Reploid machte 2025 fast 40 Mio. Euro Umsatz und 9,4 Mio. Euro Gewinn – am Papier
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Die Welser Reploid Group AG hat soeben ihren geprüften Jahresabschluss für 2025 vorgelegt und damit die vorläufigen Zahlen bestätigt. Das börsennotierte Insekten-Scaleup, das aus Lebensmittelresten über Larven der Schwarzen Soldatenfliege Proteine, Fette und Dünger macht, meldet einen Umsatzsprung von 5,1 auf 37,9 Millionen Euro und einen Jahresgewinn von 9,4 Millionen Euro. Im Jahr davor stand noch ein Minus von 1,0 Millionen Euro.
Bei Reploid lag das EBIT 2025 bei 12,63 Millionen Euro nach 1,14 Millionen im Jahr davor. Die EBIT-Marge, also EBIT gemessen am Umsatz, beträgt 33,3 Prozent. Nach einem Finanzergebnis von minus 0,59 Millionen Euro bleibt ein Ergebnis vor Steuern von 12,04 Millionen, nach 2,61 Millionen Euro Steuern ein Jahresgewinn von 9,43 Millionen Euro. Ausgeschüttet wird davon nichts, der Bilanzgewinn von 8,27 Millionen Euro soll zur Gänze auf neue Rechnung vorgetragen werden.
Woher der Gewinn kommt
Getragen wird das Ergebnis vom Anlagenbau, also vom Verkauf der modularen Insektenzucht-Anlagen („ReFarmUnits“) an Betreiberinnen und Betreiber. 2025 wurde eine einzige Anlage fertiggestellt und übergeben, jene im bayerischen Burghausen, die jährlich 9.500 Tonnen Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie verarbeiten soll. Parallel dazu lief die konzeptionelle Arbeit an 33 weiteren Anlagenprojekten.
Verbucht wird dieses Projektgeschäft über „verrechnete Teilleistungen“. Das Unternehmen stellt also Planungs- und Umsetzungsschritte in Rechnung, bevor eine Anlage steht. Der Gewinnsprung erklärt sich im Geschäftsbericht entsprechend so: Gegen Jahresende kam eine große Zahl an Projektaufträgen herein, denen zum Bilanzstichtag erst geringe Umsetzungskosten gegenüberstanden. Das Geschäft war dementsprechend saisonal verteilt, im ersten Halbjahr wurden 10,3 Millionen Euro Umsatz erlöst, im zweiten 27,6 Millionen.
Auffällig ist, wie stark Reploid in seinem eigenen Beteiligungsnetz verankert ist. Viele der Betreibergesellschaften der ReFarmUnits, etwa die Steinberger ReFarmUnit GmbH in Burghausen, die Kaltner ReFarmUnit GmbH oder die Vulkanland ReFarmUnit GmbH, gehören zu 25 bis 51 Prozent Reploid selbst. In der Bilanz stehen zum Stichtag 5,34 Millionen Euro an Forderungen gegenüber assoziierten Unternehmen und 6,50 Millionen gegenüber verbundenen Unternehmen. Zudem hat die AG ein Patentrecht um 4,79 Millionen Euro von einem verbundenen Unternehmen erworben und aktiviert.
Der Haken: Der Gewinn liegt in Forderungen
So kräftig das Ergebnis ausfällt, so wenig davon ist bisher Geld. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit war 2025 mit minus 6,53 Millionen Euro noch deutlicher negativ als im Jahr davor (minus 4,22 Millionen). Zum Bilanzstichtag lagen auf den Konten der AG exakt 6.064,72 Euro, dazu kamen Wertpapiere des Umlaufvermögens über 1,48 Millionen Euro.
Der Grund steht ebenfalls im Abschluss: Die Forderungen sind auf 34,31 Millionen Euro angewachsen, davon 18,59 Millionen an Lieferforderungen. Ein erheblicher Teil ist vertraglich langfristig gestellt, denn fällig werden diese Beträge erst, wenn für die jeweilige Anlage eine positive Baubewilligung vorliegt. 8,55 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von über einem Jahr.
