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Großbritannien bekommt Schlachtfeld-Daten der Ukraine für KI-Training

War in Ukraine. © Ministry of Defense of Ukraine (CC BY-SA 2.0)
War in Ukraine. © Ministry of Defense of Ukraine (CC BY-SA 2.0)

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Großbritannien und die Ukraine haben soeben in Kyjiw eine gemeinsame Absichtserklärung zu einer Partnerschaft bei militärischer Künstlicher Intelligenz unterzeichnet. Kern des Abkommens: Britische Forschungseinrichtungen und Tech-Unternehmen erhalten Zugang zur ukrainischen Datenplattform Avengers Labs, in der Aufnahmen aus dem realen Kriegsgeschehen gesammelt und aufbereitet werden. Großbritannien wäre damit das erste Land außerhalb der Ukraine, das diese Daten nutzen darf.

Unterzeichnet wurde die „Joint Declaration of Intent on a UK-Ukraine Artificial Intelligence Partnership“ vom britischen Premierminister Andy Burnham und dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyy. Für Burnham war es die erste Auslandsreise im Amt, sie fiel auf den 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit. Das Dokument hält ausdrücklich fest, dass es politische Absicht abbildet und keine rechtlich bindenden Verpflichtungen schafft.

Millionen Beobachtungen aus dem Feld

Die Datenbasis stammt aus dem, was das ukrainische Verteidigungsministerium als „Universal Military Dataset“ bezeichnet. Sie speist sich aus Millionen Beobachtungen von tausenden Kameras und Sensoren, die entlang der Front im Einsatz sind, überwiegend Drohnenvideos und Aufnahmen akustischer Sensoren. Das Material ist manuell gelabelt und dient dazu, Machine-Learning-Modelle darauf zu trainieren, Ziele wie Panzer, Drohnen oder Artilleriegeschütze zu erkennen und zu klassifizieren.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums verarbeitet Avengers Labs inzwischen mehr als 100.000 Drohnen-Videostreams pro Monat und erkennt rund 70 Prozent der im Bildmaterial auftauchenden gegnerischen Ziele. Frühere Versionen des Systems sollen wöchentlich etwa 12.000 gegnerische Geräte identifiziert haben.

Bislang war der Datensatz nur heimischen Unternehmen zugänglich, was ukrainischen Drohnenherstellern einen Vorsprung gegenüber ausländischen Mitbewerbern verschaffte: Deren Computer-Vision-Modelle werden häufig mit synthetischen Daten trainiert und schneiden unter Gefechtsbedingungen schlechter ab. „Hochwertige, gelabelte Schlachtfelddaten sind eine der größten Beschränkungen bei der Entwicklung verlässlicher KI für autonome Systeme“, sagte Misha Nestor, Chief Product Officer des ukrainischen Drohnensoftware-Unternehmens Swarmer, gegenüber der Financial Times. Die Ukraine habe etwas angesammelt, das anderswo nur schwer zu replizieren sei.

Besonderes Interesse hat das britische Militär dem Bericht zufolge an den Daten akustischer Sensoren, die anfliegende russische Drohnen orten. Entsprechend trainiert können solche Systeme genauer arbeiten als Radar und ließen sich zum Schutz militärischer Anlagen und kritischer Infrastruktur einsetzen.

Drei Säulen, Pilotprojekte zuerst

Die Absichtserklärung sieht drei Kooperationsstränge vor: Zusammenarbeit zwischen den Regierungen bei gemeinsam entwickelten Modellen sowie bei sicheren Daten- und Rechenwegen, industrielle Kooperation entlang vereinbarter operativer Problemstellungen, sowie Forschung an Hochschulen zu Autonomie, KI-Absicherung, Cybersicherheit und synthetischen Daten. Beide Seiten wollen zunächst mit Pilotprojekten starten, weitere Vereinbarungen sind für die kommenden Monate angekündigt. Souveränität über die eigenen Daten, Schutz geistigen Eigentums, Exportkontrollen und NATO-Interoperabilität werden als Leitplanken genannt. Ergebnisse sollen in gegenseitigem Einvernehmen auch an weitere Verbündete weitergegeben werden können.

Dass die Ukraine ihre Daten für internationale Partner öffnen will, hatte Kyjiw bereits im Frühjahr angekündigt. Der damalige Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov, den Zelenskyy vor wenigen Wochen entließ, hatte in Aussicht gestellt, Partnerländer könnten ihre KI-Modelle „mit realen Daten aus der modernen Kriegsführung“ trainieren. Im Gegenzug erwarte die Ukraine schnellere Fortschritte bei autonomen Systemen für die Front.

Moskau reagiert verärgert

Die Vereinbarung folgt auf Burnhams Ankündigung, dem europäischen Raketen-Joint-Venture MBDA die Freigabe geheimer Informationen zu britischen Komponenten zu erlauben, um Fertigungslinien in der Ukraine aufzubauen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete diesen Schritt als „äußerst negativ“ aufgenommen. Moskau hatte kürzlich unbestimmte „Konsequenzen“ für Großbritannien angedroht. Burnham wiederum sagte, man werde die Unterstützung für die Ukraine trotz der Drohungen fortsetzen, und wies die Sorge zurück, sein Land werde in den Konflikt hineingezogen: Es handle sich um Kontinuität.

Der Deal reiht sich in eine breitere Entwicklung ein, in der europäische DefenseTech-Unternehmen und Streitkräfte auf KI-gestützte Zielerkennung und zunehmend autonome Systeme setzen. Berichte über autonome Drohnen, die im Ukraine-Krieg ohne menschlichen Eingriff Ziele bekämpft haben, haben die Debatte über Kontrolle und Verantwortung solcher Systeme zuletzt verschärft. Der Krieg hat Europas MilitaryTech- und DefenseTech-Startups stark wachsen lassen, und die Investments in den Sektor sind seither deutlich gestiegen.

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