Zahlen

ChatGPT-Marktanteil fällt unter 50%, Google Gemini wächst auf 28%

Gemini greift nach ChatGPT. © Nano Banana 2 / Trending Topics
Gemini greift nach ChatGPT. © Nano Banana 2 / Trending Topics

Generative AI ist endgültig im Massenmarkt angekommen: Laut dem neuen Report „State of AI 2026″ des Analysehauses Sensor Tower soll sich die in AI-Apps verbrachte Zeit im laufenden Halbjahr verdoppeln. Während ChatGPT als schnellste App der Geschichte die Milliarden-Marke knackt, verliert OpenAI zugleich erstmals die absolute Mehrheit am Markt – Claude und Google Gemini holen auf.

Sensor Tower hat seinen über 80-seitigen Jahresbericht zur Lage der KI-Branche veröffentlicht. Die zentrale Kennzahl: Die global auf Generative-AI-Apps verbrachte Zeit soll im ersten Halbjahr 2026 von 17,2 Milliarden Stunden ein Jahr zuvor auf 36 Milliarden Stunden steigen – also mehr als eine Verdopplung. AI sei damit, so der Tenor des Reports, keine eigene Produktkategorie mehr, sondern werde zur durchgängigen Schicht über Assistenten, Handel und Werbung hinweg.

Trotz wachsender Konkurrenz bündelt eine Handvoll Anbieter den Großteil der Nutzung. ChatGPT, Google Gemini und DeepSeek vereinen in Q1 2026 zusammen knapp 90 Prozent der gesamten Verweildauer über alle AI-Assistenten-Apps. ChatGPT bleibt dabei das Maß der Dinge: Die App erreichte im Mai 2026 als schnellste Mobile-Anwendung aller Zeiten eine Milliarde monatlich aktive Nutzer – in nur drei Jahren und damit schneller als TikTok, YouTube oder Instagram.

ChatGPT unter 50 Prozent, Claude wächst am schnellsten

An den Rändern des Marktes verschieben sich die Kräfteverhältnisse jedoch spürbar. ChatGPTs „True Audience“-Anteil – Sensor Towers Messgröße für einzigartige Nutzer über App und Web – fiel im März 2026 erstmals unter 50 Prozent. Profiteure sind vor allem zwei Anbieter: Google Gemini baute seine Reichweite gestützt auf die Android-Integration besonders in Europa, den USA, Japan und Südkorea aus, während Claude die größten Zuwachsraten verzeichnet. Die True Audience von Anthropics Modell legte im Mai um 452 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, der US-Marktanteil kletterte im selben Zeitraum von 4,4 auf knapp 14 Prozent.

Einen Auslöser sieht der Report in einem konkreten Ereignis im März: Nach OpenAIs Vereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium stiegen die ChatGPT-Deinstallationen in den USA in der Woche vom 9. bis 15. März auf rund 200 Prozent über dem Durchschnitt. Viele dieser Nutzer wechselten offenbar zu Claude, das Anfang März zeitweise mehr tägliche Downloads als ChatGPT verzeichnete, nachdem Anthropic eine entsprechende Partnerschaft mit dem Pentagon abgelehnt hatte.

Rekordumsätze durch Premium-Abos

Parallel zur Nutzung steigen die Einnahmen. Die globalen In-App-Käufe aus AI-Apps sollen in H1 2026 die Marke von vier Milliarden US-Dollar überschreiten – ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025. Den Trend zu zahlungsstarken Abos illustriert Sensor Tower am Beispiel Claude: Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer auf Mobile in den USA stieg von unter 0,50 US-Dollar im September 2025 auf 2,76 US-Dollar im Mai 2026. Bei der Nutzungsintensität liegt ChatGPT mit rund 215 Minuten pro Nutzer und Monat vorn, gefolgt von Claude mit 120 und Gemini mit 100 Minuten.

AI verändert das Einkaufsverhalten

Ein eigenes Kapitel widmet der Report dem Handel. Empfehlungen von AI-Assistenten an Shopping-Websites nahmen zwischen Q4 2024 und Q1 2026 über alle großen Retail-Kategorien zu, am stärksten bei Elektronik. Sichtbar wird der kommerzielle Effekt bei agentischen Systemen: Amazon-Kunden, die den Assistenten Rufus nutzen, konvertieren mit fast doppelt so hoher Rate wie Nicht-Nutzer. Bei integrierten Händlern wie Walmart und Target stieg der GenAI-Referral-Anteil über 1,5 Prozent, während Amazon wegen eingeschränktem Crawler-Zugang niedriger liegt.

AI wird selbst zum Werbekanal

Schließlich etabliert sich AI als neue Werbefläche neben Search und Social. ChatGPT startete Anfang 2026 erste Werbetests; bis Mai stiegen die Ad-Impressions gegenüber März um mehr als das Siebenfache. Frühe Werbetreibende stammen vor allem aus Shopping, Software, Travel und Financial Services. Zugleich werden die AI-Anbieter selbst zu Großwerbetreibenden: Die GenAI-bezogenen Werbeausgaben verdreifachten sich in den USA in Q1 2026, angeführt von OpenAI (+800 Prozent) und Anthropic (+1.184 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Insgesamt erreichte AI-bezogene Werbung laut Report 1,3 Milliarden US-Dollar Ausgaben und 167 Milliarden Impressions in Q1 2026.

Sein Fazit zieht Sensor Tower nüchtern: 2026 sei das Jahr, in dem AI vom frühen Adoptionsstadium in die strukturelle Integration der digitalen Wirtschaft übergehe.

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