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PhysicsX: Londoner Startup für industrielle KI holt 300 Millionen Dollar

Team of PhysicsX. © PhysicsX
Team of PhysicsX. © PhysicsX

Das Londoner Startup PhysicsX hat in einer Series-C-Finanzierungsrunde 300 Millionen US-Dollar eingesammelt und wird dabei mit rund 2,4 Milliarden Dollar bewertet. Die Runde war überzeichnet und wurde vom singapurischen Staatsfonds Temasek angeführt. Damit hat sich der Unternehmenswert gegenüber der letzten Finanzierungsrunde mehr als verdoppelt, bei der PhysicsX noch mit knapp einer Milliarde Dollar bewertet worden war.

Neben Temasek, das bereits 2025 erstmals in PhysicsX investiert hatte, beteiligten sich die neuen Investoren M&G Investments und Intrepid Growth Partners an der Runde. Bestehende Geldgeber wie der Chiphersteller Nvidia, Applied Materials, Atomico, General Catalyst, Siemens sowie mehrere weitere Fonds stockten ihre Beteiligungen auf. Das frische Kapital soll in die globale Expansion, den Ausbau der Plattform sowie in die Entwicklung sogenannter Large Physics Models fließen.

Was das Unternehmen macht

PhysicsX entwickelt eine KI-native Engineering-Plattform, die physikalische Simulationen für die Industrie dramatisch beschleunigt. Wo herkömmliche Simulationsverfahren Stunden oder Tage benötigen, liefern die KI-Modelle des Unternehmens Ergebnisse in Sekunden. Das ermöglicht Ingenieuren, deutlich mehr Designvarianten zu testen und physikalische Erkenntnisse über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu nutzen, von der frühen Entwicklungsphase bis hin zu digitalen Zwillingen im laufenden Betrieb.

Die Plattform kommt in besonders anspruchsvollen Branchen zum Einsatz, darunter Luft- und Raumfahrt, Halbleiterproduktion, Automobilindustrie, Energiewirtschaft sowie Materialherstellung. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Personalstand im vergangenen Jahr verdoppelt. Der Umsatz hat sich im Jahresvergleich ebenfalls verdoppelt, die gebuchten Erlöse sogar verdreifacht.

„Fast jedes schwierige Problem in der physischen Wirtschaft, bessere Flugzeuge, bessere Chips, bessere Triebwerke, bessere Energiesysteme, hängt davon ab, wie schnell und wie gut Ingenieure die zugrundeliegende Physik durcharbeiten können. Für Jahrzehnte war das die entscheidende Einschränkung bei der Hardware-Innovation. Physics AI beseitigt sie.“

So beschreibt Jacomo Corbo, Mitgründer und CEO von PhysicsX, die Kernthese seines Unternehmens. Corbo gründete PhysicsX gemeinsam mit Robin Tuluie, der als Chairman fungiert. Tuluie betont, dass das Ziel eine Demokratisierung der Hochleistungssimulation sei, also die Öffnung einer Technologie, die bislang einer kleinen Gruppe von Spezialisten vorbehalten war, für ein breites Spektrum technischer Profile innerhalb von Industrieunternehmen.

Bewegung im Markt für industrielle KI

Die Finanzierungsrunde von PhysicsX fällt in eine Phase erheblicher Dynamik im Bereich industrieller Künstlicher Intelligenz. Der europäische Markt erlebt derzeit eine Konsolidierungsphase: Das französische KI-Unternehmen Mistral AI aus Paris hat das österreichische Startup Emmi AI übernommen und damit seine Präsenz im industriellen KI-Segment ausgebaut.

Besonders Aufmerksamkeit erregt hat zuletzt auch das sogenannte Project Prometheus, ein bislang streng geheim gehaltenes KI-Startup, das 2025 von Amazon-Gründer Jeff Bezos und dem ehemaligen Google-X-Manager Vik Bajaj ins Leben gerufen wurde. Das Unternehmen hat sich auf „physische KI“ und industrielle Automatisierung spezialisiert und wurde mit einem Startkapital von zehn Milliarden Dollar ausgestattet. Damit tritt Bezos als direkter Wettbewerber in einem Segment an, in dem auch PhysicsX aktiv ist.

Die Häufung großer Investitionen und strategischer Übernahmen in diesem Bereich zeigt, dass die Industrie die KI-gestützte Simulation und Automatisierung physischer Prozesse als einen der nächsten großen Technologiemärkte betrachtet. PhysicsX ist mit seiner jüngsten Finanzierungsrunde gut positioniert, um in diesem Wettbewerb eine führende Rolle zu übernehmen.

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