Straße von Hormus

Irankrieg: Experten halten Ölpreis von mehr als 100 Dollar pro Barrel für möglich

Oil tanker from above. © Venti Views auf Unsplash
Oil tanker from above. © Venti Views auf Unsplash

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Der Ölpreis steigt bereits deutlich, aber es könnte noch viel dicker kommen: Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments, rechnet mit einem deutlichen Anstieg des Ölpreises, sollte die eskalierende Krise am Persischen Golf länger andauern. In einer aktuellen Einschätzung warnt der Experte, dass die Schließung der Straße von Hormus den Ölpreis auf über 100 US-Dollar pro Barrel treiben könnte.

Straße von Hormus als entscheidender Faktor

Nach Einschätzung von Zanghieri bleibt die Wiedereröffnung der Straße von Hormus der entscheidende Faktor für die weitere Preisentwicklung. Die Meerenge ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund 15 bis 20 Prozent der globalen Ölproduktion könnten durch eine Schließung vom Markt genommen werden.

„Entscheidend bleibt jedoch die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Nur dann lässt sich ein Anstieg über 100 US-Dollar/Barrel verhindern.“

Der Generali-Experte weist darauf hin, dass die iranische Marine zwar kaum über die Mittel für eine vollständige Blockade verfügt. Dennoch könnten vereinzelte Angriffe auf Tanker und eine Verminung der Meerenge die Preise auf 90 US-Dollar pro Barrel oder darüber treiben.

OPEC+ kann Ausfälle nur bedingt kompensieren

Zwar beschloss die OPEC+, das Angebot um 206.000 Barrel pro Tag auszuweiten. Zudem könnte die freie Kapazität von knapp drei Millionen Barrel pro Tag theoretisch die iranischen Exporte von 1,6 Millionen Barrel pro Tag ersetzen. Auch liegen die OECD-Reserven im normalen Bereich.

Allerdings sieht Zanghieri die größte Gefahr in direkten Angriffen auf Ölanlagen der Golfstaaten, die die Preise stark steigen lassen würden. Gleichzeitig würde der Iran damit jedoch seine ohnehin schwachen regionalen Beziehungen weiter beschädigen und zudem auch China gegen sich aufbringen.

Hintergrund: Ölpreis steigt nach Eskalation im Nahen Osten

Am Montag reagierten die Ölmärkte unmittelbar auf die militärische Eskalation. Die Ölpreise legten nach den koordinierten Angriffen Israels und der USA auf den Iran zunächst kräftig zu, gaben dann aber wieder etwas nach. In der Nacht zum Montag stiegen die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten um jeweils mehr als zehn Prozent.

Dabei erreichte Brent-Öl in der Spitze bei 82,37 US-Dollar je Barrel den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl bei 75,33 Dollar den höchsten Stand seit Juni 2025. Später lag der Preis je Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April noch um gut 7,5 Prozent höher bei 78,05 Dollar. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um mehr als 4 Dollar auf 71,52 Dollar zu.

Iran schränkt Schiffsverkehr ein

Der Iran reagierte auf die Angriffe mit der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.

Täglich werden etwa 20 Millionen Barrel Öl und fast ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus transportiert. Zudem kündigten die Huthi-Rebellen neue Attacken im Roten Meer an, was den Druck auf die internationalen Handelsrouten weiter erhöht.

Weitere Experten rechnen mit dreistelligen Preisen

Auch andere Analysten teilen die Einschätzung steigender Ölpreise. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl im Fall einer längeren Schließung der Straße von Hormus weiter in Richtung der Marke von 100 Dollar steigen könnte. Eine solche Entwicklung würde die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel Prozentpunkte senken.

Auch Analysten der BNP Paribas halten in ihrem Extremszenario Preisspitzen bei Brent von mehr als 100 US-Dollar für möglich. Ölpreismindernd wirkt allerdings die Tatsache, dass der Iran vorab viel Öl auf See gelagert hat, China hohe Reserven angelegt hat und Saudi-Arabien sowie die Emirate Öl in Pipelines umleiten könnten.

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