Investment

Dream Security von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz jetzt bei 3 Milliarden Dollar Bewertung

Dream Security Team. © Dream Security
Dream Security Team. © Dream Security

Das von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz mitgegründete israelische Cybersicherheits- und KI-Unternehmen Dream hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. In einer Series-C-Runde nahm das Unternehmen 260 Millionen US-Dollar ein. Die Bewertung steigt damit auf drei Milliarden Dollar – rund dreieinhalb Jahre nach der Gründung und gut ein Jahr nach dem Aufstieg zum Unicorn.

Angeführt wird die Runde von den Wagniskapitalgebern Bicycle Capital und Group 11. Beteiligt sind zudem Bain Capital, Tru Arrow Partners – das Haus des Financiers James Rothschild – sowie der norwegische Tech-Investor Antler und nach Unternehmensangaben weitere globale Geldgeber. Group 11 des israelisch-amerikanischen Investors Dovi Frances ist bereits seit der Gründung an Bord, Bain Capital war schon an der vorangegangenen Runde beteiligt; Bicycle Capital und Antler steigen neu ein. Mit der Runde hat sich die Bewertung von Dream gegenüber Februar 2025, als das Unternehmen mit einer 100-Millionen-Dollar-Runde erstmals die Milliardengrenze überschritten hatte, annähernd verdreifacht.

Büro in München geplant

Das frische Kapital soll in die globale Expansion fließen – unter anderem nach Deutschland. „Noch in diesem Jahr wollen wir ein Büro in München eröffnen“, sagte Mitgründer Sebastian Kurz dem Handelsblatt. Der frühere österreichische Bundeskanzler hält nach eigenen Angaben knapp 15 Prozent am Unternehmen; auf dem Papier wäre dieser Anteil damit rund 450 Millionen Dollar wert.

Parallel erweitert Dream sein Angebot. Bislang positionierte sich das Start-up als Anbieter von Cybersicherheitslösungen für Staaten, Versorger und Privatunternehmen. Künftig sollen KI-gestützte Werkzeuge zur Datenanalyse hinzukommen. Damit tritt Dream in direkte Konkurrenz zum US-Konzern Palantir, der in diesem Segment als führend gilt.

Inhaltlich steht hinter dem Geschäftsmodell das Versprechen einer „souveränen“ KI-Infrastruktur: Dream will Staaten in die Lage versetzen, ihre KI-Systeme selbst zu besitzen, zu betreiben und zu kontrollieren. „Die entscheidende Frage für Staaten ist nicht mehr, ob sie Künstliche Intelligenz einsetzen werden, sondern ob sie diese auch besitzen, betreiben und vollständig kontrollieren“, sagte Kurz. Andernfalls begäben sie sich in eine „kritische Abhängigkeit“ von anderen Staaten wie China oder den USA. Eine Rückkehr in die Politik schloss Kurz vorerst aus; langfristig nannte er einen Börsengang als Option.

Hintergrund: NSO-Gründer als CEO

Dream wurde im Januar 2023 von Shalev Hulio, Sebastian Kurz und dem KI-Experten Gil Dolev gegründet. Hulio – heute CEO – war zuvor Mitgründer der NSO Group, die mit der Spionagesoftware Pegasus international in die Schlagzeilen geraten war. Kurz fungiert als Präsident und Mitgründer, Dolev als Technikchef. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Tel Aviv und unterhält Büros in Wien – dem europäischen Hauptsitz – sowie in Abu Dhabi. Dream beschäftigt nach eigenen Angaben rund 250 bis 320 Mitarbeitende und betreut Kunden aus dem öffentlichen Sektor in Europa, dem Nahen Osten und Südostasien.

Es ist die bislang größte Finanzierung in der Firmengeschichte. 2023 hatte Dream in zwei frühen Runden zusammen rund 54 Millionen Dollar erhalten, 2025 folgten unter Führung von Bain Capital 100 Millionen Dollar. Zu den bislang entwickelten Produkten zählt unter anderem ein auf Sicherheitsoperationen spezialisiertes Sprachmodell (Cyber Language Model).

Anthropic-Bann: „Der Beginn eines globalen Rennens um souveräne KI“

Rückenwind für das Souveränitäts-Narrativ von Dream liefert ein aktueller Vorgang aus den USA. Am 12. Juni hatte die US-Regierung unter Berufung auf nationale Sicherheitsinteressen eine Exportkontroll-Anordnung erlassen, die jeglichen Zugriff auf Anthropics Spitzenmodelle Fable 5 und Mythos 5 durch ausländische Staatsbürger untersagt – auch für Anthropic-Beschäftigte ohne US-Staatsbürgerschaft. Anthropic schaltete die beiden Modelle daraufhin weltweit für sämtliche Kundinnen und Kunden ab, um die Vorgabe einzuhalten. Das Unternehmen widersprach der Maßnahme öffentlich, hält die zugrunde liegende Begründung für ein Missverständnis und arbeitet nach eigenen Angaben an einer Wiederherstellung des Zugangs. Es war nach Einschätzung mehrerer Beobachter das erste Mal, dass die USA eine Exportkontrolle nicht auf Chips, sondern auf den Zugang zu einem KI-Modell selbst anwandten.

Dream-Mitgründer und CEO Shalev Hulio nutzte den Vorgang, um die Geschäftsthese seines Unternehmens zu untermauern. Das Geschehen werde „eine der größten Verschiebungen der jüngeren Geschichte beschleunigen“, erklärte er. Staaten seien bislang davon ausgegangen, dass der Zugang zu führenden KI-Modellen wie Fable dauerhaft gesichert sei – der Bann sei eine Erinnerung daran, dass Zugang und Eigentum nicht dasselbe seien. Wenn etwas für Wirtschaft, Sicherheit und Zukunft eines Landes entscheidend sei, genüge bloßer Zugang nicht.

Die USA täten dabei das, was jede Nation tun würde, nämlich ihre Interessen und Bürger schützen, so Hulio. Die Lehre für den Rest der Welt sei jedoch ebenso eindeutig: Kein Staat würde akzeptieren, dass sein Gesundheits-, Finanz- oder Verteidigungssystem von Dritten kontrolliert werde – und KI habe sich einen Platz auf dieser Liste verdient. „Kluge Regierungen sehen KI nicht länger als Software, sondern als kritische Infrastruktur“, argumentierte er. Kritische Infrastruktur müsse verfügbar bleiben, wenn es darauf ankomme. Sein Fazit: Der Vorgang sei nicht das Ende einer Geschichte, sondern „der Beginn eines globalen Rennens um souveräne KI“.

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