USA

CLARITY Act: Zinserträge auf Stablecoins als Kernfrage – Krypto-Aktien fallen

Stablecoin on Fire. © Grok / Trending Topics
Stablecoin on Fire. © Grok / Trending Topics

Ein neuer Gesetzesentwurf aus Washington hat die Finanzmärkte aufgewühlt und eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft von Stablecoins ausgelöst. Der sogenannte CLARITY Act, vorangetrieben von den US-Senatoren Alsobrooks und Tillis, sieht vor, dass Plattformen keine Zinserträge auf passive Stablecoin-Guthaben anbieten dürfen. Die Reaktion an den Märkten ließ nicht lange auf sich warten.

Was der CLARITY Act vorsieht

Der Entwurf richtet sich gegen Produkte, die wirtschaftlich oder funktional Zinszahlungen gleichkommen. Konkret würde das Gesetz Plattformen untersagen, Renditen auf passive Stablecoin-Bestände auszuschütten oder Produkte anzubieten, die als wirtschaftlich gleichwertig mit Zinszahlungen eingestuft werden. Derzeit bietet Coinbase beispielsweise eine Rendite von 3,5 Prozent auf USDC-Guthaben an, während Wettbewerber wie Kraken und Binance sogar zwischen 5 und 5,63 Prozent ausschütten.

Der Entwurf lässt allerdings Spielraum für sogenannte aktivitätsbasierte Belohnungen, die an konkretes Nutzerverhalten wie Handelsaktivitäten oder Zahlungsvorgänge geknüpft sind. Ob und in welcher Form solche Ausnahmen in den finalen Gesetzestext einfließen, ist noch offen. Der Text wurde zunächst am Montag, dem 23. März, Krypto-Branchenvertretern im Kapitol vorgestellt und am darauffolgenden Dienstag an Bankenverbände weitergegeben.

 

Avtar Sehra, Mitbegründer und CEO von STBL, vertritt folgende Sichtweise auf die jüngsten Entwicklungen:

„Bei der Debatte um die Rendite von Stablecoins geht es nicht wirklich um Rendite. Es ist ein Signal dafür, dass die politischen Entscheidungsträger Stablecoins nun als einlagenähnliche Instrumente betrachten und somit als zentrale Zahlungs- und Abwicklungsinfrastruktur, die mit Bankeinlagen konkurrieren kann.“

Kursverluste bei Circle und Coinbase

Die Bekanntgabe des Entwurfs löste unmittelbar starke Kursbewegungen aus. Circle, der Herausgeber des USDC-Stablecoins, verlor rund 19 bis 20 Prozent und schloss bei etwa 101 Dollar, obwohl die Aktie zuvor seit ihren Februar-Tiefs bereits mehr als 160 Prozent zugelegt hatte. Coinbase büßte rund elf Prozent ein und verlor damit mehrere Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung, die von etwa 53,3 auf rund 47,7 Milliarden Dollar sank. Auch andere kryptonahe Titel gerieten unter Druck: Robinhood fiel im gleichen Zeitraum um 4,7 Prozent.

Für Coinbase ist das Thema besonders brisant, da Erträge aus Stablecoin-Produkten schätzungsweise rund 20 Prozent der Gesamteinnahmen des Unternehmens ausmachen. Die enge Verflechtung zwischen Circle und Coinbase macht Kursbewegungen bei Circle zudem zu einem direkten Stimmungsindikator für das gesamte Segment.

Analysten: Reaktion möglicherweise übertrieben

Mehrere Analysten meldeten sich mit differenzierten Einschätzungen zu Wort. Experten des Analysehauses Bernstein wiesen darauf hin, dass der Markt einen entscheidenden Unterschied übersehe: Wer Erträge erwirtschaftet und wer sie verteilt, sind nicht dieselben Akteure.

„Circle verdient. Coinbase verteilt“, schrieben die Bernstein-Analysten Gautam Chhugani, Mahika Sapra, Sanskar Chindalia und Harsh Misra in einer Mitteilung an Kunden.

Circles Geschäftsmodell basiert darauf, Erträge aus den Reserven zu erwirtschaften, die den USDC-Stablecoin absichern. Diese Reserven werden überwiegend in kurzfristige US-Staatsanleihen investiert. Bernstein schätzt, dass diese Reserveerträge im Jahr 2025 rund 2,6 Milliarden Dollar erreichten. Das Kerngeschäft von Circle, so die Analysten, bleibe von dem Entwurf weitgehend unberührt, da das Gesetz primär auf die Ausschüttung von Erträgen an Endnutzer abziele, nicht auf die Reserveerträge der Emittenten selbst.

Auch Experten von Clear Street und Mizuho äußerten sich skeptisch gegenüber der Heftigkeit der Marktreaktion. Sie verwiesen darauf, dass ein Verbot von Yield-Produkten Coinbase kurzfristig sogar entlasten könnte, da geringere Zinsaufwendungen anfallen würden.

Der Konflikt: Krypto-Unternehmen gegen traditionelle Banken

Hinter dem CLARITY Act steht intensives Lobbying des traditionellen Bankensektors. Klassische Geldinstitute betrachten Stablecoin-Zinsprodukte als unregulierten Wettbewerb zu klassischen Einlagenkonten. Während Banken strenger Regulierung, Einlagensicherung und Eigenkapitalvorschriften unterliegen, konnten Krypto-Plattformen bislang vergleichbare Renditeprodukte ohne denselben regulatorischen Rahmen anbieten.

Für die Krypto-Branche hingegen sind solche Zinsprodukte ein zentrales Instrument zur Gewinnung und Bindung von Nutzern. Ein Verbot würde den Anreiz für Endkunden erheblich senken, Stablecoins wie USDC zu halten, und damit potenziell das Wachstum der gesamten Stablecoin-Ökonomie bremsen. USDC ist derzeit der zweitgrößte Dollar-Stablecoin weltweit, hinter Tethers USDT, und hat seinen umlaufenden Bestand in den vergangenen zwei Jahren von rund 30 auf 80 Milliarden Dollar ausgebaut.

Ausblick: Viele Fragen noch offen

Der CLARITY Act befindet sich noch im Entwurfsstadium, und nichts ist bislang final entschieden. Die entscheidende Variable für Coinbase, Circle und die gesamte Stablecoin-Branche wird sein, ob Ausnahmen für aktivitätsbasierte Nutzerprogramme in den finalen Gesetzestext aufgenommen werden und wie weit der Entwurf den Gesetzgebungsprozess tatsächlich durchläuft.

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