Perplexity streicht Werbung – aus Angst um das Vertrauen der Nutzer
Das AI-Startup Perplexity hat Werbung auf seiner Plattform eingestellt. Das Unternehmen befürchtet, Anzeigen könnten das Vertrauen der Nutzer:innen untergraben, berichtet die Financial Times. Perplexity war 2024 eines der ersten GenAI-Unternehmen, das mit gesponserten Antworten unter den Chatbot-Ergebnissen experimentiert hat. Ende vergangenen Jahres begann das in San Francisco ansässige Unternehmen jedoch, die Anzeigen schrittweise zu entfernen.
Die Entscheidung steht im Kontrast zur Konkurrenz von OpenAI, die seit neuestem gesponserte Links in ChatGPT integrieren, um Werbeumsätze zu generieren. ChatGPT verlangt 60 US-Dollar pro 1.000 Werbeeinblendungen (CPM). Das ist dreimal so viel wie Meta derzeit verrechnet.
„Ein Nutzer muss glauben, dass dies die bestmögliche Antwort ist, um das Produkt weiter zu nutzen und bereit zu sein, dafür zu bezahlen“, erklärte ein Perplexity-Manager gegenüber FT. Obwohl die Anzeigen gekennzeichnet waren und laut Unternehmensangaben keinen Einfluss auf die Antworten des Chatbots hatten, sieht das Management ein grundsätzliches Problem: „Die Herausforderung bei Werbung ist, dass ein Nutzer einfach anfangen würde, alles anzuzweifeln.“ Aus diesem Grund bewertet Perplexity Werbeanzeigen nicht mehr als „fruchtbare Sache“ – während ChatGPT gerade erst loslegt.
OpenAI setzt auf Ads, Anthropic verweigert sich
Während Perplexity den Rückzug antritt, führt OpenAI Werbung in ChatGPT für User ohne kostenpflichtiges Abo ein – dort erscheinen gekennzeichnete Anzeigen unter den Antworten. Das Unternehmen betont, die Antworten von ChatGPT seien nicht durch Sponsoren beeinflusst. Tech-Gigant Google hat zwar Werbung im AI Mode sowie in seinen AI Overviews bei der klassischen Suchfunktion, hält seinen Chatbot Gemini aber aktuell ausdrücklich werbefrei. Anthropic hat sich in diesem Monat ebenfalls gegen Werbung in seinem Chatbot Claude ausgesprochen – und schaltete sogar eine Super-Bowl-Werbung mit der Botschaft: „Werbung kommt zur KI, aber nicht zu Claude.“
18-Milliarden-Bewertung durch Subscriptions
Perplexity wird mit 18 Milliarden Dollar bewertet und erzielt nach Unternehmensangaben 200 Millionen Dollar annualisierten Umsatz – der Großteil stammt aus Abonnements. Das Unternehmen bietet kostenlose Services sowie kostenpflichtige Tarife zwischen 20 und 200 Dollar pro Monat an. Mehr als 100 Millionen User verzeichnet die Plattform laut eigenen Angaben.
Perplexity war auch eines der ersten Unternehmen, das Shopping-Features eingeführt hat – gefolgt von Google und OpenAI. Anders als die Konkurrenz verdient Perplexity an diesem Feature jedoch nichts und nimmt keinen Anteil an den Verkäufen.
„Wir sind im Genauigkeitsgeschäft, und das Geschäft besteht darin, die Wahrheit zu liefern, die richtigen Antworten“, fasst ein weiterer Perplexity-Manager die Prioritäten zusammen. Obwohl das Unternehmen Werbung in der Zukunft nicht kategorisch ausschließt, sei das Modell derzeit „nicht im Einklang mit dem, was die Nutzer wollen“. Man hofft bei Perplexity, daran festhalten zu können
60 US-Dollar CPM: ChatGPT-Werbung geht mit hohen Preisen ins Rennen
