration unterlegen, kommen über Extensions aber „durch die Hintertür“ zurück ins System.

4. Siri als systemweiter Agent

Das neue Siri soll deutlich mehr können als Timer stellen. Laut Gurman wird es persönliche Daten – E-Mails, Kalender, Kontakte, Notizen, Fotos – heranziehen, den Bildschirminhalt „verstehen“ (On-Screen Awareness) und mehrstufige Aufgaben über mehrere Apps hinweg ausführen. Beispiel: eine E-Mail auf Basis vergangener Nachrichten verfassen oder Informationen aus dem Web und eigenen Dokumenten zusammenführen. Die neue Funktion „Ask Siri“ soll den Assistenten zum systemweiten KI-Agenten machen.

5. KI-Agenten im App Store

Strukturell vielleicht noch bedeutender als Siri: Laut „The Information“ arbeitet Apple an einem Regelwerk, das KI-Agenten-Apps im App Store erlaubt – also Software, die Aufgaben eigenständig erledigt, etwa Reservierungen vornehmen, To-dos verwalten, Dokumente bearbeiten oder Smart-Home-Geräte steuern. Hintergrund: Apple hatte „Vibe-Coding“-Apps im März wegen Verstößen gegen die Store-Richtlinien blockiert und sucht nun einen Mittelweg, der Sicherheit und Datenschutz wahrt.

6. Kamera und Fotos bekommen KI-Upgrades

Erwartet wird auch ein neuer Visual-Intelligence-Modus direkt in der Kamera-App – als eigener Modus neben Foto, Video und Panorama. Damit lässt sich ein Objekt anvisieren, um per Siri zu fragen, was es ist oder wer es reparieren könnte; die bisherige Visual-Intelligence-Funktion über den Camera-Control-Button wird ersetzt. In der Fotos-App sollen neue KI-Werkzeuge wie „Reframe“ und „Extend“ hinzukommen. Berichtet wird außerdem über realistischere Bildgenerierung in Image Playground, neue Genmoji-Designs und KI-generierte Hintergrundbilder.

7. Natürliche Sprache für Kurzbefehle

Eine eher leise, aber praktische Neuerung: In iOS 27 sollen sich Shortcuts angeblich in einfachem Klartext beschreiben lassen, statt sie mühsam aus Bausteinen zusammenzuklicken. Das könnte eine der unterschätztesten Produktivitätsfunktionen des iPhones einem breiteren Publikum zugänglich machen.

8. Kaum neue Hardware – und Tim Cooks letzte Keynote

Neue Geräte gelten als unwahrscheinlich. Der gerüchteweise erwartete HomePad (ein HomePod mit Display) sei zwar fertig, werde aber zurückgehalten, weil er stark vom neuen Siri abhängt. Auch ein Mac mini M5 oder ein iPhone Fold dürften nicht auf der Bühne stehen. Es wird jedenfalls Tim Cooks letzte große Keynote als CEO sein – er wird zum 1. September abtreten, Hardware-Chef John Ternus soll übernehmen.

Breiter Rollout für Herbst erwartet

Apple geht mit dem Rücken zur Wand in diese WWDC: Erst im Mai einigte sich der Konzern auf einen 250-Millionen-Dollar-Vergleich mit iPhone-Käufern, die sich durch die nie ausgelieferten Siri-Versprechen aus der iPhone-16-Werbung getäuscht sahen. Die zentrale Frage heute Abend lautet daher nicht, ob Apple ein neues Siri zeigt, sondern ob es diesmal wirklich ausgeliefert wird – und wie viel Apple von der eigenen KI-Erzählung an Google abgibt. Die öffentliche Beta wird für Juli erwartet, der breite Rollout mit iOS 27 für den Herbst.

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