Geldpolitik

Die EZB, der Ukraine-Krieg und die Angst vor der Stagflation

EZB. © Mika Baumeister on Unsplash
ECB. © Mika Baumeister on Unsplash

Eine Rekord-Inflationsrate von 5,8 Prozent im Februar, und nun kommt auch noch der Ukraine-Krieg mit hart steigenden Energiepreisen dazu. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht aktuell unter enormen Druck, immerhin ist sie dafür da, ihr Versprechen, die Inflation unter Kontrolle zu halten, zu erfüllen. In den USA werden die ersten Zinssteigerungen bereits erwartet, in Großbritannien wurde die Bank of England bereits aktiv.

Heute, Donnerstag, treten wieder die Währungshüter:innen der EZB zusammen, um die nächsten Schritte in der Geldpolitik festzusetzen. Viele Beobachter:innen sehen es mittlerweile als kritisch an, den Leitzins bei dem aktuellen Rekordtief von 0,0 Prozent zu belassen. Der Ukraine-Krieg hat wie berichtet Öl- und Gaspreise weiter steil nach oben geschickt, erste Tankstellen verlangen pro Liter Sprit bereits mehr als zwei Euro. Energiepreise sind, da zeigte die Vergangenheit, der wichtigste Treiber der Inflation. Eine Erhöhung des Leitzinses gilt als wichtigste Maßnahme, um die Inflation einzufangen.

Doch die EZB, die die Inflation lange als vorübergehendes COVID-Phänomen ansah, steht vor einem Dilemma. Entweder kann sie den riskanten Nullzins-Kurs weiterfahren und so riskieren, dass die Inflation weiter steigt und sich die Lohn-Preis-Spirale zu drehen beginnt. „Das ist die größte Sorge der EZB“, erklärt Fabio Rumler, Lead Economist in der Abteilung für volkswirtschaftliche Analysen der Österreichischen Nationalbank, dieses Phänomen. „Wenn man hohe Preissteigerungen mit hohen Lohnsteigerungen kompensiert, dann steigen die Preise wieder weiter. Das würde eine hohe Inflation verfestigen.“

Inflation: Die Ursachen – die Auswirkungen – die Gegenmaßnahmen

Zur Zeit sieht es noch so aus, als würde die EZB weiter bei den Niedrigzinsen bleiben. Zuerst wird das Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) im März auslaufen, und dann wird APP, das noch aus der Prä-Corona-Zeit stammende Asset Purchase Programme, im Laufe von 2022 reduziert. Erst wenn PEPP und APP (über diese Programme werden viele Abermilliarden Euro in den Markt gepumpt) ausgelaufen sind, kann die Zinserhöhung folgen.

„Bevor man die Zinsen erhöht, müssen die Ankaufprogramme auslaufen. Ansonsten gebe es eine Inversion der Zinsstrukturkurve, das wäre für die Banken ganz schlecht. Die Banken machen ihr Geschäft mit der Fristentransformation: Sie nehmen kurzfristig Geld von Einlagen und vergeben es langfristig als Kredite. Wenn sie kurzfristig einen hohen Zins zahlen müssen und langfristig einen niedrigen Zins bekommen würden, dann wäre ihr Geschäftsmodell tot“, erklärt Ökonom Rumler.

Gefahr der Stagflation

Eine Zinswende im Euroraum birgt aber auch die Gefahr einer Stagflation. Dabei handelt es sich um ein Kofferwort aus Stagnation und Inflation und bezeichnet ein Szenario, in der Konsument:innen immer zurückhaltender werden, während die Preise weiter steigen. Wenn Konsument:innen weniger Geld ausgeben, trifft das natürlich die Wirtschaft, die es wiederum durch die stark steigenden Energie- und Rohstoffpreise schwer hat, so günstig wie zuvor zu produzieren. Preise steigen, Konsument:innen können sich weniger leisten, die Spirale dreht sich weiter.

Bereits im Spätsommer 2021 kamen erstmals Sorgen wegen einer möglichen Stagflation auf (Trending Topics berichtete). Man erinnerte sich an die 1970er Jahre: Damals sorgen stark steigende Ölpreise im Zuge der Ölkrise in fast allen westlichen Ländern für stark steigende Staatsschulden, hohe Arbeitslosenzahlen, höhere Preise und geringes Wachstum. Deswegen ist am heutigen Donnerstag bereits von einer „Schicksalssitzung“ und einem Tag der Entscheidung“ für den EZB-Rat die Rede. In einer Pressekonferenz wird EZB-Chefin Christine Lagarde die weiteren Schritte bekannt geben. Man darf gespannt sein.

Delta-Virus nährt eine drohende Stagflation

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