Französische Investoren bewerten chinesisches KI-Startup Moonshot AI mit 30 Milliarden Dollar
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Kurz vor dem erwarteten Börsengang von Moonshot AI hat sich eine Gruppe überwiegend französischer Investor:innen bei dem chinesischen Unternehmen hinter der Kimi-Modellfamilie eingekauft. Gebündelt wurde das Geld in einem Special Purpose Vehicle (SPV), über das rund zehn Millionen Euro in die letzte Finanzierungsrunde vor dem IPO geflossen sind. Einer der Beteiligten ist Pyratz Corp. (MLPTZ), eine an der Euronext Access Paris notierte Investmentfirma, deren CEO Bilal El Alamy im Gespräch mit Trending Topics erklärt, wie die Konstruktion funktioniert und warum das Geld nach Peking und nicht zu Mistral geht.
Investiert wird laut Unternehmen zu einer Pre-Money-Bewertung von 30 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Chinesische Konkurrenten, die bereits an der Börse notieren, kommen auf 46,6 Milliarden US-Dollar (Z.ai) und 13 Milliarden US-Dollar (Minimax). Das chinesische KI-Labor DeepSeek hat kürzlich seine erste externe Finanzierungsrunde überhaupt abgeschlossen und dabei rund 7,4 Milliarden US-Dollar aufgenommen, bei einer Bewertung von laut Insider:innen mehr als 50 Milliarden US-Dollar.
Nachvollziehbar wird die Wette, wenn man sieht, wie weit Moonshot den Abstand zur amerikanischen Spitze verkürzt hat. Kimi K3, das erste offene Modell in der Drei-Billionen-Parameter-Klasse, liegt im Intelligence Index von Artificial Analysis gleichauf mit Gemini 3.1 Pro und vor Claude Opus 4.8, bei etwa einem Dreißigstel des API-Preises westlicher Spitzenmodelle. Unter den Open-Weight-Modellen führt es das Feld an und ist damit das erste, das die Frontier-Liga erreicht, statt ihr wie bisher üblich sechs bis zwölf Monate hinterherzulaufen. Genau darauf reagieren europäische Kund:innen: Spitzenqualität, die sich herunterladen und selbst hosten lässt.
Ein börsennotierter Investor, der von der eigenen Bilanz investiert
Pyratz ist kein klassischer Fonds. „Wir sind eine Investmentfirma, ein Stück weit gebaut nach dem Modell amerikanischer Gesellschaften wie Pershing Square oder Berkshire Hathaway“, sagt El Alamy. „Wir sind selbst börsennotiert, wir investieren von der eigenen Bilanz, und zwar über alle Phasen hinweg, aber ausschließlich in Technologieunternehmen.“ Seit 2021 hat die Firma nach eigenen Angaben ein Portfolio von 29 Unternehmen aufgebaut, die zusammen mehr als 150 Millionen Euro aufgenommen haben, darunter ein Unicorn, dazu kommen sechs Exits.
Der Weg zu Moonshot führte über die eigene Produktarbeit. „Wir betreiben intern viel Forschung und Entwicklung und arbeiten mit den Technologien der Unternehmen, in die wir investieren“, sagt El Alamy. „Wir haben die Modelle von Moonshot sehr viel genutzt, wir haben getestet, sie auszurollen und im Grunde selbst zu hosten, und sie sind wirklich performant. Als sich die Gelegenheit ergeben hat, haben wir investiert.“
100.000 Euro bei 30 Milliarden Dollar Bewertung
Die offizielle Aussendung von Pyratz nennt keine Summe. Im Gespräch wird El Alamy konkreter: „Wir haben rund 100.000 Euro investiert. Wir sind eine unabhängige Investmentfirma, es ist unser eigenes Geld, wir haben also beigetragen, was wir konnten.“ Die Runde, die im Sommer abgeschlossen wurde, bewertete Moonshot AI mit 30 Milliarden US-Dollar pre-money.
