Erdbeben bei Google: Deepmind-CEO weg, Chefwissenschaftler gründet KI-Startup
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Bei Google DeepMind, einem der einflussreichsten KI-Labore der Welt, kommt es zu einem tiefgreifenden Führungswechsel. Wie die Financial Times berichtet, gibt Sir Demis Hassabis, Gründer und bisheriger CEO, sein operatives Amt ab und wird Chairman von DeepMind sowie Chief Scientist des Mutterkonzerns Alphabet. Die Nachfolge als operativer Leiter tritt demnach Koray Kavukcuoglu an, bislang Chief Technology Officer der Einheit, der künftig als Senior Vice President direkt an Google-CEO Sundar Pichai berichtet.
Wie Axios berichtet, verlässt parallel dazu Chef-Wissenschaftler Jeff Dean, ein 27-jähriges Google-Urgestein, das Unternehmen, um ein eigenes Start-up namens Discovery Loop zu gründen – eine unabhängige „Public Benefit Corporation“, an der sich Google als Investor und Cloud-Anbieter beteiligen wird. Mit ihm gehen laut demselben Bericht weitere prominente Köpfe: Google-Senior-Fellow Sanjay Ghemawat, DeepMind-Vizepräsident Oriol Vinyals sowie Quoc Le, Mitbegründer von Google Brain.
Die Ankündigung sorgte für Kursverluste: Die Google-Aktie fiel im Zuge der Meldung um rund 4 bis 5 Prozent , nachdem sie zuvor seit den jüngsten Quartalszahlen deutlich zugelegt hatte.
Einordnung: Konsolidierung statt Bruch
Wie die Financial Times einordnet, fügt sich die Personalie in eine Reihe von Umbauten bei Google ein, während der Konzern versucht, im Tempo der Konkurrenten OpenAI und Anthropic mitzuhalten – insbesondere im Bereich KI-gestützter Coding-Agenten, wo Google zuletzt hinterherhinkte. Dem Bericht zufolge hatte das Unternehmen in den vergangenen Monaten bereits sein Nobelpreis-prämiertes Forschungsteam umstrukturiert und Talente in die Gemini-Sparte verlagert; zudem sei ein internes „Code Strike“-Team aufgebaut worden, um bei KI-Programmierwerkzeugen aufzuholen. Mehrere hochrangige Forscher, darunter David Silver und John Jumper, hätten DeepMind laut Financial Times zuletzt bereits verlassen.
Einem mit der Angelegenheit vertrauten Insider zufolge, auf den sich die Financial Times beruft, sei Hassabis‘ Rückzug aus dem Tagesgeschäft keine kurzfristige Entscheidung gewesen, sondern solle ihm Raum geben, sich stärker mit den grundsätzlichen Fragen rund um Artificial General Intelligence (AGI) zu befassen – etwa mit der Mitgestaltung künftiger KI-Regulierung. DeepMind selbst werde dabei nicht rein kommerziell ausgerichtet, aber stärker in die Google-Gesamtorganisation integriert, heißt es weiter.
Die Statements
Laut den Berichten von Financial Times und Axios betonte Hassabis in einer Mitteilung an die Belegschaft, man befinde sich an einem entscheidenden Punkt der Menschheitsgeschichte und die Entwicklung von AGI rücke näher. Er wolle nun mehr Zeit und Raum haben, um das große Ganze mitzugestalten, anstatt sich auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren.
Auch Pichai und Kavukcuoglu äußerten sich laut Axios in internen Mitteilungen zuversichtlich. Pichai habe auf die Stärke des Unternehmens bei Talenten, Recheninfrastruktur und Produktreichweite verwiesen und dazu aufgerufen, das Tempo an der KI-Front zu erhöhen. Kavukcuoglu wiederum habe betont, die Mission von Google DeepMind – KI verantwortungsvoll zum Nutzen der Menschheit zu entwickeln – bleibe unverändert; sein Hauptfokus liege darauf, die Gemini-Roadmap konsequent voranzutreiben.
Wie Axios unter Berufung auf ein Interview mit der New York Times berichtet, begründete Jeff Dean seinen Schritt damit, dass er außerhalb eines börsennotierten Unternehmens mehr Freiheit habe, wissenschaftliche Fragestellungen zu verfolgen, auch wenn diese nicht zwingend im rein finanziellen Interesse eines Unternehmens lägen.
Kontext: Unruhe in der Belegschaft
Wie Axios berichtet, gab es bei Google DeepMind zuletzt Unmut in der Belegschaft, begleitet von mehreren prominenten Abgängen – unter anderem soll auch der Co-Lead von Gemini das Unternehmen bereits in Richtung Konkurrenz verlassen haben. Die Einführung von Gemini 3.5 Pro verzögere sich laut demselben Bericht unter anderem wegen gedrückter Stimmung im Team.
Laut Axios behält Hassabis neben seiner neuen Doppelfunktion als Chairman und Alphabet-Chef-Wissenschaftler auch die Leitung von Isomorphic Labs, der auf KI-gestützte Medikamentenforschung spezialisierten Ausgründung von DeepMind. Für seine Arbeit an AlphaFold, das die 3D-Struktur von Proteinen vorhersagt, hatte Hassabis demnach gemeinsam mit John Jumper 2024 den Nobelpreis für Chemie erhalten.
Wie die Financial Times berichtet, wertet der Buchautor Sebastian Mallaby, der eine Hassabis-Biografie verfasst hat, den Umbau weniger als abrupten Bruch denn als Formalisierung einer bereits gelebten Arbeitsteilung: Hassabis habe sich zuletzt ohnehin zunehmend als KI-Vordenker positioniert, während Kavukcuoglu de facto schon die operative Forschung geleitet habe.

