OpenAI leitet IPO ein: „Könnte noch eine Weile dauern“
Der ChatGPT-Entwickler OpenAI hat bei der US-Börsenaufsicht SEC vertraulich einen Entwurf seines Börsenprospekts eingereicht und damit den formellen Prozess für einen Börsengang eingeleitet. Das Unternehmen folgt damit dem Konkurrenten Anthropic, der erst eine Woche zuvor entsprechende Unterlagen eingereicht hatte. Analysten erwarten eine Bewertung von mehr als einer Billion US-Dollar.
OpenAI erklärt den Schritt
Das Unternehmen betonte, dass der genaue Zeitpunkt des Börsengangs noch nicht feststehe. In einem offiziellen Statement heißt es:
„Wir haben kürzlich vertraulich ein S-1 eingereicht. Wir erwarten, dass es durchsickert, daher kündigen wir es einfach an. Wir haben uns noch nicht auf einen Zeitpunkt festgelegt; es könnte noch eine Weile dauern, weil es Dinge gibt, die wir tun möchten und die als privates Unternehmen wahrscheinlich einfacher sind. Aber es ist ein kompliziertes Abwägen von Kompromissen, und dies gibt uns die Möglichkeit, früher an die Börse zu gehen, wenn sich das als das Beste herausstellt.“
Der Schritt kommt, nachdem ein kalifornisches Gericht im vergangenen Monat die Klage von Elon Musk gegen OpenAI und dessen Chef Sam Altman abgewiesen hatte. Damit wurde ein wesentliches rechtliches Hindernis für den Börsengang beseitigt. OpenAI arbeitet mit den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie der Anwaltskanzlei Cooley an den Vorbereitungen.
Die dritte Phase von OpenAI
Parallel zum IPO-Prozess beschreibt OpenAI einen strategischen Wendepunkt in seiner Unternehmensgeschichte. Nach einer ersten Phase der reinen KI-Forschung und einer zweiten Phase als Produktunternehmen befinde man sich nun in einer dritten Phase, in der die Wirtschaft beginne, sich rund um KI neu zu gestalten.
Die zentrale Frage sei nun, wie fortschrittliche KI für jede Person und jede Organisation zugänglich, erschwinglich, sicher und nützlich gemacht werden könne. OpenAI betont dabei ausdrücklich, dass eine breite Machtverteilung entscheidend für eine positive Zukunft sei:
„Eine gute KI-Zukunft kann keine sein, in der eine kleine Anzahl von Institutionen den Großteil der Fähigkeiten und den Großteil des Nutzens kontrolliert. Es sollte eine Zukunft sein, in der viele Menschen, Unternehmen, Gemeinschaften und Länder aufbauen, profitieren und Macht ausüben können.“
Die drei zentralen Ziele von OpenAI
Das Unternehmen hat drei übergeordnete strategische Ziele formuliert, auf die es seine Ressourcen ausrichten will:
- Aufbau eines automatisierten KI-Forschers: Ein KI-System soll den Forschungsprozess selbst beschleunigen und zunehmend automatisieren. OpenAI geht intern davon aus, dass bis März 2028 ein erheblicher Teil der eigenen Forschung von KI-Systemen in Zusammenarbeit mit menschlichen Forschern durchgeführt werden könnte.
- Beschleunigung der Wirtschaft: Durch die Förderung wissenschaftlichen Fortschritts, Produktivität und Wirtschaftswachstum sollen die Gewinne aus der KI breit geteilt werden. Jeder solle die Möglichkeit haben, an dem durch KI geschaffenen Wohlstand teilzuhaben.
- Persönliche AGI für jeden Menschen auf der Erde: Jeder Mensch soll Zugang zu einer der transformativsten Technologien der Menschheitsgeschichte erhalten und diese nach eigenen Vorstellungen nutzen können.
Anthropic und SpaceX ebenfalls auf dem Weg an die Börse
OpenAI ist nicht das einzige Technologieunternehmen, das derzeit den Gang an die Kapitalmärkte vorbereitet. Der KI-Konkurrent Anthropic hatte bereits eine Woche vor OpenAI seine Börsenunterlagen eingereicht und dürfte ebenfalls mit einer Bewertung im Billionenbereich rechnen.
Noch früher dürfte SpaceX den Sprung wagen: Das Raumfahrt- und Technologiekonglomerat von Elon Musk plant seinen Börsengang bereits für diese Woche. Erwartet wird eine Bewertung von rund 1,78 Billionen US-Dollar bei einem angestrebten Emissionserlös von 86 Milliarden Dollar. SpaceX positioniert sich dabei nicht mehr nur als Raumfahrtunternehmen, sondern setzt stark auf ein KI-Narrativ rund um das Konzept sogenannter „Orbital Data Centers“, also orbitaler Rechenzentren, die KI-Infrastruktur aus dem Weltraum bereitstellen sollen.
Fondsmanager bereiten sich bereits auf eine milliardenschwere Handelswelle vor, da die Aktienmärkte die enormen Neuzugänge absorbieren müssen. OpenAI hatte zuletzt im März eine Rekordfinanzierungsrunde von bis zu 122 Milliarden US-Dollar abgeschlossen und dabei drei Milliarden Dollar von Privatanlegern eingesammelt, die beim Börsengang eine breitere Investitionsmöglichkeit erhalten sollen.