Diesen Preis begründet er mit dem Blick auf die europäische Konkurrenz: „Ehrlich gesagt war das gemessen an der Performance der Modelle und am Umsatz ein gutes Investment. Sie machen zum Beispiel doppelt so viel Umsatz wie Mistral.“
Wie das SPV konstruiert ist
Ein einzelnes Ticket über 100.000 Euro passt in eine Runde dieser Größenordnung nicht hinein, also haben sich die Investor:innen zusammengetan. „Wir haben uns mit einer Reihe anderer Investor:innen syndiziert, um diesen Anteil zu kaufen“, sagt El Alamy.
Strukturiert und verwaltet wird das Vehikel von Techmind, einem französischen Investment-Intermediär, der als Investment Studio Deals für Angel-Investor:innen, Family Offices und Unternehmen bündelt. Das SPV firmiert unter dem Namen Techmind Moonshot AI. „Der Pool liegt bei rund zehn Millionen“, sagt El Alamy. „Bei einer Bewertung von 30 Milliarden sind zehn Millionen natürlich vernachlässigbar. Der Punkt ist, die Performance dieser asiatischen Modelle anzuerkennen.“
Wer sonst noch beteiligt ist, will er nicht im Detail nennen, weil es sich um ein privates SPV handelt. Nur so viel: „Es sind überwiegend französische Investor:innen, großteils Gründer:innen französischer Tech-Unternehmen.“
Die Anteile selbst wurden über Cathay Capital gekauft, eine französisch-chinesische Investmentfirma mit etabliertem Namen in Frankreich.
Verkaufen will Pyratz ohnehin nicht so bald. „Wir sind sehr langfristige Investoren“, sagt El Alamy. „Dass wir selbst börsennotiert sind, erlaubt uns im Grunde, die Anteile nie verkaufen zu müssen, wenn wir nicht wollen. Wir sind kein Fonds, der irgendwann Geld zurückgeben muss. Wer Anteile an unserem Unternehmen hält, ist ohnehin liquide. Unsere Strategie ist deshalb, die performantesten Investments zu halten.“
Der IPO steht unmittelbar bevor
Der Zeitpunkt des Einstiegs ist bewusst gewählt. „Moonshot plant, im ersten Halbjahr an der Hongkonger Börse zu listen. Deshalb spreche ich von einem Pre-IPO-Investment: Die nächste Finanzierungsrunde soll der Börsengang sein“, sagt El Alamy.
Laut Berichten der South China Morning Post hat das Unternehmen bereits vertraulich einen Antrag für ein Listing in Hongkong eingereicht und peilt ein Debüt so früh wie im ersten Quartal 2027 an. Parallel läuft eine finale Finanzierungsrunde, die Moonshot mit bis zu 50 Milliarden US-Dollar bewerten könnte. Kürzlich wurde außerdem bekannt, dass das Unternehmen ein Doppel-Listing prüft, mit einer zusätzlichen Notiz am Star Market der Börse Shanghai, wo zuletzt weitere chinesische Tech-Schwergewichte an den Markt gegangen sind. Trending Topics hat im Sommer berichtet, dass Moonshot nach dem Kimi-K3-Coup ein Listing binnen sechs Monaten anpeilt.
