Übernahme

OpenAI kauft NextSlide, um sich in B2B gegen Claude Cowork zu stärken

Presentation. © Teemu Paananen auf Unsplash
Presentation. © Teemu Paananen auf Unsplash

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OpenAI hat das Präsentations-Startup NextSlide übernommen. Bekannt wurde der Zukauf erst diese Woche über eine Notiz auf der Website des Startups sowie einen LinkedIn-Post von Gründer Ahmed Beshry – abgewickelt wurde die Transaktion allerdings bereits früher im Jahr 2026. Die Ankündigung komme „ein paar Monate zu spät“, schreibt Beshry selbst. Über den Kaufpreis und die Konditionen wurde nichts bekannt.

Das gesamte NextSlide-Team arbeitet den Angaben zufolge inzwischen bei OpenAI an ChatGPT. Wie viele Personen das sind, ist nicht öffentlich. Ein eigenständiges Produkt gibt es nicht mehr: Die Website von NextSlide zeigt aktuell nur noch die Abschiedsnotiz des Gründers.

Aus Notizen sollten fertige Decks werden

NextSlide wurde Mitte 2025 gegründet und hatte sich auf einen eng umrissenen Anwendungsfall konzentriert: Prompts, Notizen, Dokumente oder Recherchematerial in eine „polierte, editierbare Präsentation“ zu verwandeln. Das Ziel sei nie gewesen, Slides bloß schneller zu generieren, schreibt Beshry in seiner Notiz, sondern „visuelle Kommunikation zugänglicher zu machen“ – also Menschen ohne Design-Erfahrung in die Lage zu versetzen, ihre Inhalte zu präsentieren.

Für Beshry ist es der zweite Exit. Er war zuvor Mitgründer von Caper AI, einem Startup für smarte Einkaufswagen und kassenlosen Checkout, das 2021 von Instacart übernommen wurde – für kolportierte 350 Millionen Dollar.

Strukturell folgt der Deal dem Acqui-Hire-Muster, das OpenAI zuletzt mehrfach angewendet hat: ein kleines Team, ein funktionierendes Produkt, und als Ziel nicht eine eigene Marke, sondern die Eingliederung in eine bestehende Produktlinie.

Einzahlung auf die Produktivitäts-Wette

Der Zukauf trifft auf einen strategischen Umbau bei OpenAI. Fidji Simo, damals CEO of Applications, hatte bei einem All-Hands im März 2026 angekündigt, das Unternehmen richte sich „aggressiv“ auf produktivitätsstarke Anwendungsfälle aus und dürfe sich nicht in Nebenschauplätzen verzetteln. Hintergrund ist ein möglicher Börsengang, der laut CNBC bereits im vierten Quartal 2026 stattfinden könnte. Für 2030 stellt OpenAI Investoren einen Gesamtumsatz von mehr als 280 Milliarden Dollar in Aussicht – etwa hälftig aufgeteilt zwischen Consumer- und Enterprise-Geschäft.

Sichtbar wurde diese Ausrichtung zuletzt im Juli 2026, als OpenAI die Modellfamilie GPT-5.6 und den Agenten „ChatGPT Work“ vorstellte, der mehrstufige Büroaufgaben wie das Erstellen von Dokumenten, Tabellen und eben Präsentationen übernehmen soll. Beide Releases wurden vom Unternehmen offen als Antwort auf Anthropic positioniert. Simo selbst hat ihre Vollzeitrolle im Juli aus gesundheitlichen Gründen abgegeben und ist in eine Teilzeit-Beraterrolle gewechselt.

Präsentationen sind in dieser Logik kein Randthema, sondern eines der am häufigsten nachgefragten Arbeitsergebnisse in Unternehmen – und ein Format, in dem sich der Nutzen eines KI-Abos für Firmenkunden unmittelbar zeigen lässt.

Anthropic hat im Firmenkundengeschäft vorgelegt

Der Druck kommt aus einer Richtung, die für OpenAI lange unkritisch war. Daten des Ausgaben-Management-Anbieters Ramp, der die tatsächlichen Kartenumsätze zehntausender US-Unternehmen auswertet, zeigten im März 2026 eine Trendwende: Unter Firmen, die erstmals KI-Dienste einkaufen, entschied sich die deutliche Mehrheit für Anthropic. Der Anteil der Unternehmen mit einem Anthropic-Abo stieg binnen eines Jahres von rund vier auf knapp ein Viertel, während OpenAI den stärksten je gemessenen Monatsrückgang verzeichnete. Auch Erhebungen von Menlo Ventures sehen Anthropic bei Enterprise-Workloads – vor allem beim Coding – seit längerem vorn.

Beim Gesamtumsatz liegt OpenAI, getragen von rund 900 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Nutzer:innen, weiterhin klar voran. Die Verschiebung betrifft aber jenen Teil des Marktes, der planbare, hochpreisige Verträge verspricht.

Anthropic wiederum ist im selben Zeitraum in die Office-Welt vorgerückt: Seit Februar 2026 können auch Gratis-Nutzer:innen Excel-, PowerPoint-, Word- und PDF-Dateien direkt im Chat erzeugen lassen, seit dem Frühjahr gibt es Claude-Add-ins für Excel, Word, PowerPoint und Outlook, die den Gesprächskontext zwischen den Anwendungen weiterreichen. OpenAI hält mit einem eigenen Sidebar-Add-in für PowerPoint dagegen.

Was offen bleibt

Konkrete Produktpläne hat OpenAI im Zusammenhang mit NextSlide nicht kommuniziert. Ob und in welcher Form die Slide-Funktionen des Startups in ChatGPT auftauchen, ist damit ebenso offen wie die Frage, was der Deal gekostet hat. Klar ist nur die Richtung: ChatGPT soll weniger Chatbot und mehr Werkzeug für fertige Arbeitsergebnisse werden.

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