Bitcoin knackt die 80.000 Dollar: Short Squeeze trifft auf frisches ETF-Geld
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Der Kryptomarkt hat in den vergangenen Tagen eine Rally hingelegt, mit der kaum jemand gerechnet hatte. Bitcoin hat erstmals seit dem Frühjahr wieder die Marke von 80.000 US-Dollar überschritten und notiert aktuell bei rund 79.300 Dollar. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von etwa 24 Prozent zu Buche. Noch zu Beginn der Vorwoche lag der Kurs im Bereich von 64.000 Dollar.
Die Bewegung beschränkt sich längst nicht mehr auf die größte Kryptowährung. Ethereum liegt bei rund 2.480 Dollar und damit knapp 31 Prozent über dem Niveau der Vorwoche. XRP hat mit einem Plus von 49 Prozent noch kräftiger zugelegt, Solana kommt auf 31 Prozent, Hyperliquid auf 35 Prozent. Der stärkste Wert im oberen Marktsegment ist Zcash mit einem Zuwachs von knapp 67 Prozent auf rund 840 Dollar.
Die wichtigsten Werte im Überblick
| Coin | Preis | 24 Stunden | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 79.345 $ | +2,00 % | +23,71 % |
| Ethereum (ETH) | 2.481 $ | +0,56 % | +30,88 % |
| BNB (BNB) | 699,72 $ | −0,04 % | +16,48 % |
| XRP (XRP) | 1,48 $ | +0,11 % | +49,16 % |
| Solana (SOL) | 99,65 $ | +5,09 % | +31,47 % |
| TRON (TRX) | 0,3426 $ | −0,26 % | +3,02 % |
| Hyperliquid (HYPE) | 81,03 $ | +2,91 % | +35,49 % |
| Dogecoin (DOGE) | 0,09063 $ | −0,57 % | +29,72 % |
| Zcash (ZEC) | 841,69 $ | −0,05 % | +66,66 % |
| Chainlink (LINK) | 11,57 $ | +0,03 % | +22,10 % |
| UNUS SED LEO (LEO) | 9,37 $ | +0,40 % | −0,90 % |
Der Auslöser kam aus Washington
Den Anstoß gab das US-Finanzministerium. Finanzminister Scott Bessent kündigte in der Vorwoche an, die Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen auszuweiten und das Volumen entsprechender Operationen auf mindestens vier Milliarden Dollar zu verdoppeln. Angedeutet wurde zudem, dass noch größere Käufe möglich seien.
An den Märkten wurde das als Hinweis darauf gelesen, dass Washington die Konsolidierung des Haushalts weiter aufschiebt und stattdessen an den Symptomen ansetzt. Die Renditen am langen Ende der US-Zinskurve gaben nach, der Dollar rutschte auf ein Mehrmonatstief. Anlegerinnen und Anleger wichen daraufhin auf alternative Werte aus, wovon neben Gold eben auch der Kryptomarkt profitierte. Rückenwind lieferte außerdem die Politik: US-Präsident Donald Trump forderte den Senat auf, das Krypto-Regulierungsgesetz Clarity Act endlich zu beschließen, und die Börsenaufsicht SEC legte kurz zuvor ihren Vorschlag für eine eigene „Regulation Crypto Assets“ vor.
Was ein Short Squeeze ist und warum er hier zählt
Das Tempo der Aufwärtsbewegung erklärt sich allerdings vor allem über die Mechanik des Derivatemarkts. Nach den schwachen Monaten davor hatten viele Händlerinnen und Händler auf weiter fallende Kurse gesetzt, also Short-Positionen aufgebaut. Wer short geht, verkauft geliehene Coins in der Erwartung, sie später billiger zurückkaufen zu können. Steigt der Kurs stattdessen, wächst der Verlust theoretisch unbegrenzt, und die Börse schließt die Position ab einem bestimmten Punkt automatisch.
Genau dieser Zwangsverkauf bedeutet für Short-Positionen einen Kauf. Je mehr Positionen liquidiert werden, desto stärker steigt die Nachfrage, was wiederum den Kurs treibt und die nächste Welle an Liquidierungen auslöst. Dieser sich selbst verstärkende Effekt heißt Short Squeeze.
Wie kräftig er diesmal ausfiel, zeigen die Zahlen: Insgesamt wurden im Verlauf der Rally Short-Positionen im Wert von mehr als 4,3 Milliarden Dollar zwangsliquidiert. An einem einzigen Tag summierten sich die Verluste der Bären auf rekordverdächtige 2,7 Milliarden Dollar, in einer einzelnen Stunde waren es rund 243 Millionen. Ein erheblicher Teil des Kurssprungs geht damit auf erzwungene Käufe zurück und nicht auf freiwillige Nachfrage. Das ist der Grund, warum viele Marktbeobachterinnen und Marktbeobachter der Bewegung mit Skepsis begegnen: Ist die Positionierung einmal bereinigt, fällt dieser Treiber weg.
Wall Street kauft wieder mit
Die zweite Hälfte der Geschichte spricht für mehr Substanz. Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin verzeichneten zuletzt sieben Handelstage in Folge Nettozuflüsse, in Summe mehr als 2,5 Milliarden Dollar binnen einer Woche. Das ist der stärkste Wochenwert seit rund zehn Monaten. Das in diesen Produkten verwaltete Vermögen kletterte im selben Zeitraum von etwa 78,7 auf 98,6 Milliarden Dollar.
Auch die übrigen Krypto-ETFs ziehen wieder Geld an. Zuletzt flossen an einem Tag rund 337 Millionen Dollar in Bitcoin-Produkte, gut 115 Millionen in Ethereum-Fonds, dazu rund 33 Millionen in Solana- und knapp 14 Millionen in XRP-Vehikel. Anders als Liquidierungen am Terminmarkt spiegeln solche Zuflüsse tatsächliche Spot-Nachfrage wider, und sie kommen überwiegend von institutionellen Adressen. Geoff Kendrick von Standard Chartered hält seine Jahresendprognose von 100.000 Dollar deshalb inzwischen für zu vorsichtig.
Die Stimmung ist so gut wie seit Jahren nicht
Wie schnell die Marktpsychologie gedreht hat, lässt sich am Crypto Fear and Greed Index ablesen. Der Indikator, der Kursentwicklung, Volatilität, Derivatedaten, Stablecoin-Anteile und Suchvolumina zu einem Wert zwischen 0 und 100 verdichtet, steht mittlerweile bei 81 Punkten und damit im Bereich „Extreme Greed“. So hoch lag er zuletzt im Dezember 2024. Wenige Tage zuvor bewegte er sich noch im neutralen Bereich.
Historisch ist das ein zweischneidiges Signal. Extreme Gier fällt häufig mit lokalen Hochs zusammen, weil in solchen Phasen viele Marktteilnehmende Gewinne mitnehmen. Als alleiniger Indikator taugt der Index ohnehin wenig.

Was jetzt zählt
Bitcoin hat mit dem Sprung über 80.000 Dollar auch die 200-Tage-Linie zurückerobert, die für viele als Orientierung für die längerfristige Trendrichtung dient. Entscheidend wird nun, ob sich der Kurs oberhalb dieser Marke halten kann, sobald die erzwungenen Käufe am Terminmarkt abgearbeitet sind. Halten die ETF-Zuflüsse an, könnte aus der Erholung eine breiter getragene Aufwärtsbewegung werden. Versiegen sie, bleibt vom Kurssprung womöglich vor allem eine kurze, technisch getriebene Episode.

