Patronus: Berliner Startup erhält 11 Mio. Euro für Senior:innen-Uhr
Patronus, ein Berliner Anbieter einer digitalen Sicherheits- und Begleitlösung für Senior:innen, hat in einer Finanzierungsrunde 11 Millionen Euro erhalten. Das Jungunternehmen bietet eine Smartwatch für Senior:innen, die unter anderem als Notfallknopf fungiert, aber nicht wie einer aussieht. Damit will das 2020 gegründete Startup den Notrufgeräten ihre stigmatisierende Wirkung nehmen.
Patronus will „Würde-Problem“ von Notrufgeräten lösen
3TS Capital Partners hat die Runde mit Beteiligung von Grazia Equity angeführt. Beteiligt waren auch die Bestandsinvestoren Singular, Burda Principal Investments, Adjacent, NAP und UVC Partners. Das frische Kapital fließt in den Ausbau der Position im mobilen Notrufsegment. Außerdem will Patronus neue Produktbereiche rund um Familie, Wohlbefinden erschließen und einen KI-Begleiter für den Alltag entwickeln.
Ben Staudt, Gründer von Patronus, hat selbst Erfahrung mit den Problemen mit klassischen Notrufgeräten. Seine eigene Großmutter hatte ein Exemplar, das sie jedoch nicht gerne um den Hals trug, sondern immer auf dem Nachttisch liegen ließ. Ihm zufolge war das klobige Gerät wie ein stilles Eingeständnis, dass man Hilfe braucht. Bevor Staudt und sein Team 2021 ihr erstes Produkt auf den Markt brachten, sprachen sie mit über tausend potenziellen Kund:innen. Dabei zeigte sich immer wieder, dass Menschen vor allem ein „Würde-Problem“ mit den Geräten haben.
Smartwatch sitzt wie normale Armbanduhr
„Wir wollen eine Welt schaffen, in der das Älterwerden Sicherheit, Unabhängigkeit und Verbindung bedeutet. Unterstützt durch Technologie, die sich an Menschen anpasst und nicht umgekehrt“, erklärt Ben Staudt die Vision der Jungfirma.
Die Smartwatch von Patronus soll dieses Problem vor allem dadurch lösen, dass sie nicht nach Medizintechnik aussieht. Das Gerät kommt in verschiedenen Farben, zeigt die Uhrzeit und sitzt wie eine normale Armbanduhr. Eine integrierte SIM-Karte macht sie unabhängig vom Heimnetzwerk. Ein einziger Knopfdruck verbindet im Notfall sofort mit der Notrufzentrale: 24 Stunden, sieben Tage die Woche, überall in Deutschland.

Startup entwickelt AI-Begleiter für einsame Stunden
Laut dem Startup tragen 85 Prozent der Nutzer:innen die Uhr täglich. Heute sind das 25.000 Menschen und Patronus hat für sie bereits über eine halbe Million Mal den Notruf beantwortet. Parallel zur Uhr hat die Jungfirma eine App für Angehörige entwickelt. Die App zeigt, ob die Uhr getragen wird, ob die Person das Haus verlassen hat, wo sie gerade ist. Im Notfall erhalten Angehörige sofort eine Nachricht. Man kann direkt über die Uhr anrufen. Heute sind 50.000 Angehörige über die Patronus Familien-App mit ihren älteren Familienmitgliedern verbunden.
Als nächstes will Patronus einen AI-Begleiter anbieten, der gegen Einsamkeit unter älteren Menschen helfen soll. Der digitale Assistent auf der Uhr soll kein Ersatz für menschliche Nähe sein, aber eine echte Antwort für die Stunden, in denen niemand da ist.
„Patronus hat bewiesen, dass man Produkte für Senior:innen entwickeln kann, die diese wirklich annehmen“, sagt Markus Fleischer, 3TS Capital Partners. „Wir investieren in Unternehmen, die Wachstumsbranchen neu definieren und positiven Impact haben. Ben und sein Team schaffen es, neueste Technologien wie KI im Alltag zu integrieren und das Leben vieler ein wenig besser zu machen.“

