WWDC

Siri AI soll ChatGPT vom iPhone verdrängen – zunächst nicht in der EU verfügbar

Siri AI in Action. © Apple / Screenshot
Siri AI in Action. © Apple / Screenshot

Auf seiner Entwicklerkonferenz hat Apple eine grundlegend überarbeitete Version seines Sprachassistenten vorgestellt. „Siri AI“ soll die lange verzögerten KI-Funktionen liefern – technisch mitgetragen von Googles Gemini-Modellen.

Apple hat auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) 2026 eine neue Generation von Apple Intelligence samt einem überarbeiteten Sprachassistenten präsentiert. „Heute stellen wir eine völlig neue Version von Siri vor“, sagte Mike Rockwell, VP of Engineering, während der Keynote. Apple nennt den Assistenten „Siri AI“. Es war zugleich die letzte WWDC-Keynote unter Tim Cook als CEO; ihm soll John Ternus nachfolgen.

Mit der Ankündigung greift Apple Funktionen wieder auf, die das Unternehmen bereits 2024 in Aussicht gestellt, aber nicht ausgeliefert hatte. Im März 2025 hatte Apple den ungewöhnlichen Schritt unternommen, die Verzögerung der Siri-Überarbeitung offiziell einzuräumen. Zudem hat das Unternehmen nach eigenen Angaben zuletzt 250 Millionen US-Dollar gezahlt, um eine Sammelklage beizulegen, in der Apple vorgeworfen wurde, Kundinnen und Kunden über die Verfügbarkeit von Apple-Intelligence-Funktionen in die Irre geführt zu haben.

Google Gemini als technische Basis

Grundlage der neuen Siri ist eine im Januar geschlossene Partnerschaft mit Google. Demnach sollen Gemini-Modelle die KI-Fähigkeiten von Siri und Apple Intelligence antreiben. Craig Federighi, SVP für Software Engineering, sprach von einer „tiefen Zusammenarbeit“ mit Google: „Gemeinsam haben wir die nächste Generation der Apple-Intelligence-Modelle entwickelt“, so Federighi in einem während der Keynote eingespielten Video. Welche Gemini-Modelle konkret zum Einsatz kommen, nannte Apple zunächst nicht.

Bekannt ist jedenfalls, dass Apple die Gemini-Modelle selbst distilliert hat und diese auf eigener Infrastruktur bzw. auf den Geräten selbst hostet.

Funktionen: Bildschirmkontext, App-Aktionen und eigene App

Rockwell demonstrierte mehrere KI-Funktionen, die laut Apple den „persönlichen Kontext“ der Nutzerinnen und Nutzer einbeziehen. Dazu zählen das Auffinden früher versendeter Adressen oder von Fotos zu bestimmten Orten. In einem Beispiel zeigte Rockwell, wie Siri gesuchte Fotos findet und mit einer Gruppe teilt, ohne dass die Fotos-App geöffnet werden muss.

Siri AI soll systemweit verfügbar sein, Bildschirminhalte erfassen und mit Apps interagieren können – auch über App-Grenzen hinweg. Daneben gibt es eine eigenständige Siri-App, in der man wie bei vergleichbaren Chatbots mit dem Assistenten kommunizieren kann; Konversationen werden gespeichert und über iCloud zwischen den Geräten synchronisiert. Auf dem Mac wird Siri AI in die Suchfunktion Spotlight integriert.

Hinzu kommen ein neues, laut Apple ausdrucksstärkeres Stimm-Erlebnis, das sich in Tempo, Expressivität und Akzent anpassen lässt, sowie eine verbesserte Diktierfunktion mit höherer Genauigkeit. Die bislang auf das iPhone beschränkte „visuelle Intelligenz“ zur Analyse von Bildinhalten – etwa zur Objekterkennung über die Kamera – soll künftig auch unter macOS, iPadOS und visionOS funktionieren. In Textfeldern soll Siri AI Texte generieren, die Rechtschreibung prüfen und Feedback geben.

Siri AI in Action. © Apple / Screenshot
Siri AI in Action. © Apple / Screenshot

Privacy: Verarbeitung am Gerät oder in der Private Cloud

Den Datenschutz stellte Apple wie üblich in den Vordergrund. Siri AI sei „mit Privatsphäre bei jedem Schritt“ entworfen worden, sagte Federighi. Anfragen würden entweder direkt auf dem Gerät oder über Apples „Private Cloud Compute“ verarbeitet.

Interessant an der Präsentation: Der Partner OpenAI, der mit einer tiefen ChatGPT-Integration 2024 in iPhone und Co präsentiert wurde, spielte heute, zwei Jahre später, keine Rolle mehr. Anzunehmen ist, dass Siri AI letztlich ChatGPT vom iPhone verdrängen soll, weil es tief in die Betriebssysteme integriert ist. Das erklärt auch, warum sich OpenAI zuletzt zuletzt verstärkt dem B2B-Markt mit Codex usw. zugewandt hat – im Wissen, das Apple mit Partner Google eigene Wege jenseits von ChatGPT geht.

Verfügbarkeit: Zunächst nur auf Englisch, nicht in der EU

Zum Start funktioniert Siri AI nach Angaben von Apple ausschließlich auf Englisch; weitere Sprachen sollen erst später folgen. Zuerst werde im Laufe des Jahres eine Beta-Version von Siri AI kommen, angepeilt ist Juli. Der Launch für alle ist dann – wie immer parallel zu den neuen iPhone-Modellen – für Herbst geplant. Verfügbar sein soll der Assistent über das Apple-Ökosystem hinweg – darunter iPhone, iPad, Apple Watch, Mac sowie die VR-Brille – ergänzt durch die plattformübergreifend synchronisierte Siri-App. In der EU soll Siri AI zunächst nicht starten können, ebenso wie regulatorische Rahmenbedingungen in China den Launch verhindern.

„Nutzer von Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro in der EU können auf Siri AI zugreifen, sofern eine unterstützte Sprache eingestellt ist. In der EU wird Siri AI in iOS und iPadOS zunächst nicht verfügbar sein. Apple arbeitet intensiv daran, einen Weg zu finden, der die Privatsphäre und Sicherheit seiner Nutzer gewährleistet“, heißt es dazu seitens Apple.

Siri AI in Action. © Apple / Screenshot
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