Atmos Space Cargo: SpaceTech sammelt 25,7 Mio. Euro für Europas orbitalen Rücktransport
Das deutsche Raumfahrt-Startup Atmos Space Cargo hat eine Series-A-Finanzierung über 25,7 Millionen Euro abgeschlossen. Das in Lichtenau ansässige Unternehmen entwickelt wiederverwendbare Raumfahrzeige für Transprot und Rücktransport aus dem All. Das frische Kapital fließt in die dreiteilige Raumkapsel-Flotte.
Die Finanzierungsrunde wird von Balnord und Expansion co-geleitet, Keen Defence and Security steigt neu ein. Der European Innovation Council (EIC) beteiligt sich über sein Accelerator-Programm. Weitere Investoren sind Mätch VC, APEX Ventures, OTB Ventures, HTGF, Seraphim, Faber, E2MC, Kirch Ventures, Lennertz & Co., MBG Baden-Württemberg und Tech Horizons.
Raumfahrzeuge für Transport und Rücktransport aus dem All gewinnen an Bedeutung, denn das Weltall wird als Ort für Forschung und Produktion genutzt. In der Schwerelosigkeit lassen sich Experimente durchführen, die auf der Erde nicht möglich sind – etwa in der Material- oder Medikamentenentwicklung. Damit diese Ergebnisse genutzt werden können, müssen sie wieder sicher zur Erde zurückgebracht werden. Rückkehrsysteme schaffen so eine Art Logistik zwischen Erde und Orbit, bei der etwas ins All gebracht, dort verarbeitet und anschließend wieder geholt wird.
Atmos startet in den operativen Einsatz
Nach dem erfolgreichen Demonstrationsflug von Phoenix 1 im April 2025 geht Atmos nun vom Testbetrieb in den regulären Einsatz über. Die drei geplanten Phoenix-2-Raumfahrzeuge sollen dabei im Rahmen einer gestaffelten Missionskampagne sowohl für institutionelle als auch für kommerzielle Kunden eingesetzt werden.
Phoenix 2 ist ein eigenständig fliegendes Raumfahrzeug mit eigenem Antriebs- und Energiesystem. Es kann Missionen von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Monaten in der erdnahen Umlaufbahn durchführen. Am Ende der Mission steuert es selbstständig den Wiedereintritt in die Atmosphäre.
Dabei kommt ein besonderes technisches System zum Einsatz: ein aufblasbarer Hitzeschild, der das Fahrzeug beim Eintritt in die Atmosphäre schützt und gleichzeitig als Bremse wirkt. Dieses Design reduziert Materialverschleiß und soll den Transport aus dem All effizienter und umweltfreundlicher machen. Die Landung bzw. Bergung der Fahrzeuge ist nahe Santa Maria auf den Azoren geplant. Grundlage dafür ist eine portugiesische Lizenz, die kommerzielle Rückkehrmissionen aus dem Orbit innerhalb der EU erlaubt.
Atmos Works für Regierungskunden
Mit „Atmos Works“ baut das Startup einen Geschäftsbereich für europäische Regierungs- und Verteidigungskunden auf. Dieser soll unter anderem sichere Rückführungen von sensibler Ausrüstung sowie Tests und Validierungen von Technologien im All ermöglichen.
Sebastian Klaus, CEO und Co-Founder von Atmos Space Cargo, erklärt: „Diese Finanzierung ermöglicht uns den Übergang zu einem regulären operativen Dienst. Eine strukturierte Kampagne mit drei Fahrzeugen etabliert Europas erste routinemäßige orbitale Rückkehrinfrastruktur.“
Parallel arbeitet das Unternehmen an Phoenix 3, einer neuen Generation von Raumfahrzeugen, die mit rund einer Tonne Nutzlast etwa zehnmal so viel transportieren soll wie sein Vorgänger.
Strategische Autonomie für Europa
Die Investoren betonen die strategische Bedeutung souveräner Rückkehrfähigkeiten für Europa. Aleksander Dobrzyniecki, General Partner bei Balnord, sagt: „Atmos baut genau die Art von Dual-Use-Fähigkeit auf, die Europa mehr braucht: souveränen Zugang nicht nur zum Orbit, sondern auch zurück vom Orbit.“ Ted Elvhage, Founding Partner bei Expansion Ventures, ergänzt: „Atmos baut eine Fähigkeit auf, die Europa dringend fehlt: eine souveräne, wiederholbare Möglichkeit, Nutzlasten aus dem Orbit zurückzubringen.“
Svetoslava Georgieva, Chair of the EIC Fund Board, unterstreicht die politische Dimension: „Europas strategische Autonomie im Weltraum hängt von souveränem, End-to-End-Zugang zum Orbit ab, einschließlich der Rückführfähigkeit.“ Atmos strebt einen einen operativen Rhythmus an, um Programmrisiken zu reduzieren und bietet Forschungsinstituten, Industriekunden und Regierungsnutzern einen klaren Pfad für Missionen. Atmos will somit orbitale Rückkehr von einer einmaligen Demonstration in einen wiederholbaren europäischen Service verwandeln.

