ubicube: Wiener SpaceTech-Startup holt mittleren sechsstelligen Betrag
Das Wiener Tech-Startup ubicube, das an der Schnittstelle zwischen Satellitenbildern und Versicherungen arbeitet, hat eine Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich abgeschlossen. Die Investoren sind die Compass-Gruppe mit Investor Hermann Futter, Business Angel Gernot Singer sowie die Datascience Service, einem Unternehmen von Mitgründer Wolfgang Brunauer.
Die frische Kapitalspritze soll dem Unternehmen Runway bis Mitte/Ende 2026 verschaffen, während parallel eine größere Finanzierungsrunde im Bereich von ein bis zwei Millionen Euro vorbereitet wird.
Gebäudedaten aus dem All für drei Branchen
ubicube hat sich auf die Analyse von Satellitendaten spezialisiert und erstellt daraus detaillierte, aktuelle Gebäude- und Grundstücksinformationen. Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: Versicherungen, Gebäudebewirtschaftung und Energiewirtschaft. Besonders im Versicherungssektor sieht das Unternehmen rund um CEO Andreas Salentinig enormes Potenzial.
Die Technologie ermögliche es, gebäudebezogene Informationen nicht nur aktuell, sondern auch historisch bereitzustellen. Durch die Auswertung von Satellitenbildern können Jahre zurückliegende Veränderungen an Gebäuden nachvollzogen werden. Diese Zeitreise-Funktion ist für Versicherungen besonders wertvoll.
Lösung für das Unterversicherungsproblem
Ein zentrales Problem der Versicherungsbranche ist die sogenannte Unterversicherung. Schätzungen zufolge sind im deutschsprachigen Raum 20 bis 30 Prozent der Gebäude unterversichert, in anderen Ländern könnte der Anteil noch höher liegen. Dies entsteht häufig dadurch, dass Versicherungen auf Informationen von Vermittlern angewiesen sind, die wiederum einen Anreiz haben, niedrigere Versicherungssummen anzusetzen.
„Wir haben viele Fälle aufdecken können, wo eigentlich der Versicherer gar keine oder nur falsche Informationen gehabt hat zu den Versicherungsobjekten“, erklärt Salentinig.
Bei einer Portfolio-Analyse für eine Versicherung entdeckte ubicube beispielsweise Fälle, in denen Zubauten oder Nebengebäude existierten, die fast so groß wie das Hauptgebäude waren, aber komplett unversichert. Solche blinden Flecken können für Versicherungen im Schadensfall zu erheblichen finanziellen Belastungen führen.
Automatisierte Prämienberechnung und neue Geschäftsmöglichkeiten
Das Startup arbeitet bereits eng mit einer Versicherung zusammen und implementiert eine Schnittstelle, über die Versicherungsdaten auf Adressebene automatisiert abgerufen werden können. Dies ermöglicht eine präzisere Prämienberechnung und kann in digitale Antragsrecken integriert werden. Kunden geben ihre Adresse ein, und die Gebäudeinformationen werden automatisch ausgefüllt.
Für Versicherungen ergeben sich durch die detaillierten Daten auch Cross-Selling- und Upselling-Potenziale. Wenn beispielsweise bei 100.000 versicherten Objekten Swimmingpools entdeckt werden würden, die noch nicht versichert sind, und pro Pool 50 Euro zusätzliche Versicherungsprämie erzielt werden können, entstünden schnell Millionenbeträge an zusätzlichem Umsatz.

Weitere Geschäftsfelder
Im Bereich Gebäudebewirtschaftung hat ubicube bereits ein Projekt mit einem der größten Facility-Management-Dienstleister in Deutschland gestartet. ubicube kann wesentlich aktuellere und präzisere Informationen für einen Bruchteil dessen liefern, was derzeit die Benchmark ist.
Ein weiteres Geschäftsfeld ist die Lead-Generierung für Solaranlagen-Anbieter. Das Unternehmen identifiziert geeignete Dächer für Photovoltaik-Installationen und verdient im Erfolgsfall sowohl an der Vermittlung als auch anteilig an den verkauften Kilowattstunden über die Laufzeit.
Woher kommen die Satellitendaten?
ubicube verfolgt einen Multi-Skalen-Ansatz und nutzt Satellitendaten aus verschiedenen Quellen und Spektren. Eine zentrale Rolle spielt das Copernicus-Programm der Europäischen Weltraumagentur ESA. Die Sentinel-Satelliten dieser Konstellation liefern seit 2015 kontinuierlich Daten der Erdoberfläche, sowohl durch optische Aufnahmen als auch durch Radarmessungen.
Diese Daten sind frei verfügbar und bilden das Rückgrat des Urban Monitoring Systems von ubicube. Auf einem 10-Meter-Raster kann das Unternehmen erkennen, wo bebaut ist, wie dicht die Bebauung ist und wie sich diese über die Zeit verändert.
Für detailliertere Analysen kauft ubicube hochauflösende Satellitendaten von kommerziellen Anbietern zu. Die räumliche Auflösung reicht dabei von 10 mal 10 Metern bis hinunter zu 30 oder sogar 15 Zentimetern pro Pixel. Über verschiedene Plattformen hat das Startup Zugriff auf alle kommerziell nutzbaren Satellitendaten und kann sogar gezielt neue Aufnahmen beauftragen.
Das Unternehmen startet zunächst in Österreich, wo die Datengrundlagen bereits perfekt aufbereitet sind. Perspektivisch soll das Geschäftsmodell auf den gesamten DACH/CEE-Raum ausgeweitet werden. Für die geplante Finanzierungsrunde bis Mitte 2026 sucht ubicube nach Business Angels und strategischen Investoren, insbesondere aus den Bereichen Versicherung und Gebäudewirtschaft.