Warum Moonshot und nicht Mistral
Für einen französischen Investor liegt die Frage nahe, warum das Geld nicht beim heimischen KI-Champion landet. El Alamy weicht ihr nicht aus: „Aus reiner Modellperspektive ja, ich will da nicht lügen. Ich glaube, neun von zehn Leuten würden auf diese Frage dasselbe sagen.“
Die Stärken der beiden Unternehmen sieht er inzwischen an unterschiedlichen Stellen: „Was wir bei Mistral zuletzt sehen, ist, dass sie bei den großen Modellen nicht mehr wirklich mithalten können und begonnen haben zu diversifizieren, in Richtung Cloud-Anbieter. Sie deployen chinesische Modelle auf ihrer eigenen Infrastruktur, auf Kosten des eigenen Modells. Worin Mistral gut sein wird, ist der Hosting-Teil, die Rechenzentren. Sie bauen eine ganze Reihe davon, und dort werden unterschiedliche Modelle laufen.“
Als Konfrontation will er das nicht verstanden wissen: „Das Playbook ist nie, nur ein Modell zu verwenden, sondern mehrere. Insofern richtet sich das nicht gegen Mistral, es ist ziemlich komplementär. Wir haben uns entschieden, ihr Modell und chinesische Modelle zu deployen, keine amerikanischen.“
Self-Hosting ist der eigentliche Treiber
Der strategische Hintergrund ist der Schwenk zu offenen Gewichten. „63 Prozent der KI-Nutzung laufen inzwischen über Open-Weight-Modelle, und der Trend beschleunigt sich definitiv“, sagt El Alamy und verweist auf regulierte Branchen als Treiber: „Auch wenn Anbieter wie Anthropic und OpenAI sagen, dass sie nicht alles aufsaugen, was man tut, tun sie es faktisch doch. In allen regulierten Branchen, Finanz, Gesundheit, Versicherung, kommen diese Modelle deshalb kaum zum Einsatz.“
Das Argument, chinesische Modelle seien ein Sicherheitsrisiko, lässt er nicht gelten: „Manche sagen: Vorsicht, das ist chinesisch, das ist nicht souverän. Für mich ist das ein bisschen Bullshit. Ein Modell ist formalisiert, es ist eine Matrix aus Koeffizienten. Da steckt keine Backdoor drin. Modelle können Bias haben, aber alle Modelle sind unterschiedlich verzerrt. Genau deshalb ist es wichtig, verschiedene Modelle zu nutzen, die Antworten zu vergleichen und gegeneinander zu challengen. Aus einer Kosten-Nutzen-Perspektive sind die chinesischen Modelle wirklich sehr gut.“
Die offen verfügbaren Kimi-Modelle könnte Pyratz auch ohne Beteiligung einsetzen, das räumt El Alamy ein. Der Deal soll die Vertriebsseite öffnen: „Eine Besonderheit unserer Struktur ist, dass wir Unternehmen, in die wir investieren, dabei helfen, ihre Lösung in Frankreich besser auszurollen. Wir bauen dafür ein gemeinsames Angebot, über das Kund:innen die Modelle selbst deployen können.“
„Open-Weight-Strategie an der Spitze“
Darüber hinaus will Pyratz die offenen Gewichte von Moonshot mit der Technologie des Portfoliounternehmens Zama kombinieren, das an vollständig homomorpher Verschlüsselung arbeitet. Damit lassen sich Berechnungen auf verschlüsselten Daten durchführen, ohne die zugrunde liegenden Informationen offenzulegen. In der offiziellen Aussendung formuliert El Alamy es so: „Moonshot AI hat gezeigt, dass ein fokussiertes Team, eine starke Architektur und eine Open-Weight-Strategie an der Spitze mitspielen können, ohne die Ausgaben der größten US-Labore zu erreichen. Dieses Investment unterstützt auch ein breiteres Ziel: souveräne KI-Infrastruktur, in der leistungsfähige Open-Weight-Modelle mit Confidential-Computing-Technologien zusammenarbeiten.“
Moonshot AI wurde 2023 gegründet, beschäftigt rund 300 Mitarbeiter:innen und hat seit der Gründung etwa fünf Milliarden US-Dollar aufgenommen, deutlich weniger als die führenden US-Labore. Das jüngste Flaggschiffmodell Kimi K3 kommt auf 2,8 Billionen Parameter und ein Kontextfenster von einer Million Token. Rund 70 Prozent des Umsatzes stammen laut Pyratz aus der Enterprise-API-Nutzung, der Rest aus bezahlten Consumer-Abos.