Entsprechend hoch sind die Wertberichtigungen: 13,83 Millionen Euro wurden von den Forderungen abgezogen, allein 12,13 Millionen davon belasten als Einzel- und Pauschalwertberichtigung die sonstigen betrieblichen Aufwendungen des Jahres 2025. Diese Vorsorge ist im EBIT von 12,63 Millionen Euro also bereits enthalten.
Der Wirtschaftsprüfer Deloitte erteilt einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk, hebt die Werthaltigkeit genau dieser Forderungen aber als „Key Audit Matter“ hervor, also als den in seiner Einschätzung bedeutsamsten Punkt der Prüfung. Begründung: die Unsicherheiten rund um Fälligkeitszeitpunkte, Bewertungsmodell und die Höhe der nötigen Wertberichtigungen.
Bilanz und Finanzierung
Die Bilanzsumme kletterte von 7,7 auf 48,28 Millionen Euro, das Eigenkapital von 4,7 auf 19,18 Millionen. Die Eigenkapitalquote sank dennoch von 61,5 auf 39,7 Prozent, weil die Verbindlichkeiten mit 22,01 Millionen Euro (Vorjahr: 2,56 Millionen) noch schneller wuchsen, vor allem bei Bankkrediten, Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen und sonstigen Verbindlichkeiten. Die Nettoverschuldung beziffert das Unternehmen mit 7 Millionen Euro, das Gearing mit 37 Prozent.
Ins Eigenkapital flossen 2025 gut 9 Millionen Euro an gebundenen Kapitalrücklagen, ein Teil davon aus dem Listing im Segment direct market plus der Wiener Börse im vergangenen Sommer, über das Trending Topics vorab berichtet hatte, rund 8 Millionen aus der Wandlung von Gesellschafterdarlehen. Gründer und CEO Philip Pauer hält direkt 64,7 Prozent, über die ihm zurechenbare Addendum Invest FlexKapG weitere 23,3 Prozent, im Streubesitz sind 12 Prozent.
Die Mitarbeiterzahl der AG stieg von 19 auf 50, auf Gruppenebene von 50 auf 109. Für Forschung und Entwicklung wurden 5,6 Millionen Euro aufgewendet, das entspricht 14,7 Prozent des Umsatzes.
Was 2026 bringen soll
Für das laufende Jahr kündigt das Management ein weiteres Wachstum im Projektgeschäft, deutlich mehr verkaufte ReFarmUnits, den Eintritt in zusätzliche Länder sowie fünf neue Patentanmeldungen an. Erneut soll ein Gewinn stehen.
Nach dem Bilanzstichtag ist einiges passiert: Reploid ist in eine neue Zentrale in Wels gezogen, das Forschungszentrum der Tochter Reploid Deutschland (vormals madebymade, im Vorjahr übernommen) übersiedelte nach Leipzig. Die Pierer Industrie AG stieg mit 0,76 Prozent über eine Sachkapitalerhöhung ein, im Gegenzug werden 36 Monatsmieten für das neue Headquarter in Aktien beglichen. Und die Raiffeisen Bank International sagte eine Finanzierung im zweistelligen Millionenbereich aus ihrem 250 Millionen Euro schweren Growth-Financing-Programm zu, was den engen Kassenstand zum Jahreswechsel relativieren dürfte. Bei der steirischen Herosan Healthcare hat sich Reploid zuletzt über eine Call-Option die Mehrheit gesichert.
Zu den Aktionärinnen und Aktionären zählen mittlerweile auch Industriepartner wie die Premium Food Group (vormals Tönnies), im Aufsichtsrat sitzt unter anderem Ex-Ministerin Elisabeth Köstinger. An dr Börse wird das Unternehmen aktuell mit 187 Mio. Euro bewertet.

