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Revolut erhält französische Vollbanklizenz, will damit die größten EU-Märkte bedienen

Revolut in Paris. © Revolut
Revolut in Paris. © Revolut

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Revolut hat die lang angestrebte französische Banklizenz erhalten. Nach einer gemeinsamen Prüfung durch die französische Aufsichtsbehörde ACPR (Autorité de Contrôle Prudentiel et de Résolution) und die Europäische Zentralbank wurde die Vollbanklizenz für die Revolut Bank S.A. (RBSA) formell vom EZB-Rat verabschiedet, wie das Unternehmen am Montag in Paris mitteilte. Damit verfügt der britische Neobank-Konzern erstmals über eine zweite eigenständige Banklizenz innerhalb der Eurozone.

Für Revolut ist das ein regulatorischer Schritt mit strategischem Gewicht. Bislang bediente das Unternehmen seine EU-Kundschaft über das sogenannte Passporting seiner litauischen Banklizenz – ein Modell, das zwar grenzüberschreitend funktioniert, aber lokale Produkte wie länderspezifische Spar- und Kreditangebote erschwert. Westeuropa-CEO Béatrice Cossa-Dumurgier hatte im Frühjahr gegenüber Reuters argumentiert, dass eine lokale Lizenz nötig sei, um Revolut zur Hauptbankverbindung der Kundschaft zu machen.

„Die Gründung unserer zweiten europäischen Bank in Frankreich ist eine direkte Antwort auf unser starkes Wachstum in Westeuropa in den vergangenen Jahren. Damit rücken wir noch näher an unsere Kunden in der Region heran. Schon heute können unsere Kunden Tagesgeldkonten und Privatkredite über Revolut nutzen, und wir werden dieses Angebot kontinuierlich in ganz Europa und weltweit weiter ausbauen. In Litauen testen wir aktuell beispielsweise Immobilienkredite und planen, dieses Angebot künftig auch in weiteren Ländern verfügbar zu machen“, heißt es seitens einem Revolut-Sprecher gegenüber Trending Topics.

30 Millionen Kund:innen in Westeuropa

Rund 30 Millionen der weltweit mehr als 75 Millionen Revolut-Nutzer:innen entfallen laut Unternehmensangaben auf Westeuropa – knapp acht Millionen davon kamen allein im vergangenen Jahr hinzu. Diese Basis soll perspektivisch über die neue französische Einheit betreut werden.

Der Umstieg erfolgt allerdings nicht auf einen Schlag. Die Revolut Bank S.A. werde „schrittweise“ starten, heißt es in der Aussendung, zunächst mit Kund:innen in Frankreich. Weitere Märkte sollen in späteren Expansionsschritten folgen; genannt werden Deutschland, Irland, Italien, Portugal und Spanien. Einen Zeitplan für die einzelnen Länder nennt Revolut nicht.

Die litauische Revolut Bank UAB bleibt bestehen und soll weiterhin das Geschäft im restlichen Europäischen Wirtschaftsraum tragen, sich also vor allem weiterhin um die Kunden in Zentral- und Osteuropa kümmern. Österreich zählt nicht zu den fünf Märkten, die Revolut für den Wechsel nach Paris nennt – heimische Kund:innen bleiben damit vorerst bei der litauischen Einheit, die von der Bank of Lithuania und der EZB beaufsichtigt wird. Revolut spricht von einem „Dual-Hub-Modell“; beide Banken unterstehen jeweils ihrer nationalen Aufsicht sowie der EZB.

Eine Milliarde Euro für Westeuropa

Die Lizenz ist Teil eines größeren Investitionsprogramms. Revolut hat zugesagt, mehr als eine Milliarde Euro in die Region zu investieren, stellt nach eigenen Angaben über 600 Mitarbeiter:innen in Westeuropa ein und will 2027 eine neue Westeuropa-Zentrale in Paris eröffnen, für die bereits ein Zehnjahres-Mietvertrag im Börsenviertel unterzeichnet wurde. An der Spitze der französischen Struktur stehen Cossa-Dumurgier als Westeuropa-CEO und Frédéric Oudéa, früherer Société-Générale-Chef, als Aufsichtsratsvorsitzender der Revolut Bank S.A.

Gründer und CEO Nik Storonsky bezeichnet Frankreich in der Aussendung als „ideale Umgebung“ für die nächste Wachstumsphase. Oudéa verweist auf den Dialog mit den französischen und europäischen Behörden, Cossa-Dumurgier auf monatelange Zusammenarbeit mit ACPR und EZB.

Offene Baustelle USA

Die Aussendung spricht von Banklizenzen „auf beiden Seiten des Atlantiks“. In den USA ist der Prozess allerdings noch nicht abgeschlossen: Revolut hat im März 2026 bei der Aufsichtsbehörde OCC und der Einlagensicherung FDIC eine Charter für eine „Revolut Bank US, N.A.“ beantragt – ein Verfahren, das üblicherweise zwölf bis 18 Monate dauert. Bislang läuft das US-Geschäft über die Partnerbank Lead Bank. Eine Regulierung in Kernmärkten wie Frankreich, Deutschland oder Großbritannien gilt Storonsky zufolge als hilfreich für den US-Antrag.

Revolut ist derzeit in 40 Märkten aktiv und wurde zuletzt bei Secondaries mit 115 Milliarden US-Dollar bewertet. Das erklärte Ziel: 100 Millionen Kund:innen weltweit bis Mitte 2027. Ein Börsengang wird von Beobachter:innen für Ende 2026 oder 2027 erwartet.

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