Roboter bei erstem UFC-ähnlichem Kampf in China geköpft
In Shenzhen ist am Donnerstag die erste Turnierphase der Ultimate Robot Knockout Legend (URKL) gestartet – nach Angaben des Veranstalters EngineAI die weltweit erste Freikampf-Liga für humanoide Roboter in Originalgröße. Für Aufsehen sorgte gleich der Eröffnungsabend: Ein weißer Roboter mit dem Namen „White Eagle“ traf seinen schwarzen Kontrahenten „Matador“ mit einem hohen Kick am Kopf. Der Kopf des getroffenen Roboters löste sich zunächst aus seiner Verankerung, baumelte während des weiteren Schlagabtauschs lose am Rumpf und fiel schließlich vollständig ab, nachdem der Roboter gestürzt war und ihn unter dem eigenen Körpergewicht eingeklemmt hatte.
Bemerkenswert: Die Maschine kämpfte auch ohne fest sitzenden Kopf weiter, schlug und trat in Richtung des Gegners und versuchte nach dem Sturz noch, sich aufzurappeln. Der Sieger „White Eagle“ führte anschließend vor dem Publikum eine Art Jubeltanz auf. Aufnahmen des Kampfes verbreitete unter anderem der lokale Nachrichtenkanal Shenzhen Story auf YouTube.
Ein Turnier als Technologie-Schaufenster
Die URKL wurde im Februar 2026 in Shenzhen angekündigt und läuft in einem gestaffelten Format über das gesamte Jahr. Die erste Turnierphase findet von Juli bis August statt, die Finalrunden sind für November und Dezember angesetzt. 32 Teams aus verschiedenen Ländern wurden für die Teilnahme ausgewählt. Auf das Siegerteam wartet ein goldener Championship-Gürtel im Wert von 10 Millionen Yuan, umgerechnet rund 1,44 Millionen US-Dollar.
Alle Teams treten mit demselben Robotermodell an: dem T800 von EngineAI, das den Teilnehmern kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der humanoide Roboter ist etwa 173 Zentimeter groß, wiegt zwischen 75 und 85 Kilogramm und verfügt über 29 bewegliche Gelenke. Laut Herstellerangaben erreichen die Gelenke ein Drehmoment von bis zu 450 Newtonmetern; hinzu kommen Panels aus Aluminiumlegierung in Luftfahrtqualität, eine modulare Festkörperbatterie-Architektur sowie ein Wahrnehmungssystem mit 360-Grad-Radar. Ein aktives Kühlsystem soll einen Dauerbetrieb unter hoher Belastung von bis zu vier Stunden ermöglichen. Der Stückpreis liegt bei rund 40.500 US-Dollar.
Zwischen Entertainment und Entwicklungslabor
EngineAI positioniert die Liga als Plattform für technologische Innovation und internationalen Austausch in der Robotik. Chinesische Branchenexperten sehen in solchen Wettkämpfen mehr als Unterhaltung: Kampfszenarien gelten als anspruchsvoller Härtetest für Bewegungssteuerung, dynamische Balance und Stoßfestigkeit – und damit für zentrale Komponenten wie Getriebe, Spindeln und Handmechaniken. Praxiserprobung unter derartigen Bedingungen könne Technologie-Iterationszyklen deutlich verkürzen, argumentiert etwa Tian Feng, ehemaliger Dekan des Intelligence Industry Research Institute von SenseTime.
Gleichzeitig gibt es warnende Stimmen: Die extremen Anforderungen im Kampfsport – kurze, hochintensive Belastungsspitzen – könnten die Optimierung der Roboter von industriellen und haushaltsnahen Anwendungen wegführen, für die eigentlich Kostensenkungen und alltagstaugliche Einsatzszenarien wie Pflege und Rehabilitation entscheidend wären.
Die URKL reiht sich in eine Serie chinesischer Robotik-Events ein, mit denen die Branche Sichtbarkeit für humanoide Roboter schaffen will. Der Markt für humanoide Roboter in China soll laut dem Chinese Institute of Electronics bis 2030 auf ein Volumen von 870 Milliarden Yuan wachsen.

