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Bitget: Krypto-Börse lockt mit Pre-IPO-Investment in SpaceX, Token kommt mit Fallen

Starship und Booster © SpaceX
Starship und Booster © SpaceX

Die Krypto-Börse Bitget startet mit „IPO Prime“ ein neues Produkt, das Privatanlegern Zugang zu Unternehmen verschaffen soll, die noch gar nicht an der Börse sind. Den Anfang macht ausgerechnet eines der begehrtesten Private-Market-Ziele weltweit: SpaceX. Über einen tokenisierten Vermögenswert namens preSPAX sollen Nutzerinnen und Nutzer wirtschaftlich an einem möglichen künftigen Börsengang des Raumfahrtunternehmens von Elon Musk partizipieren können.

Bitget hat sich für seine EU-Ambitionen in Wien angesiedelt und will von der österreichischen Hauptstadt aus die MiCA-Lizenz für die EU holen. Bedeutet: Die Krypto-Börse ist für europäische Nutzer noch nicht regulär verfügbar.

Wie das Produkt funktioniert

IPO Prime arbeitet mit einem Subscription-Modell: Berechtigte Nutzer können sich für Allokationen in tokenisierten Angeboten bewerben, wobei die maximale Zuteilung vom jeweiligen VIP-Tier auf der Plattform abhängt. Nach Ablauf der Zeichnungsphase werden die Token in einen von Bitget betriebenen Over-the-Counter-Markt überführt, auf dem sie laufend gehandelt werden können. Am 21. April soll der offizielle Launch des preSPAX-Tokens stattfinden.

Technischer Partner im Hintergrund ist Republic, eine in den USA ansässige Plattform für Private-Market-Investments. Bitget selbst bezeichnet sich nach eigenen Angaben als „Universal Exchange“ mit über 125 Millionen Nutzern und einem Angebot, das längst über klassische Krypto-Token hinausgeht und unter anderem tokenisierte Aktien, ETFs und Rohstoffe umfasst.

Bitget-CEO Gracy Chen rahmt den Launch als demokratisierenden Schritt: Pre-IPO-Investments seien bisher institutionellen Anlegern und privaten Kapitalnetzwerken vorbehalten gewesen, IPO Prime solle diesen Zugang öffnen.

Was Anlegerinnen und Anleger davon haben könnten

Aus Sicht von Privatanlegern liegt der offensichtliche Reiz im Zugang. SpaceX gilt als eines der wertvollsten nicht börsennotierten Unternehmen der Welt, eine direkte Beteiligung ist über klassische Wege praktisch unmöglich. Tokenisierte Konstrukte wie preSPAX versprechen, diese Hürde zu umgehen.

Hinzu kommt Liquidität: Echte Pre-IPO-Anteile sind in der Regel über lange Zeiträume gebunden. Der von Bitget aufgesetzte Sekundärmarkt soll dagegen einen kontinuierlichen Handel ermöglichen, was zumindest theoretisch flexibles Ein- und Aussteigen erlaubt. Auch die Einstiegshürden dürften – verglichen mit klassischen Private-Equity-Vehikeln – deutlich niedriger liegen.

Wo die Risiken liegen

Bei aller Marketingrhetorik vom „demokratisierten Zugang“ lohnt sich ein genauer Blick auf das, was preSPAX tatsächlich ist – und vor allem auf das, was es nicht ist.

Keine echte Beteiligung. Bitget stellt im Disclaimer selbst klar, dass das Produkt lediglich ein „mirrored economic interest“ am möglichen Aufwärtspotenzial von SpaceX im Falle eines qualifizierenden Ereignisses abbildet. Käufer erwerben weder Aktien noch Stimmrechte noch eine direkte Forderung gegen SpaceX. Was genau die wirtschaftliche Performance auslöst, hängt am Eintreten dieses Ereignisses – und an der Vertragskonstruktion zwischen Bitget, Republic und den dahinterliegenden Strukturen.

Kein Placet von SpaceX. Das Unternehmen selbst hat das Produkt nach Angaben von Bitget weder geprüft noch genehmigt oder autorisiert. Anleger verlassen sich also vollständig auf die Konstruktion der Anbieter, nicht auf eine offizielle Verbindung zu SpaceX.

Bewertungs- und Liquiditätsrisiko. Da kein offizieller Marktpreis für SpaceX-Anteile existiert, ist offen, wie sich der Kurs des Tokens bilden soll – und wie eng er tatsächlich an den fundamentalen Wert von SpaceX gekoppelt ist. OTC-Märkte bei Krypto-Börsen können dünn sein; in volatilen Phasen drohen weite Spreads oder zeitweise kaum handelbare Bestände.

Regulatorische Unsicherheit. Tokenisierte Pre-IPO-Produkte bewegen sich in einer Grauzone zwischen Wertpapierrecht, Krypto-Regulierung und Verbraucherschutz. Bitget weist selbst darauf hin, dass das Produkt nicht in jeder Jurisdiktion verfügbar oder geeignet ist. Für europäische Nutzer stellen sich zusätzliche Fragen rund um MiCA und nationale Aufsichtsregime.

Gegenparteirisiko. Wer preSPAX hält, ist letztlich auf den Fortbestand und die Integrität von Bitget sowie der dahinterliegenden Strukturen angewiesen. Fällt eine dieser Komponenten aus, ist unklar, was vom „mirrored economic interest“ praktisch übrig bleibt.

Totalverlustrisiko. Bitget formuliert es im Kleingedruckten selbst unmissverständlich: Anleger können ihren gesamten Einsatz verlieren, eine Renditegarantie gibt es nicht.

Einordnung

IPO Prime ist Teil eines breiteren Trends, bei dem Krypto-Börsen die Grenze zu klassischen Finanzprodukten zunehmend verwischen – von tokenisierten Aktien über Rohstoffe bis hin zu Pre-IPO-Konstrukten. Für Anbieter wie Bitget ist das ein logischer Schritt im Wettbewerb um Nutzer, Volumina und Differenzierung. Für Anlegerinnen und Anleger entsteht damit ein Zugang, den es so bisher nicht gab – verbunden allerdings mit einer Komplexitätsschicht, die in einem klassischen Aktiendepot schlicht nicht existiert.

Wer mit dem Gedanken spielt, einzusteigen, sollte preSPAX weniger als „SpaceX-Investment“ verstehen, sondern als synthetisches Derivat auf ein hypothetisches Ereignis, dessen Eintritt, Zeitpunkt und Bewertung offen sind. Das macht das Produkt nicht automatisch unattraktiv – aber es verschiebt die ehrliche Frage von „Will ich in SpaceX investieren?“ hin zu „Vertraue ich der konkreten Konstruktion, mit der hier eine wirtschaftliche Annäherung an SpaceX gebaut wird?“.

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