Expansion

Revolut beantragt Banklizenz in den USA

Revolut HQ in London. © Revolut
Revolut HQ in London. © Revolut

Das britische Fintech-Unternehmen Revolut hat bei den US-Aufsichtsbehörden einen Antrag auf eine nationale Banklizenz eingereicht. Die sogenannte Bank Charter Application wurde beim Office of the Comptroller of the Currency (OCC) und der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) eingereicht. Gleichzeitig ernannte das Unternehmen Cetin Duransoy (Ex-Raisin) zum neuen CEO für die USA. Für Revolut ist es der zweite Versuch, eine US-Banklizenz zu erhalten.

Aktuelle Lizenzstruktur von Revolut

Revolut verfügt bereits über verschiedene Banklizenzen in unterschiedlichen Märkten. Die Muttergesellschaft Revolut Bank UAB ist eine lizenzierte europäische Bank mit Sitz in Litauen. Sie wird von der Bank von Litauen sowie der Europäischen Zentralbank autorisiert und reguliert. Diese europäische Banklizenz ermöglicht es Revolut, in den EU-Mitgliedstaaten Bankdienstleistungen anzubieten.

Darüber hinaus hat Revolut in den vergangenen Monaten weitere regulatorische Schritte unternommen. Dazu gehören der Start von Bankdienstleistungen in Mexiko, der Erhalt einer Zahlungslizenz in Indien sowie eine vorläufige Zahlungslizenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In den USA operiert das Unternehmen bislang ohne eigene Banklizenz und bietet nur Zahlungsdienstleistungen wie Geldtransfers und grenzüberschreitenden Währungsumtausch an.

Warum die USA für Revolut attraktiv sind

Der US-Markt stellt für Revolut aus mehreren Gründen ein strategisch wichtiges Expansionsziel dar. Mit über 330 Millionen Einwohnern und einem der größten Finanzmärkte weltweit bietet er erhebliches Wachstumspotenzial. Revolut strebt bis Mitte 2027 insgesamt 100 Millionen Kunden weltweit an, derzeit nutzen mehr als 70 Millionen Menschen die Dienste des Unternehmens.

Strategische Vorteile einer US-Banklizenz

Eine nationale US-Banklizenz würde Revolut mehrere operative und geschäftliche Vorteile verschaffen:

  • Volle Kontrolle über die Kundenerfahrung: Das Unternehmen könnte Produkte schneller entwickeln und direkt an Kunden ausrollen, ohne auf Drittanbieter angewiesen zu sein.
  • Bundesweite Regulierung: Revolut könnte nahtlos in allen 50 Bundesstaaten unter einem einheitlichen regulatorischen Rahmen operieren, statt separate Lizenzen für einzelne Staaten zu benötigen.
  • Direkter Zugang zu Zahlungsinfrastrukturen: Die Anbindung an zentrale Systeme wie Fedwire und ACH würde Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz der Transaktionen verbessern.
  • Kreditvergabe und neue Einnahmequellen: Mit einer Banklizenz könnte Revolut Privatkredite und Kreditkarten direkt anbieten und damit Zinsmargen sowie Umsätze im Kernbankengeschäft erschließen. Das ist vor allem in den USA wichtig.

Globale Wachstumsstrategie

Die Beantragung der US-Banklizenz fügt sich in Revoluts umfassendere Expansionsstrategie ein. Das Unternehmen plant, bis 2030 in 30 neue Märkte zu expandieren. Im November 2025 schloss Revolut eine Kapitalmaßnahme ab, durch die die Unternehmensbewertung auf 75 Milliarden US-Dollar stieg. Damit zählt das Unternehmen zu den wertvollsten privaten Technologieunternehmen weltweit.

„Die Vereinigten Staaten sind eine zentrale Säule unserer globalen Wachstumsstrategie. Die Einreichung unserer Bank Charter Application ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu unserer Vision, die weltweit erste wirklich globale Banking Plattform aufzubauen“, so Revolut-Gründer und CEO Nik Storonsky.

Neue Führung für den US-Markt

Mit Cetin Duransoy hat Revolut einen erfahrenen Manager für die USA-Expansion gewonnen. Duransoy bringt mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in den Bereichen Technologie, Zahlungsverkehr und Finanzdienstleistungen mit. Zuletzt war er CEO für die USA bei Raisin, einer führenden Fintech-Plattform, wo er das Netzwerk auf über 90 Banken und Kreditgenossenschaften ausbaute. Zuvor hatte er leitende Positionen bei Capital One und VISA inne.

Sein Vorgänger Sid Jajodia bleibt dem Unternehmen erhalten und übernimmt die neu geschaffene Rolle des Global Chief Banking Officer.

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