Invest AG der Raiffeisenbanken steigt mit 11% bei Wiener TTTech ein
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Die oberösterreichische Beteiligungsgesellschaft Invest AG übernimmt 11 Prozent der Anteile an der Wiener TTTech Group. Das haben die beiden Unternehmen soeben bekannt gegeben. Über den Kaufpreis und darüber, von wem die Anteile stammen, wurde nichts mitgeteilt. Beide Seiten sprechen von einer strategischen Partnerschaft, die auf Langfristigkeit angelegt sei.
TTTech ist eine österreichische Technologiegruppe, die sicherheitskritische Computer- und Vernetzungssysteme entwickelt: also jene Elektronik, die in Umgebungen zuverlässig funktionieren muss, in denen ein Ausfall schwere Folgen hätte. Die Produkte kommen in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz, in der Automatisierung mobiler Maschinen, in industriellen Echtzeitsystemen und im Energiesektor.
Worum es bei dem Deal geht
Aus Sicht der Invest AG geht es bei der Beteiligung um zwei Dinge: um Wachstumskapital für ein Technologieunternehmen mit internationaler Kundschaft und um die Eigentümerstruktur. „Wir sehen es als unsere Verantwortung, dass Spitzentechnologie aus Österreich auch in österreichischer Hand bleibt“, sagt Gernot Hofer, CEO der Invest AG. Man wolle sicherstellen, dass die Kompetenz „auch langfristig hier verankert“ bleibe, mit Fokus auf europäische Unabhängigkeit bei sicherheitskritischen Schlüsseltechnologien.
Gerald Aichhorn, Aufsichtsrat der Invest AG und Beteiligungsvorstand der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich als Leadinvestorin, argumentiert ähnlich: Gerade bei sicherheitskritischen Technologien zähle Kontinuität mehr als kurzfristiger Erfolg.
TTTech-CEO und Mitgründer Georg Kopetz verweist auf die Debatte um technologische Souveränität in Europa. Mit der Invest AG habe man eine Partnerin aus Österreich an Bord, die das Geschäftsmodell verstehe und beim Ausbau der globalen Marktposition unterstütze.
Konkret soll das frische Kapital laufende Expansionsprojekte mittragen. Als Wachstumsfelder nennt TTTech die Raumfahrt, die sichere Einbindung von künstlicher Intelligenz in autonome Systeme sowie den dezentralen Energiemarkt. Für Letzteren hat das Unternehmen im Vorjahr gemeinsam mit dem Verbund das Joint Venture TTTech Zyne gegründet, das eine Echtzeitplattform für Industriebetriebe und Energieversorger betreibt und auf volatile Preise sowie den steigenden Anteil erneuerbarer Energien abzielt (Trending Topics berichtete).
Was TTTech macht
Der bekannteste Beitrag des Unternehmens zur Branche ist die Netzwerktechnologie TTEthernet, die gemeinsam mit der NASA und internationalen Partnerfirmen erprobt wurde und sich als Standard für hochzuverlässige Datennetzwerke etabliert hat. Sie steckt unter anderem in der europäischen Trägerrakete Ariane 6 und im Artemis-Programm der NASA. Zuletzt kam TTTech in die Schlagzeilen, als im heurigen Frühjahr erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten wieder eine Crew den Mond umrundete, an Bord einer Orion-Kapsel mit Technologie aus Wien. Seit gut zwei Jahrzehnten liefert das Unternehmen Elektronik für Raumstationen und Trägerraketen, künftig sollen Satelliten dazukommen.
Die Gruppe hat vor Kurzem ihr größtes Kapitel abgeschlossen: Die Tochter TTTech Auto, an der die Gruppe 35,8 Prozent hielt, ging um 625 Millionen US-Dollar an den niederländischen Halbleiterkonzern NXP, womit Österreich eines seiner Unicorns verlor (Trending Topics berichtete). Einen erheblichen Teil des Erlöses will Kopetz laut früheren Aussagen in die Weiterentwicklung sicherer Produkte stecken, mit Schwerpunkten in Luft- und Raumfahrt, mobiler Maschinenindustrie und industriellem Internet der Dinge (Trending Topics berichtete). Heimisches Kapital ist bei TTTech bereits vertreten: Die B&C Privatstiftung hält seit einigen Jahren rund neun Prozent an der Gruppe.
Was die Invest AG ist
Die Invest AG mit Sitz in Linz zählt zu den größten Private-Equity-Gesellschaften Österreichs. Gegründet wurde sie Mitte der 1990er-Jahre von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die bis heute Leadinvestorin ist. Weitere Kapitalgeberinnen sind die Raiffeisenlandesbank Steiermark, der Raiffeisenverband Salzburg sowie oberösterreichische Raiffeisenbanken. Vorstandsvorsitzender ist Gernot Hofer, der die Funktion vor rund drei Jahren übernommen hat.
Die Gesellschaft arbeitet als sogenannter Evergreen-Fonds, hält Beteiligungen also ohne festgelegten Exit-Horizont und ohne fixe Fondslaufzeit. Seit inzwischen drei Jahrzehnten ist sie in Österreich, Deutschland und der Schweiz aktiv und hat nach eigenen Angaben über 200 Unternehmenstransaktionen begleitet. Bereitgestellt wird dabei Eigenkapital, eigenkapitalähnliches Kapital sowie Mezzanine-Kapital für Unternehmen unterschiedlicher Größe, üblicherweise in Form von Minderheitsbeteiligungen, wobei auch Mehrheitsstrukturen möglich sind. Die Ticketgrößen reichen von wenigen hunderttausend bis zu 40 Millionen Euro pro Transaktion.
Das verwaltete Fondsvermögen liegt derzeit bei rund einer halben Milliarde Euro. Zum Portfolio zählen aktuell etwa 60 Unternehmen, die zusammen einen jährlichen Umsatz von rund 15,7 Milliarden Euro erwirtschaften und etwa 136.000 Arbeitsplätze stellen.
Wo die Invest AG sonst noch investiert ist
Das Portfolio ist breit gestreut und industrielastig. Zu den bekanntesten Beteiligungen zählen der Feuerwehrfahrzeug-Hersteller Rosenbauer, der Motorsport-Zulieferer Pankl Racing Systems, die PUR Holding rund um den Kunststoffkonzern Polytec, der Elektronikfertiger Melecs, der Wasserkraft-Spezialist Global Hydro sowie die Modelleisenbahn Holding mit der Marke Roco.
Im Technologie- und Digitalbereich hält die Gesellschaft Anteile unter anderem am IT-Konzern Cancom, an der HR-Software-Firma comvaHRo, am Kassensystem-Anbieter Ventopay, an der Wirkstoffforschungs-Plattform HeartBeat.bio sowie an SEA.AI, das KI-gestützte Hinderniserkennung für Schiffe entwickelt. Im Handels- und Dienstleistungsportfolio finden sich der Camper-Vermieter Roadsurfer, der Elektronikhändler e-tec und das Energieunternehmen electrify Smart Energy. Aus der heimischen Startup- und Scale-up-Szene ist vor allem Aviloo zu nennen.

