afreshed: Startup mit der Retterbox übernimmt DACH-Geschäft der schwedischen Motatos
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Es gibt einen neuen Onlineshop für gerettete Lebensmittel in Deutschland und Österreich: Retterbox. Dahinter steht die österreichische afreshed Group, die mit dem schwedischen Lebensmittelretter Motatos eine Übergangs- und Kooperationsvereinbarung geschlossen hat. Motatos hatte sich im Frühjahr aus dem deutschen und österreichischen Markt zurückgezogen, die Vereinbarung überträgt Marktkenntnis und Kundenkommunikationskanäle an das neue Angebot.
Die Domains motatos.de und motatos.at leiten künftig auf retterbox.com weiter, beide Unternehmen führen die bisherige Kundschaft über eine gemeinsame Kampagne zur neuen Marke. Kundendaten werden dabei nicht übertragen, wer wechselt, meldet sich selbst neu an. Über finanzielle Details der Vereinbarung machen die Beteiligten keine Angaben.
„Motatos ist an den eigenen Logistikkosten gescheitert – gefangen in einem Verpackungsvertrag, aus dem man nicht mehr rauskam. Wir übernehmen das Geschäft jetzt mit neuer Verpackung und neuer Auslieferung. Dass die Nachfrage da ist, zeigen rund 1.000 Bestellungen pro Tag auf retterbox.com direkt nach dem Launch“, so CEO Bernhard Bocksrucker gegenüber Trending Topics.
Warum Motatos den DACH-Raum verlassen hat
Motatos, Teil der schwedischen Matsmart-Motatos-Gruppe, war 2020 in Deutschland gestartet und hatte zuletzt rund 300.000 aktive Kund:innen sowie einen Jahresumsatz von mehr als 35 Millionen Euro. In dieser Zeit rettete das Unternehmen nach eigenen Angaben über 40.000 Tonnen Lebensmittel und Konsumgüter vor der Verschwendung. Den Weg zur Profitabilität in Deutschland bezifferte man intern dennoch auf mehrere weitere Jahre und erheblichen Kapitalbedarf. Der Rückzug wurde damit begründet, die Mittel stattdessen in den nordischen Kernmärkten zu bündeln, wo die Gruppe 2025 einen Umsatz von 800 Millionen Schwedischen Kronen bei 1,3 Millionen Bestellungen erzielte. Der letzte Bestelltag im deutschsprachigen Shop lag Anfang Mai, seither verweist motatos.at auf Retterbox als Nachfolgeangebot. Eine Rückkehr in die Region ist laut Unternehmen derzeit nicht geplant.
„Der Rückzug aus Deutschland und Österreich war eine strategische Entscheidung, um uns auf unsere nordischen Kernmärkte zu konzentrieren“, sagt Sofie Zettergren, CEO von Matsmart-Motatos. Man freue sich über die Zusammenarbeit mit der afreshed Group, „einem Team, das unsere Mission teilt, Lebensmittelverschwendung zu verringern“.
Drei Führungskräfte wechseln mit
Mit dem Angebot wechselt auch ein Teil des bisherigen DACH-Teams: Ben Hulme (Managing Director), Ina Schahin (Commercial Director) und Jens Pöhnisch (Buying Director) haben zuvor gemeinsam das Motatos-Geschäft in Deutschland und Österreich verantwortet und treten nun an dieselben Lieferant:innen wieder heran. Mehrere davon hätten bereits vor dem Start Ware zugesagt, heißt es von Retterbox. Hulme kommt über Lidl, Aldi und Delivery Hero zu Motatos, Schahin über Zalando, Groupon und memmo, Pöhnisch bringt mehr als 20 Jahre in Vertrieb und Einkauf mit Schwerpunkt FMCG mit.
„Es gibt weiterhin jeden Tag einwandfreie Markenware, die abgeschrieben wird, und Haushalte, die genau diese Produkte zum richtigen Preis suchen. Diesmal starten wir bewusst klein und wachsen erst, wenn die Abläufe tragen“, sagt Hulme.
Rund 500 Artikel zum Start
Das Startsortiment umfasst etwa 500 Artikel aus dem Trockensortiment in acht Kategorien, von Vorratsschrank über Süßes und Salziges bis zu Saucen und Gewürzen. Die Ware stammt aus Überproduktion, Auslistungen, Verpackungswechseln, Saison- und Aktionsware sowie aus Beständen mit kürzerer Restlaufzeit. Bei jedem Artikel sind der Rettungsgrund und die Mindesthaltbarkeit angegeben. Zu den Beispielen zählen 500-Gramm-Beutel Schokolade eines Schweizer Premiumherstellers, die ursprünglich für hochpreisige Geschenkkartons vorgesehen waren, sowie 1.000 Packungen Kaffee der Sozialunternehmen-Marke Angelique’s Finest kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum.
Bestellt wird im Onlineshop oder per App, geliefert wird in ganz Deutschland und Österreich. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro, ab 45 Euro entfallen die Versandkosten. Kommissionierung und Versand laufen über das Zentrallager der Gruppe bei Wien. In den ersten Monaten tritt die Marke mit dem Zusatz „inspiriert von Motatos“ auf.
Dritte Marke der afreshed Group
Retterbox ist nach afreshed in Österreich und etepetete in Deutschland die dritte Marke der Gruppe. Das Linzer Unternehmen, 2021 von Lukas Forsthuber, Maximilian Welzenbach und Bernhard Bocksrucker gegründet, hatte den deutschen Wettbewerber etepetete heuer übernommen und zuvor die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien mit 25,1 Prozent an Bord geholt. Die Gruppe beschäftigt rund 45 Mitarbeiter:innen und näherte sich zuletzt der Umsatzmarke von 10 Millionen Euro.
Mit dem Trockensortiment deckt die Gruppe erstmals mehr ab als gerettetes Bio-Obst und -Gemüse. „Die letzten Jahre konnten wir mehrere tausend Tonnen Obst und Gemüse retten, nun geht es mit dem weiter, was einen noch viel größeren Teil des täglichen Gebrauchs ausmacht: dem Trockensortiment“, so die drei Gründer. Erklärtes Ziel bleibt ein gerettetes Vollsortiment.

