Xpeng holt 900 Millionen Dollar für seine Robotik-Sparte
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Der chinesische E-Auto-Hersteller Xpeng hat seine Robotik-Aktivitäten mit frischem Kapital ausgestattet und dafür eine eigene Finanzierungsrunde aufgesetzt. Wie das an der New Yorker Börse und in Hongkong notierte Unternehmen soeben mitteilte, hat das Robotik-Geschäft Kaufverträge mit mehreren Investorinnen und Investoren abgeschlossen und dabei mehr als 900 Millionen US-Dollar aufgenommen. Die Bewertung nach der Runde liegt laut Unternehmensangaben bei mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar. Xpeng bezeichnet den Deal als bislang größte private Einzelrunde in der chinesischen Branche für „Embodied AI“, also für KI-Systeme mit physischem Körper.
Angeführt wird die Runde von IDG Capital, beteiligt ist außerdem Gaorong Ventures. Als strategische Investoren an Bord sind zudem die beiden Tech-Konzerne Tencent und Alibaba. Nach dem Closing behält Xpeng die Kontrollmehrheit am Robotik-Geschäft, das weiterhin in die Konzernbilanz konsolidiert wird. Die Runde schafft damit erstmals eine eigene Marktbewertung für den Robotik-Teil des Unternehmens, ohne ihn vollständig aus dem Konzern zu lösen.
Geld für Serienfertigung und Modelltraining
Das Kapital soll nach Angaben des Unternehmens vor allem in die Hardware- und Software-Entwicklung fließen, außerdem in das Training und die Iteration der hauseigenen „Physical AI“-Modelle, in die Erzeugung hochwertiger Trainingsdaten, in den Aufbau von Fertigungskapazitäten und in die internationale Expansion. Ein weiterer erklärter Zweck ist die Bindung von Führungskräften und Schlüsselpersonal über langfristige Beteiligungsprogramme, ein Punkt, der im aktuell angespannten Wettbewerb um Robotik- und KI-Fachkräfte an Gewicht gewinnt.
Im Zentrum steht der humanoide Roboter IRON, den Xpeng kürzlich in einer neuen Generation vorgestellt hat. Laut Aussendung verfügt die Maschine über 76 Freiheitsgrade im Körper und 21 je Hand sowie über eine geschlossene, flexible Gitterstruktur als Außenhülle. Angetrieben wird die Software von drei hauseigenen Turing-KI-Chips mit nach Firmenangaben bis zu 2.250 TOPS effektiver Rechenleistung. Damit laufe das Basismodell direkt auf dem Roboter, sodass komplexe Aufgaben ohne Fernsteuerung erledigt werden könnten. Chips, Controller, Bewegungsmodule und Greifhände entwickelt der Konzern nach eigenen Angaben selbst und überträgt dabei Fertigungsstandards aus dem Autobau auf die Robotik.
Der Zeitplan bleibt ambitioniert: Die Serienproduktion soll bis Ende 2026 anlaufen, zunächst mit einem Einsatz in Xpengs eigenen Stores und auf Firmengeländen. Der offizielle Marktstart samt Auslieferungen in China und im Ausland ist für 2027 angekündigt.
Investoren sehen Übergang zur Skalierung
IDG Capital argumentiert in der Aussendung, die Branche stehe an einem Wendepunkt vom technischen Durchbruch hin zu Serienfertigung und kommerziellem Einsatz; Xpeng verfüge über eine durchgängige Wertschöpfungskette von Edge-Chips über Basismodelle bis zum kompletten Robotersystem. Gaorong Ventures verweist auf Synergien mit dem Fahrzeuggeschäft und auf den Datenkreislauf aus Produktion, Modelltraining und Einsatz. Firmenchef He Xiaopeng erklärte, die Kapitalzusagen verschafften Ressourcen für schnelleres Wachstum und für die Anwerbung weiterer Fachkräfte. Sein Ziel: IRON solle „ein verlässlicher Partner für Menschen und ein sinnvoller Teil des Alltags und der Arbeit“ werden.
Belastbare Zahlen zu Umsätzen, Stückkosten oder konkreten Kundinnen und Kunden nennt Xpeng bislang nicht. Auch die Frage, wie autonom IRON außerhalb kontrollierter Demonstrationen tatsächlich agiert, ist unabhängig noch nicht überprüft.
Kapital fließt weiter in Humanoide
Die Runde fügt sich in eine Serie großer Finanzierungen im Robotik-Sektor. Das deutsche Unicorn Neura Robotics sammelte zuletzt 1,4 Milliarden US-Dollar von Tether, Nvidia und Amazon ein, das US-Unternehmen Apptronik kam bei 520 Millionen Dollar auf eine Bewertung von rund fünf Milliarden. Auch an der Börse ist das Interesse spürbar: Der chinesische Hersteller Unitree legte bei seinem Börsengang um mehr als 500 Prozent zu. Ob sich die Bewertungen durch reale Verkaufszahlen untermauern lassen, wird sich frühestens zeigen, wenn die ersten Serienmodelle ausgeliefert sind.

